Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

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Datum 04.05.2022 Projektergebnisse „Sei mein Schatz! – stadtregionale Landschaften gemeinsam in Wert setzen“

Interview zu den Ergebnissen des Andockprojekts „Sei mein Schatz!“ mit Linda Mertelmeyer von der Landeshauptstadt München

Werbemotiv für die digitale Landschaftsschatzsuche im Rahmen von „Sei mein Schatz“
Quelle: Stefan Gerstorfer

Um die Grüne Infrastruktur in wachsenden Metropolregionen des Alpenraums wie beispielsweise in München zu stärken, wurden im Rahmen des Interreg-Projekts LOS_DAMA! Pilotvorhaben in allen beteiligten Stadtregionen umgesetzt. Die Münchener Pilot-Vorhaben standen ganz unter dem Motto: Landschaft in Wert setzen! Aus Partizipationsansätzen mit modernen Medien entstand unter anderem eine Landschaftsschatzkarte – von der Bevölkerung für die Bevölkerung. Die Schatzkarte sowie ihr Entstehungsprozess stießen auf großes Interesse und wurden im Projekt „Sei mein Schatz!“ auf Grünräume nördlich von München ausgeweitet. Die inhaltliche Vertiefung und räumliche Ausweitung wurde durch die sogenannte Andockförderung des Bundesprogramms Transnationale Zusammenarbeit ermöglicht. Linda Mertelmeyer berichtet im Interview über die Projektergebnisse und den Mehrwert für die Region.

Worum ging es in dem Projekt „Sei mein Schatz!“?

Wie wichtig vielfältige und gut erreichbare Naherholungsmöglichkeiten sind, hat sich gerade während der letzten beiden Jahre der Corona-Pandemie gezeigt. Dabei wurde auch deutlich, wie empfindlich manche Gebiete sind und dass es notwendig ist, die unterschiedlichen Anforderungen von Naturschutz, Landwirtschaft und Freizeitnutzung miteinander in Einklang zu bringen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums in der Stadtregion und dem damit verbundenen Nutzungsdruck auf die Freiräume wichtig. Mit dem Projekt „Sei mein Schatz! – stadtregionale Landschaften gemeinsam in Wert setzen“ wollten wir einen Beitrag zur Wertschätzung der Landschaften vor unseren Haustüren und ihrer vielfältigen Funktionen leisten, Politik und Bevölkerung für die Bedeutung dieser Räume sensibilisieren und das über administrative Grenzen hinweg – auf Augenhöhe mit den Nachbarkommunen und gemeinsam mit dem Naturschutz.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Andockprojekts „Sei mein Schatz“ für die Region München?

Als tolle Ergebnisse einerseits zählen natürlich unsere öffentlichen Aktivitäten selbst: Wir haben eine digitale Umfrage zu Lieblingsorten und -Routen im Norden von München durchgeführt, eine Broschüre mit Spazier- und Radrouten veröffentlicht sowie ein Theaterstück zum Dachauer Moos für Familien konzipieren und aufführen lassen. Alle drei Aktionen verdeutlichen auf unterschiedliche Art und Weise den Wert der Landschaft vor unserer Haustür und machen gleichzeitig darauf aufmerksam, welche unterschiedlichen Nutzungsinteressen in diesen Landschaften aufeinandertreffen und welcher Druck auf ihnen lastet.

Neben den Aktionen sind für uns wichtige Ergebnisse auch die, die man zwischen den Zeilen lesen kann. Aus der Umfrage wurde deutlich, dass ein gewisser Konsens darüber herrscht, was als „schön“ empfunden wird. Es sind oft nur kleine Dinge, die einen Ort für die Naherholung attraktiv machen: eine bequeme Bank, ein schattenspendender Baum, eine Sitzstufe am Wasser, ein bunter Blühstreifen, ein spannender Ausblick. Darüber hinaus haben die Diskussionen während des gesamten Projektes mit seinen verschiedenen Beteiligungsprozessen deutlich gemacht, wie unterschiedlich die Interessen und Ansprüche an die Freiräume in der Region sind und wie wichtig es ist, frühzeitig alle Akteure an einen Tisch zu bringen. Wir müssen gemeinsam darüber nachdenken, wie sich die unterschiedlichen Aspekte zusammenbringen lassen.

Wie geht es nach Projektabschluss weiter und wie können die Ergebnisse weiterhin genutzt werden?

Titelseite des Leporellos „Unterwegs in Moos und Heide“
Quelle: Stefan Gerstorfer

Die Broschüre „Unterwegs in Moos und Heide – Spaziergänge und Radtouren zwischen Amper, Würm und Isar“ wird ab sofort kostenlos als handlicher Leporello in den beteiligten Kommunen sowie online verfügbar sein. Für das Theaterstück sind bereits drei weitere, über andere Quellen finanzierte Aufführungen für 2022 geplant. Es kann zu verschiedensten Anlässen in der Region wiederholt werden. Für die Qualifizierung des Münchner Grüngürtels geben die Ergebnisse der Umfrage wichtige Hinweise. Wenn es gelänge, die häufig monotone Feldflur durch kleine Maßnahmen aufzuwerten, könnte dies zur Entlastung der störungsempfindlichen Gebiete beitragen – ein Ansatz, der weiterverfolgt werden sollte. Des Weiteren haben wir unser interkommunales „Landschafts-Netzwerk“ mit den Nachbarkommunen, den Naturschutzbehörden und den Naturschutzverbänden gestärkt und ausgeweitet. Darauf lassen sich weitere, gemeinsame Projekte aufbauen.

Leporello „Unterwegs in Moos und Heide“ als Produkt-Ansicht
Quelle: Stefan Gerstorfer

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt gefallen?

Zunächst einmal bin ich sehr froh darüber, dass wir die geplanten Aktionen, wenn auch „Corona-angepasst“, umsetzen konnten. Am Anfang des Projekts war das eine große Herausforderung. Wir wussten alle nicht, wie sich die Pandemie entwickelt, was möglich sein wird und was nicht.

Ich persönlich hatte sehr viel Spaß an der Einbindung der unterschiedlichen Interessensgruppen. Das war zwar gerade vor dem Hintergrund des erhöhten Nutzungsdrucks durch Corona eine große Herausforderung und lief nicht immer ganz reibungslos, aber ich denke, dass wir so komplexe Themen nur gemeinsam konstruktiv entwickeln können. Wenn wir das interkommunale Netzwerk ausbauen und zukünftige Kooperationspartnerinnen und -partner für weitere „Landschaftsentwicklungs-Projekte“ gewinnen könnten, ist das ein sehr schönes Ergebnis.

Haben Sie Tipps für andere Interreg-Projekte zur Nutzung der Andockförderung des Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit (was war positiv, was war herausfordernd)?

Die Andockförderung war für uns eine hervorragende Möglichkeit, das LOS_DAMA!-Netzwerk nach Ende der eigentlichen Interreg-Förderung beisammen zu halten und das Thema der interkommunalen Landschaftsentwicklung voranzubringen und weiter zu etablieren. Darüber hinaus bot sie uns die Möglichkeit, auf die Erfahrungen aus dem Vorgänger-Projekt aufzubauen und unser Know-How in Sachen Beteiligungsverfahren und moderne Technologien zu erweitern. Sowohl die Schatzsuche mit der lokalen Bevölkerung als auch die daraus resultierende und mit dem Naturschutz abgestimmte Routensammlung „Unterwegs in Moos und Heide – Spaziergänge und Radtouren zwischen Amper, Würm und Isar“, sind dadurch besser und professioneller geworden. Das Theaterstück war ursprünglich die Idee unseres LOS_DAMA!-Partners aus Grenoble, die wir ohne die Andockförderung nicht für die Region München hätten adaptieren können. Ein Tipp wäre: bereits bei der Hauptförderung auf die Anschlussfähigkeit verschiedener Projektbausteine und deren Umsetzbarkeit zu achten.

Blick vom Fröttmaninger Berg, einem der Lieblingsorte aus der digitalen Landschaftsschatzsuche. Er ist ein echtes Idyll zwischen Autobahn, Klärwerk und Fußballstadion
Quelle: LHM

Weiterführende Informationen

Video: „Der gute Geist vom Dachauer Moos“: Website YouTube

Website Interreg-Projekt „LOS_DAMA!“: Website Alpine Space Programme

Linda Mertelmeyer

Linda Mertelmeyer  (© Linda Mertelmeyer )

Linda Mertelmeyer ist Mitarbeiterin im Referat für Stadtplanung & Bauordnung der Landeshauptstadt München in der Grünplanung, Team Landschaftsplanung. Im Münchener LOS_DAMA! Team ist sie verantwortlich für die Umsetzung der lokalen Pilotvorhaben und jetzt Koordinatorin des Andockprojekts "Sei mein Schatz!".