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Baltic InteGrid: Vorhandenes Potenzial zur Erzeugung von Offshore-Windenergie im Ostseeraum effektiv nutzen

Interview mit Thilo Krupp vom deutschen Projektpartner der Stiftung Offshore-Windenergie

Offshore-Park in der Ostsee (© 50Hertz)

Der Ostseeraum besitzt ein großes Potenzial, Offshore-Windenergie zu erzeugen, jedoch sind momentan nur 15 Prozent der Europäischen Offshore-Windparks in der Ostsee angesiedelt. Zurzeit stellt die effiziente Netzentwicklung im Ostseeraum noch eine große Herausforderung dar. Um das vorhandene Potenzial erfolgreich zu nutzen, wurde das Interreg-Projekt Baltic InteGrid (Integrated Baltic Offshore Wind Electricity Grid Development) initiiert. Es beschäftigt sich mit vermaschten Stromnetzen in der Ostsee. Die Idee ist es, Offshore-Windparks untereinander zu vernetzen, um so beispielsweise Kostenvorteile zu erzielen und maritimen Raum effizienter zu nutzen. Thilo Krupp von der Stiftung Offshore-Windenergie berichtet im Interview über wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes.

Was sind wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes?

Die Umsetzung von Offshore-Netzen in der Ostsee ist sehr komplex. Der Bau ist aus rein technischer Sicht möglich. Eine viel größere Herausforderung als die technische Umsetzung ist jedoch die Anpassung bzw. die Schaffung eines geeigneten regulatorischen Rahmens. Das ist für uns eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt. Momentan gibt es lediglich ein paar Lösungsansätze, wie ein länderübergreifendes Offshore-Netz reguliert werden könnte. An dieser Fragestellung haben wir uns im Baltic InteGrid-Projekt fast den Kopf zerbrochen. Zu diesem und anderen Themen haben wir während der Projektlaufzeit eine Vielzahl von Publikationen veröffentlicht. Die Zusammenfassung und viele Einzelberichte lassen sich auf der Website des BOGF abrufen: Baltic InteGrid Outputs.

Leider haben wir neben den regulatorischen Herausforderungen momentan auch (noch) kein einvernehmliches Bekenntnis der Ostseeanrainerstaaten zum verstärkten und koordinierten Ausbau der Offshore-Windenergie in der Ostsee. Dieses Bekenntnis in Kombination mit gesetzlichen Ausbauzielen ist allerdings notwendig, damit Hersteller und Betreiber ihre Aktivitäten planen können und wir in Zukunft noch weitere Offshore-Windparks in der Ostsee sehen werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass mittelfristig das immense Offshore-Windpotenzial der Ostsee erkannt und stärker genutzt wird - auch um die in Paris festgelegten Klimaziele zu erreichen.

Wie zahlte sich die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern aus?

Klar ist, dass alle ehemaligen Baltic InteGrid Partner das gleiche Ziel verfolgen: Den Ausbau der erneuerbaren Energien für eine grüne Zukunft! Die Vorstellung wie dieses Ziel erreicht werden soll und die nationalen Hindernisse auf dem Weg zu diesem Ziel sind allerdings innerhalb des Konsortiums sehr unterschiedlich. Deshalb mussten wir uns natürlich viel inhaltlich austauschen und auch Kompromisse finden. Das unterschiedliche Wissen um Genehmigungsprozesse, das Verfahren zur maritimen Raumplanung oder die Akzeptanz von Windenergie in den verschiedenen Anrainerstaaten war eine große Bereicherung für alle Projektpartner (an dem Projekt nahmen 14 Partner aus acht Ländern des Ostseeraums teil). Durch das Projekt haben wir nun alle eine bessere Einschätzung zu den jeweiligen nationalen Schwerpunktthemen und können die unterschiedlichen Perspektiven besser nachvollziehen. Das wird uns auch in unserer zukünftigen Arbeit - national und international - sehr nützlich sein.

Abgesehen von dem Fachlichen haben wohl alle Projektpartner auch kulturell dazugelernt. Ich habe nun beispielsweise eine wesentlich bessere Einschätzung über die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei baltischen Staaten. Schön ist natürlich auch, wenn aus solch einem Projekt eine enge Zusammenarbeit entsteht. Mit einem unserer polnischen Partner tausche ich mich immer noch regelmäßig aus.

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt Baltic InteGrid gefallen?

Die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern war stets sehr positiv-konstruktiv. Wenn Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern zusammenkommen, stellt sich häufig eine sehr konstruktive "Hands-on-Mentalität" ein. Das ist eine Arbeitsatmosphäre, die mir sehr gefällt und unter der ich auch sehr produktiv arbeiten kann.

Eine Bereicherung sind auch die schönen, kleinen Momente, wo man einige Projektpartner persönlich etwas besser kennenlernt. Ich erinnere mich beispielsweise, dass ich mit einem schwedischen Projektpartner zwei Stunden in Kopenhagen am Bahnhof warten musste. Wir hatten eine so nette Unterhaltung, ich hätte fast einen Zug später genommen.

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

Wir wollen natürlich an unsere Erfahrungen und Ergebnisse anknüpfen. Daher haben wir nun das "Baltic Offshore Grid Forum" (BOGF) gegründet. Das Baltic Offshore Grid Forum ist ein Netzwerk von ehemaligen Baltic InteGrid Projektpartnern und eine Handvoll von anderen Akteuren, die das Thema Offshore-Netze in der Ostsee weiterhin für relevant und zukunftsfähig halten. Wir wollen daher im ständigen Austausch bleiben. So haben wir uns mitunter im Mai 2019 am Rande der Konferenz "Baltic Energy Industry Forum" in Warschau getroffen, um das Thema Offshore-Netze nochmal aufzugreifen.

Schön wäre es sicherlich für das Baltic InteGrid-Konsortium, wenn wir unser Wissen und unsere Erfahrung irgendwann in einem Nachfolgeprojekt einbringen könnten. Ich denke, es gäbe mit der Expertise im Konsortium vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Beispielsweise könnte ich mir gut eine Detailstudie zu einem bestimmten Gebiet in der Ostsee vorstellen oder eine genauere Betrachtung eines Unterthemas (z.B. Regulierung, Raumplanung oder Umweltauswirkungen). Wir werden sehen was die Zukunft bringt.

Weitere Informationen:

Baltic InteGrid
Baltic InteGrid Outputs

Thilo Krupp ist Projektmanager bei der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE, einem Projektpartner des Baltic InteGrid-Projektes.