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Interreg-Projekt stellt Prototyp eines Lastenfahrrads mit Brennstoffzellentechnologie vor

Prototyp des Brennstoffzellen-Lastenrades auf der "Vision Smart City" (© DLR/Björn Offermann)

Wie im Februar berichtet, testet das Interreg-Projekt FCCP ein innovatives Brennstoffzellen-Lastenrad für eine neue klimafreundliche Logistiklösung in städtischen Gebieten. Einen ersten Prototyp des Lastenrades konnten die Besucher der "Vision Smart City" in Stuttgart am 9. und 10. September 2019 von Nahem bestaunen und testen.

Emissionsfreies Lastenfahrrad für nachhaltige Mobilität

Das Interreg-Projekt FCCP (Fuel Cell Cargo Pedelecs) beschäftigt sich mit der Herausforderung, Innenstädte vom Verkehr zu entlasten und Emissionen, die durch den Lieferverkehr entstehen, zu reduzieren. Lastenräder, die ihre Energie aus einer Brennstoffzelle beziehen, sollen in einer einjährigen Validierung in vier europäischen Städten ihr Potenzial beweisen. Der erste Prototyp wurde jetzt von den Projektpartnern entwickelt. Ein kompaktes Brennstoffzellensystem wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart an ein vierrädriges Standardlastenrad installiert. Von da an konnte das Brennstoffzellen-Lastenrad die 14,1 km zum Mercedes-Benz Museum von einem Mitarbeiter über Straßen und Radwege gefahren werden. Zum Vergleich: Mit dem Auto wären es drei Kilometer mehr geworden. Von der Emission ganz zu schweigen.

Besucher der Vision Smart City testen Brennstoffzellen-Lastenrad

Die "Vision Smart City" gab knapp 20.000 Besuchern an zwei Tagen die Gelegenheit, unterschiedliche Mobilitätskonzepte aus der Nähe zu betrachten. So konnte auch das durch das Interreg-Projekt entwickelte Brennstoffzellen-Lastenrad von den Besuchern getestet werden. Die aufmerksamen Testfahrer waren häufig überrascht über die Benutzerfreundlichkeit - denn die Nutzung erforderte lediglich bereits Bekanntes: fahren, bremsen, blinken und schalten. Der elektrische Motor unterstützt in fünf Stufen die Muskelkraft des Fahrers und die Brennstoffzelle sorgt für genügend Energie.

Die emissionsfreie Brennstoffzelle hat viele Vorteile gegenüber einer Batterie. Sie bietet eine hohe Reichweite, keine Leistungseinbußen im Winter sowie ein schnelles Betanken. Basis ist ein konventionelles Lastenrad mit einer Breite von 85 cm. Damit darf es auch Radwege und in manchen Städten sogar die Fußgängerzonen befahren. Als Pedelec benötigt es auch keine E-Bike-Zulassung. Durch die bessere Nutzung der bestehenden Infrastruktur können Staus reduziert werden und eine pünktlichere Zustellung von Pakten als mit konventionellen Lieferfahrzeugen wird möglich. Die sich bietenden Potenziale durch neuartige Verkehrskonzepte, wie sie beispielsweise durch das Interreg-Projekt FCCP entwickelt werden, erwähnte auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seiner Eröffnungsrede.

Zurück zum DLR ging es selbstverständlich wieder mit der elektrischen Energie der Brennstoffzellen. Ein Auftanken war dazwischen nicht notwendig: Die Versorgung hätte für drei weitere Fahrten zum Museum und wieder zurück gereicht.

Ach übrigens: Die Einsatzmöglichkeiten für diese Art von Lastenrad sind vielfältig. Bei der Veranstaltung "Theo - autofrei" (erster autofreier Sonntag in Stuttgart) gab es von den Bürgern hierzu viele Vorschläge, unter anderem der Einsatz des Lastenrads als Müllfahrzeug in Parks.

Weitere Informationen:

Vision Smart City: Veranstaltung "Vision Smart City"
Interreg-Projekt FCCP: siehe Gute Beispiele

Björn Offermann ist Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., dem Leadpartner des FCCP-Projektes.