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DanuBioValNet: Transnationale Vernetzung für eine biobasierte Industrie im Donauraum

Aufbau von biobasierten Wertschöpfungsketten durch internationale Vernetzung im Projekt DanuBioValNet (© DanuBioValNet)

Um das Wirtschaftspotenzial der Donauregion zu entwickeln, Umweltbedingungen zu verbessern sowie die Lebensqualität zu erhöhen, spielt der Übergang von einer nicht nachhaltigen Wirtschaft basierend auf fossilen Ressourcen hin zu einer nachhaltigen biobasierten Wirtschaftsweise (Bioökonomie) eine wichtige Rolle. Durch eine Rohstoffwende können beispielsweise die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen reduziert und klimaschädliche Emissionen verringert werden. Hier setzt das Projekt DanuBioValNet an. Es sollen Öko-Innovationen gefördert und neue, biobasierte Wertschöpfungsketten im Donauraum etabliert werden. Das Interreg-Projekt startete im Januar 2017 und endete vor kurzem, im Juni 2019. Projektleiter Dr. Dominik Patzelt von der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH berichtet im Interview über wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes.

Worum ging es in dem Projekt DanuBioValNet?

Das Projekt DanuBioValNet (Cross-Clustering partnership for boosting eco-innovation by developing a joint bio-based value-added network for the Danube Region), das 2017 im Rahmen einer überregionalen Partnerschaft mit 17 Partnern aus zehn Ländern des Donauraums gestartet wurde, fördert den Übergang von der fossilen Wirtschaft zu einer Wirtschaft, die erneuerbare Ressourcen nutzt. Dabei müssen neue biobasierte Wertschöpfungsketten von der Primärproduktion bis zum Verbrauchermarkt durch die Vernetzung von Unternehmen aus verschiedenen Regionen und Branchen etabliert werden, um zu informieren, diskutieren und letztendlich hochwertige Lösungen umzusetzen.

Ziel des Projektes war es, neue Methoden und Werkzeuge zu entwickeln, um Akteure des Donauraums (wie z.B. Unternehmen, Landwirte, Universitäten und Forschungseinrichtungen) transnational miteinander zu vernetzen. Hierzu wurden regionale Clustermanager intensiv geschult, um die Kooperationen in der biobasierten Industrie anzustoßen. In der Umsetzungsphase wurde die Praktikabilität der entwickelten Methoden und Werkzeuge anhand von drei Beispiel-Wertschöpfungsketten für nachhaltiges Bauen, biobasierte Verpackungen und Phytopharma (Herstellung von Medikamenten auf Basis von Heilpflanzen) länderübergreifend getestet.

Was sind wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes DanuBioValNet?

Über 2.000 Akteure nahmen an den Veranstaltungen des Projektes teil. Sie informierten sich über Bioökonomie, ihre Chancen und Möglichkeiten und wirkten aktiv an diversen Expertenworkshops und somit an der Erarbeitung der Projektergebnisse mit. Mit der im Projekt entwickelten Joint Bio-Based Industry Cluster Policy Strategy wird darauf abgezielt, über makroregionale clusterbasierte Politikansätze die Bioökonomie im Donauraum zu befördern. Mittels dazugehörigem Action Plan werden konkrete Implementierungsanleitungen geschaffen und Wirtschaftsförderern mit der Cluster Tool Box Methoden an die Hand gegeben, um ihre Cluster in der Bioökonomie zu positionieren und zu vernetzen. Weitere Ergebnisse und Berichte aus dem Projekt (auch spezifisch für die Themen Phytopharma, nachhaltiges Bauen sowie biobasierte Verpackungen) sind auf der Projektwebsite abrufbar: DanuBioValNet Library.

Wie zahlte sich die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern (Netzwerk) aus?

Gemeinsam mit Clustern, die als Multiplikatoren in den jeweiligen Partnerländern fungierten, die Projektidee zu verwirklichen, erwies sich als überaus effiziente Methode, um neue interdisziplinäre Kooperationen und -netzwerke aus Industrie, Forschung und Politik aufzubauen. So konnte ein großes Netzwerk an begeisterten Akteuren etabliert werden. Besonders im Vordergrund stand die gleichberechtigte Mitwirkung aller Partner an der Ausgestaltung des Projektes mit dem Ziel, eine mündige und proaktive Umsetzung der Inhalte zu gewährleisten. So konnte eine flächendeckende Aufnahme der Idee der Bioökonomie und ihrer Durchführung in zehn Ländern aktiv verankert werden.

Projektbeteiligte DanuBioValNet (© DanuBioValNet)

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt DanuBioValNet gefallen?

Besonders gefallen hat mir die gemeinsame Arbeit mit allen Projektbeteiligten, die zu jedem Zeitpunkt von großer Wertschätzung und Begeisterung aller Akteure geprägt war. Die selbstgesteckten Ziele wurden so nicht nur erreicht oder lediglich abgearbeitet, sondern weit übertroffen. Es wurden in fast allen Phasen des Projektes mehr Berichte, Workshops, Informationsveranstaltungen etc. als geplant durchgeführt. Dies zeigt, dass wir mit der Idee alle Projektpartner begeistern konnten und sie nachhaltig den Donauraum weiterentwickeln wollen.

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

Die Unterstützung der Durchsetzung der Bioökonomie ist ein kontinuierlicher und langwieriger Prozess. Forschung und Entwicklung bieten bereits viele Lösungen auf Fragen, wie wir unsere Gesellschaft, aber auch unsere Wirtschaft nachhaltiger gestalten können. Um vermehrt biobasierte Rohstoffe, Verfahren, Prozesse und Produkte einzusetzen, gilt es nun, diese Ergebnisse in marktfähige Produkte umzusetzen. Einige wenige Firmen in den Projektländern sind bereits sehr aktiv und mit eigenen Produkten oder Dienstleistungen am Markt. Um eine kritische Masse an Wirtschaftsakteuren für die Bioökonomie zu gewinnen und diese flächendeckend zu etablieren, arbeiten die beteiligten Regionen nun proaktiv an der Verwirklichung der Strategie (Joint Bio-Based Industry Cluster Policy Strategy) weiter.

So wird das Thema in allen Ländern verstärkt auf politischer Ebene diskutiert. Aber auch Seitens der Industrie haben sich weitere Aktivitäten entwickelt: Beispielsweise hat sich aus den Projektergebnissen eine neue Firma gegründet (Phy2Trace - origintrail website) und es wurden neue Cluster, Initiativen und Projekte initiiert.

Um das bestehende Netzwerk zu verstetigen, soll zudem mit einem Folgeprojekt im Interreg Donauraum die hervorragende Basis der Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden: In Innovationsökosystemen sollen vermehrt regionale bioökonomische Lösungen unter Berücksichtigung lokaler und regionaler Gegebenheiten erarbeitet werden, um neue Stadt-Land-Partnerschaften zu etablieren. Durch den Zusammenschluss der Regionen wollen wir die bioökonomische Entwicklung des Donauraums nachhaltig prägen.

Weitere Informationen:

DanuBioValNet - Interreg Danube Transnational Programme

EU Projekt "DanuBioValNet" - BIOPRO GmbH

DanuBioValNet - Twitter

Dr. Dominik Patzelt promovierte 2016 in Biologie mit dem Schwerpunkt Bioverfahrenstechnik an der Universität Hamburg. Seit 2017 ist er bei der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH als Projektmanager und anschließend als Projektleiter des Interreg-Projektes DanuBioValNet im Donauraumprogramm angestellt. Seit April 2018 ist Herr Dr. Dominik Patzelt Leiter der Abteilung Bioökonomie der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH.