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"Der innovative Ansatz sowie der Harmonisierungs- und Kooperationsansatz des eMS sollten in der nächsten Förderperiode fortgeführt werden"

Katrin Stockhammer vom Interact Point Vienna beschreibt im Interview die Vorteile eines gemeinsamen Monitoring-Systems für Interreg-Programme

Das eMS ist ein Monitoring-System für Interreg-Projekte (© iStock)

Das eMS ist ein onlinebasiertes Portal zur Antragstellung, Berichtlegung und zum Monitoring von Interreg-Projekten. Die Software wurde zusammen mit und zum Nutzen von Interreg-Programmen von Interact entwickelt. Für die nächste Förderperiode ist die Programmierung eines neuen elektronischen Monitoring-Systems vorgesehen. Katrin Stockhammer vom Interact Point Wien erklärt im Interview die Vorteile eines gemeinsamen eMS und die Änderungen für die neue Förderperiode.

Was sind die Vorteile eines gemeinsamen Monitoring-Systems (eMS) für die Interreg-Programme und welche Rolle spielt dabei Interact?

Verglichen mit dem vorherigen Zeitraum, in dem die Interreg-Programme ihre eigenen Monitoring-Systeme entwickelten, ist nun ein neues Ausmaß an Harmonisierung und Vereinfachung bei Interreg zu erkennen, das vorher undenkbar gewesen wäre. Das eMS – und insbesondere seine Nutzergemeinschaft – bilden dessen Kern.

Laut einem ersten Vorschlag sollten vier Programme plus Interact das neue System nutzen, dies war die erforderliche kritische Anzahl, um Kosten-Nutzen zu rechtfertigen. Die Vorstellung, dass andere Programme später beitreten könnten, war optimistisch. Wir hofften, dass einige beitreten würden, aber uns war auch klar, dass die erforderlichen Veränderungen im Programmmanagement nicht unbedingt schnell genug erfolgen würden. Es wunderte uns nicht, dass viele überhaupt an der Möglichkeit eines solchen Systems zweifelten.

eMS in Zahlen (© Interact)

Bisher wurden 37 Lizenzen unterzeichnet, d.h. das eMS hat, verglichen mit einem nicht-kooperativen Ansatz wie in der vorangegangenen Periode, geholfen 20 Millionen Euro einzusparen. Insgesamt werden mit Hilfe des eMS 4 Milliarden Euro an Kooperationsfördermitteln verwaltet und ein Drittel der Interreg-Programme gefördert.

Eine unabhängige Wirkungsanalyse des European Policy Research Centre (EPRC) an der University of Strathclyde zeigte, dass das eMS mit Hilfe sogenannter, von Interact entwickelter "Harmonised Implementation Tools (HITs)" nicht nur eine direkte Abstimmung gewährleistet hat, sondern auch eine äußerst aktive Gemeinschaft geschaffen hat, die das Niveau der Zusammenarbeit und Harmonisierung verbesserte.

Derzeit nutzt eine große Anzahl von Interreg-Programmen das eMS. Warum soll für den nächsten Programmzeitraum ein neues Monitoring-System programmiert werden?

Es wurden diverse Szenarien analysiert, um herauszufinden, wie man die Entwicklung eines gemeinsamen Monitoring-Systems in der neuen Förderperiode vorantreiben kann. Zuerst mal galt es, die Eignung des aktuellen Systems für eine Fortsetzung bis zum Jahre 2027 zu prüfen. Der dem eMS zugrunde liegende Code veraltet mit der Zeit und hält mit modernen Ansätzen nicht mehr Schritt. Da das System sehr umfangreich geworden ist, bringen Änderungen daran auch eine gewisse Gefahr. Das bedeutet letztlich, dass es teurer wäre, das eMS über die jetzige Förderperiode hinaus fortzuführen und Anpassungen für den neuen Programmzeitraum vorzunehmen.

Fest steht, dass der Aufbau eines neuen Systems für die nächste Förderperiode Funktionen wie "automatisiertes Testen" enthalten wird. Es bietet den Nutzern viele Vorteile in einem verlässlicheren System.

Welche Veränderungen bringt das neue Monitoring-System für Programme und Projektpartner mit sich?

Zuerst einmal ist die Ausgangslage eine andere als beim bisherigen System. Beim Betrieb und der Verwaltung des eMS haben wir und die Nutzgemeinschaft eine Menge Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt, d.h. wir kennen unsere Chancen und Herausforderungen besser.

Für uns ist am wichtigsten zu gewährleisten, dass das System nicht zu kompliziert ist, damit es stabil ist. Außerdem möchten wir getrennte Module einrichten, die ein automatisiertes Testen gewährleisten. Wir haben eine Liste bekannter Probleme, wie zum Beispiel zum Rundungsverfahren, erstellt, die im neuen System auf jeden Fall berücksichtigt werden!

Viele Nutzer werden von einer besseren Nutzbarkeit und Stabilität der Software profitieren. Für Projektpartner und Programmbehörden wie Prüfbehörden oder nationale Prüfer, die mit mehr als einem Programm arbeiten, ist eine bessere Abstimmung ein wirklicher Nutzen und erhaltenswert.

Das Monitoring-System ist nur eine der vielen Aufgaben von Interact. Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Interact?

Das Monitoring-System macht den Eindruck eines eigenständigen Systems, aber tatsächlich spielt es bei vielen anderen Aktivitäten von Interact eine wichtige Rolle. Es wurde auf Grundlage der ersten HITs aufgebaut; das nächste Monitoring-System wird auf Grundlage der zweiten Generation der HITs laufen. Es ermöglicht ebenfalls eine schnellere und zuverlässigere Einspeisung der Programmdaten in keep.eu.

Erwähnenswert dabei ist, dass das Monitoring-System weit mehr ist als bloß ein IT-System. Das eMS bildet die Grundlage vieler Programmmanagementprozesse und hat daher Einfluss auf alles - von der Qualität der alltäglichen Arbeit bis hin zur Kooperationskultur insgesamt. Der innovative Ansatz sowie der Harmonisierungs- und Kooperationsansatz des eMS sollten in der nächsten Förderperiode fortgeführt werden.

Natürlich ist die Entwicklung eines IT-Systems immer umfangreich und teuer. Alle IT-Projekte bergen Risiken und in unserem Fall gilt es teils sehr unterschiedliche Erwartungen zu vereinen. Es gibt viele Ansichten wie die Entwicklung einer Software erfolgen kann. Es sind jedenfalls wirksame Management- und Entscheidungsstrukturen erforderlich, damit die Software rechtzeitig geliefert und anwendungsfreundlich gestaltet werden kann. Die Programme haben Anrecht auf eine voll funktionsfähige, pünktlich gelieferte Software.

Entscheidend und eine große Herausforderung für Interact ist, den Bedarf nach zusätzlichem Personal und finanziellen Mitteln, sowohl intern als auch für die Softwarefirma, zu decken, damit die neue Software genauso ein Erfolg bzw. noch erfolgreicher wird wie das bisherige eMS.

Weitere Informationen:
Post eMS - INTERACT website

Katrin Stockhammer ist seit 2007 Finance und Knowledge Manager vom Interact-Point Wien.