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"Es gibt so viele Menschen, die durch ihre Zusammenarbeit etwas in Nordwesteuropa bewegen, was alleine nicht möglich wäre"

Interview mit Kerstin Buttlar, Nationale Kontaktstelle (Contact Point) des Interreg-Nordwesteuropaprogramms und ihrer Vertretung Elisabeth Wauschkuhn

Kerstin Buttlar im Beratungsgespräch (© Kerstin Buttlar)

Nordwesteuropa (NWE) ist der urbanste und am dichtesten besiedelte Interreg-Programmraum. Zahlreiche wirtschaftsstarke Metropolregionen und Groß- und Mittestädte prägen die Region. Das Programm bietet einen geeigneten Rahmen, um viele innovative Projektideen zu entwickeln und konkrete, neuartige Projektergebnisse zu liefern. Kerstin Buttlar und Elisabeth Wauschkuhn erzählen im Interview von ihren Aufgaben, Erfahrungen und Herausforderungen als Nationale Kontaktstelle für das NWE-Programm in Deutschland.

In zwei Sätzen, worin besteht die Arbeit als NWE-Kontaktstelle?

Buttlar: Meine Hauptaufgaben liegen darin, Antragsteller und laufende Projekte zu beraten, das NWE-Programm und die Fördermöglichkeiten durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit bekannt zu machen und den Deutschen Ausschuss zu unterstützen. Dabei stehe ich auch im engen Austausch mit den Kontaktstellen der anderen beteiligten Länder und dem Gemeinsamen Sekretariat. Ich freue mich, dass Frau Wauschkuhn diese Tätigkeiten in meiner Abwesenheit übernimmt.

Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe als Kontaktstelle?

Buttlar: Die vielfältigen Aufgaben und Begegnungen, die spannenden Projekte und das internationale, mehrsprachige Arbeitsumfeld machen die Arbeit als Kontaktstelle für mich jeden Tag aufs Neue sehr interessant. Es gibt so viele Menschen, die sich einer gemeinsamen Fragestellung widmen und durch ihre Zusammenarbeit etwas in Nordwesteuropa bewegen, was alleine nicht möglich wäre. Mir macht es großen Spaß, diese Akteure durch die verschiedenen Phasen der Projektentwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Dabei unterscheiden sich die Bedarfe jeweils von der Phase der Antragstellung bzw. Projektumsetzung, aber auch von der Art des Partners, der Rolle im Projekt oder den Interreg-Vorerfahrungen. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, auf jeden Ansprechpartner und die jeweilige Projektidee individuell einzugehen.

Auch gefällt es mir zum Beispiel sehr, Veranstaltungen zu konzipieren und zu organisieren, wie die Info-Tage, die Anfang des Jahres in Mainz und Stuttgart stattgefunden haben. Ich möchte die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen, die das Programm bietet, um künftig noch mehr deutsche Akteure für die Beteiligung an NWE-Projekten begeistern.

Was sind die häufigsten Anfragen, die Sie erhalten?

Buttlar: Eine sehr häufig gestellte Frage ganz zu Beginn der Beratung ist: "Passt meine Projektidee in das Förderprogramm?". Dies kann am besten im Gespräch festgestellt werden, denn hier kommt es auf verschiedene Aspekte an wie die thematische Ausrichtung, das Projektgebiet oder die Partnerschaft.

Ich empfehle, sich bereits von Anfang an auch an den Kriterien zu orientieren, mit denen das NWE-Programm die Projektanträge prüft. So beteiligen sich etwa an einem NWE-Projekt mindestens drei Partner aus drei Ländern, wobei mindestens zwei der Partner aus dem NWE-Programmraum stammen.

In dem Zusammenhang fragen sich viele Antragsteller "Wie finde ich geeignete Partner für mein Projekt?". Oft möchten sich Akteure in einem Kooperationsprojekt engagieren und suchen den Austausch mit Gleichgesinnten in anderen Ländern, haben aber bisher noch keine geeigneten Kontakte in NWE-Länder wie Belgien, Irland oder Frankreich. Auch hier ist die Nationale Kontaktstelle eine wichtige Anlaufstelle, denn die Kontaktstellen der beteiligten acht Mitgliedstaaten sind jeweils in ihren Regionen gut vernetzt und arbeiten eng zusammen. Auf Grundlage einer kurzen Projektskizze kann ich gemeinsam mit meinen KollegInnen Vorschläge potenzieller Partner machen und die Kontaktanbahnung unterstützen. Daneben bietet die Programm-Website die Möglichkeit, aktuelle Projektideen zu veröffentlichen bzw. danach zu suchen (siehe Find an idea near you) und so Interessierte für eine gemeinsame Antragstellung zu finden. Auch Veranstaltungen wie das "NWE making an impact!“-Event am 4. und 5. Dezember 2019 in Tourcoing, Frankreich helfen dabei, sich mit potenziellen Partnern über aktuelle Projektideen auszutauschen. Es lohnt sich, frühzeitig auf die Kontaktstelle zuzugehen, um genug Zeit zu haben, eine vertrauensvolle Kooperation mit den neuen Partnern aufzubauen.

Daneben werden auch häufig Fragen zum Finanziellen, den konkreten Abläufen der Antragstellung oder zur Projektumsetzung gestellt.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrer Arbeit?

Buttlar: In meiner Rolle möchte ich eine verlässliche Unterstützung leisten, sowohl für die vielen inzwischen genehmigten Projekte als auch für neue Antragsteller.

Um individuell die Funktionsweise der Förderung erklären und Hilfestellungen geben zu können, ist es wichtig, sich in die unterschiedlichen Antragsteller bzw. Projektpartner hineinversetzen zu können. So haben etwa Behörden, KMU, Vereine oder Universitäten jeweils ganz andere interne Strukturen, Abläufe und Anforderungen. Auch die interkulturelle Perspektive darf bei der Entwicklung der Kooperationsprojekte nicht fehlen. Meine Vorerfahrungen als rheinland-pfälzische Kontaktstelle für das Interreg-Programm V A Großregion helfen mir glücklicherweise dabei.

Die unterschiedlichen Aufgaben machen die Arbeit einerseits sehr abwechslungsreich, führen aber andererseits dazu, dass man in dieser Rolle ein gutes Zeitmanagement benötigt. Verschiedene Projektaufrufe und Fristen laufen parallel und ich möchte dabei für die individuellen Anfragen zeitnah eine passgenaue Antwort finden. Ich muss mich also selbst immer gut organisieren und frühzeitig planen.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen Ihrer Arbeit als Kontaktstelle?

Buttlar: Mitzuerleben, wie aus ersten Projektideen zunächst genehmigte Projekte entwickelt und diese dann erfolgreich umgesetzt werden, das motiviert mich sehr. Durch die Kooperationen werden innovative Lösungswege für gemeinsame Herausforderungen beschritten, konkrete Ergebnisse machen dies sichtbar. Gleichzeitig spürt man, dass die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg auch bei den Menschen selbst etwas bewegt und dass das gegenseitige Verständnis und Vertrauen wächst.

Die Gelegenheit, Projekte von Anfang bis Ende mit zu begleiten hatte ich bisher zwar erst in meiner früheren Rolle als Interreg-Kontaktstelle für die Großregion, aber auch für das Programm Nordwesteuropa konnte ich in den letzten Calls einige spannende Projektanträge mit unterstützen. Da ich während der laufenden Förderperiode hinzugekommen bin, freue ich mich darauf, mich auch bei vielen bereits genehmigten NWE-Projekten in der Umsetzung so zu einzubringen, dass sie zu einem gelungenen Abschluss kommen.

Wie sind die Planungen für die Zukunft der NWE-Kontaktstelle?

Buttlar: Für die nächste Zeit setze ich meine Tätigkeit etwas aus, da ich ab Ende Januar 2019 vorübergehend in den Mutterschutz bzw. die Elternzeit gehe. In dieser Zeit werde ich vertreten durch Elisabeth Wauschkuhn. Sie ist unter Elisabeth.Wauschkuhn@mdi.rlp.de bzw. telefonisch unter +49 (6131) 16-3164 erreichbar.

Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Antragsteller und Projektpartner weiterhin Unterstützung erhalten. Nach meiner Rückkehr aus der Elternzeit freue ich mich darauf, die Projektbegleitung wieder aufzunehmen und mit Blick auf die kommende Förderperiode 2021 - 2027 in die Vorbereitungen für das neue Programm mit einzusteigen.

Frau Wauschkuhn, die Anträge der 8. und 9. Calls sind eingegangen, wie ist ihr erster Eindruck?

Wauschkuhn: Insbesondere im 9. Call Step 1 sind sehr viele Anträge eingegangen. Das ist sehr erfreulich. Es zeigt, dass NWE als sehr gute Möglichkeit gesehen wird, gemeinsame Herausforderungen anzugehen. Die Themen sind spannend und vielfältig von Landwirtschaft über Gesundheitswesen, innovative Technologien, neue Materialien und Materialeffizienz bis Verkehr ist viel dabei. Die Akteure in NWE gehen mit innovativen Ideen gemeinsam ein großes Spektrum von ökologischen über gesellschaftlichen Fragestellungen an.

Auf welche Erfahrungen können Sie bauen für Ihre Tätigkeit als Kontaktstelle?

Wauschkuhn: Ich war Projektmanagerin für ein von Interreg Europe gefördertes Projekt beim deutschen Projektpartner. Wie wichtig aber auch wie hilfreich die Vorgaben und das Handbuch des Programms bei der Projektentwicklung und -umsetzung sind, habe ich selbst erfahren und kann dies weitergeben. Auch welche Herausforderungen in einem internationalen Projektteam auf die Partner warten aber auch wie bereichernd es für eine regionale Fragestellung ist über den eigenen Tellerrand zu blicken, sind Erfahrungen, die ich gemacht habe. Diese möchte ich mit (potenziellen) Projektpartnern teilen, um zu motivieren, zu unterstützen und zu beraten und Frau Buttlar in ihrer Abwesenheit bestmöglich zu vertreten.

In meiner bisherigen Tätigkeit habe ich mit Kommunen zu Klimaschutz und Energiefragen zusammengearbeitet. Ich habe diese über regionale, nationale und EU-Fördermöglichkeiten informiert. Ich freue mich nun, Expertin für das Interreg NWE-Programm zu werden und Projekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleiten zu können.

Weitere Informationen:
Interreg North-West Europa (http://www.nweurope.eu)

Kerstin Buttlar ist Referentin im rheinland-pfälzischen Ministerium des Innern und für Sport. Als Nationale Kontaktstelle in Deutschland ist sie erste Anlaufstelle für alle Antragsteller und Projektpartner im Interreg-Programm Nordwesteuropa. Sie wird derzeit von Frau Elisabeth Wauschkuhn vertreten.