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Klimakonferenz im Nordseeraum: "Working together to tackle climate change"

Monika von Haaren berichtet von der North Sea Conference am 25.-26. Juni 2019 in Marstrand (Schweden)

Jugendliche und Experten diskutierten gemeinsam auf der Nordsee-Klimakonferenz in Schweden (© Monika von Haaren)

Mehr als 250 Teilnehmer haben an der Nordsee-Klimakonferenz vom 25. bis 26. Juni 2019 in Marstrand (Schweden) teilgenommen. Das Interreg Nordseeprogramm, die Nordseekommission und die Region Västra Götaland haben ein vielfältiges Programm unter dem Motto "Working together to tackle climate change" (Gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen) ausgerichtet. Projekte konnten ihre Ideen und Initiativen zur Schaffung einer klimafreundlichen Gesellschaft vorstellen und mit Experten und Jugendlichen diskutieren. Dr. Monika von Haaren vom Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung war vor Ort und fasst die wichtigsten Inhalte und Ergebnisse der Konferenz zusammen.

Was waren die Inhalte der Konferenz?

Die für die Nordseeregion einmalige Veranstaltung hat einen regionalen Blick auf die Herausforderungen der Klimakrise geworfen. Experten, Entscheidungsträger, Unternehmen und Innovatoren haben gemeinsam mit Jugendlichen diskutiert, wie die Nordseeregion die Führung als klimaneutrale Region übernehmen kann. Die Kernfrage lautete: "Wie können wir den CO2-Fußabdruck in der Nordseeregion reduzieren und die über 60 Millionen Einwohner vor den Auswirkungen der globalen Erwärmung schützen?"

Professor Tomas Kåberger von der Chalmers University of Technology (Schweden) informierte über die aktuellen Entwicklungen im Energiesektor und erklärte, wie sinkende Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien eine Chance für die Nordseeregion darstellen können. Wind und Solarenergie sind die Zukunft in der Nordsee und bieten die Basis für saubere Energie, nicht nur für E-Autos, Busse und Fähren. Die Teilnehmer reagierten überrascht auf die Tatsache, dass bereits heute in Europa Strom aus Solar- und Windenergie günstiger zu produzieren ist als aus Öl.

Helena Lundberg Nilsson stellte vor, wie die Region Västra Götaland (Schweden) die Klimaschutzmaßnahmen vor Ort vorantreibt. Dazu gehören unter anderem klimafreundliche Ausschreibungsverfahren, um Plastikbehälter durch biologisch abbaubare Produkte zu ersetzen. Beispielhaft für viele Kommunen ist auch der von 65 Stakeholdern unterstützte Klimarat, der gezielt nach regionalen Lösungen zur Vermeidung von Emissionen und Anpassung an die Folgen des Klimawandels sucht.

Anna Flysjö, Senior Manager für Lebenszyklus-Nachhaltigkeit bei Arla Foods (Dänemark) hat aufgezeigt, dass eine umweltfreundliche Milchproduktion möglich ist und wie Betriebe sich auf den Weg zu einer nachhaltigeren Milchproduktion machen können.

Die aufgezählten Beispiele zeigen, wie Interreg-geförderte Projekte im Nordseeraum die Regionen dabei unterstützen, dem Klimawandel zu begegnen. Darüber hinaus haben viele Interreg Nordsee-Partner in den Workshops innovative Maßnahmen aufgezeigt, wie wir uns an den Klimawandel anpassen können und weitere CO2-Immissionen reduzieren. Es wurden vielfältige Projekte aus den Bereichen Mobilität und Transport, Energieversorgung, Blaues Wachstum und Ernährungswirtschaft vorgestellt. Weitere Informationen zu den Projekten und die Präsentationen der Konferenz sind auf der Website des Nordseeprogramms zu finden.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz aus Ihrer Sicht?

Die Fridays for Future-Initiativen haben gezeigt, dass Experten die wichtigen Themen Klimaschutz und Klimaanpassung nicht allein unter sich diskutieren können. Die Veranstalter haben daher junge Menschen aktiv in das Programm einbezogen. Die wichtigste Perspektive der Nordseeregion zur Bekämpfung des Klimawandels ist die Befähigung junger Menschen zum aktiven Klimaschutz. Dies bestätigte Gastredner Jamie Wylie aus Schottland (Großbritannien). Mit der 2050 Climate Group motiviert und befähigt Wylie schottische Jugendliche, aktiv Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Wie? Sie unterstützen junge Leute sich zu engagieren und mitzureden. In Seminaren erlernen sie zu argumentieren und Aktionen professionell zu organisieren.

Alle Konferenzteilnehmer wurden aufgefordert innerhalb der eigenen Institution zu schauen, wie sie junge Menschen in die Entscheidungsfindung einbeziehen können. Junge Menschen haben Ambitionen und einen Sinn für klare Botschaften. Diese wichtigen Eigenschaften der Jugend sollten sich Unternehmen und Verwaltungen zu eigen machen.

Neben der gesellschaftlichen Debatte hat das Interreg Nordseeprogramm gemeinsam mit der Nordseekommission gezeigt, wie Projektakteure, Politiker und junge Aktivisten helfen können, mit dem Klimawandel umzugehen und wie ehrgeizige Klimaziele zu erreichen sind. Darüber hinaus hat die Konferenz vielfältige Möglichkeiten zum Netzwerken und Voneinander-Lernen geboten. Projektentwickler und Politiker aus verschiedenen Staaten sind zusammengekommen, um über die Zukunft der gesamten Nordseeregion gemeinsam zu diskutieren und neue Aktivitäten zu starten.

Die Message der jungen Menschen war deutlich: „Stop talking, it is time for action!“ (© Monika von Haaren)

Was waren Ihre persönlichen Eindrücke von der Programmkonferenz?

Die Konferenz hat mir deutlich gezeigt, dass es neben den Maßnahmen und Projekten auf die Menschen ankommt, die hinter den Projekten stehen. Nur mit Mut und Engagement können wir die grüne Energiewende beschleunigen und die Nordseeregion gegen die Auswirkungen der globalen Erwärmung stärken.

Die Interreg-Programme helfen dabei den Bürgerinnen und Bürgern, sich über neue Innovationen oder bestehende Lösungen aus anderen Regionen zu informieren und auszutauschen. Bisher wurden Jugendliche und junge Erwachsene jedoch zu wenig in die Kommunikation einbezogen. Das Interreg- Nordseeprogramm motiviert die Projekte daher, informative und interessante Videos zu veröffentlichen, die auch junge Menschen ansprechen. Den diesjährigen Video-Wettbewerb haben die Projekte Inno-Quarter und DUAL Ports für sich entschieden. Beide Videos wurden auf der Konferenz ausgezeichnet und den 250 Teilnehmern präsentiert. Inno-Quarter hilft Start-ups, ihre Geschäftsideen, die im Sinne der 17 UN Ziele für nachhaltige Entwicklung stehen, zu entwickeln und auf Festivals zu präsentieren. DUAL Ports unterstützt regionale Häfen dabei, klimaneutral zu werden.

Neben Präsentationen und Workshops gab es auch im Rahmen der Besichtigung der Festung Carlsten auf der schwedischen Insel Marstrandsö ausreichend Gelegenheit für fachlichen Austausch (© Monika von Haaren)

Wichtig für alle "Erwachsenen" war der Appell der jungen Konferenzteilnehmer: "Wir müssen aufhören zu reden, wir müssen aktiv werden! Geld darf nicht das Problem sein, denn der Klimawandel wird uns immer teurer zu stehen kommen, wenn wir zu lange warten!".

Dokumentation der Nordseekonferenz:
North Sea Conference 2019 - Interreg North Sea Region 2014 - 2020 website

Informationen zum Video-Wettbewerb:
Video contest - Interreg North Sea Region 2014 - 2020 website

Dr. Monika von Haaren arbeitet beim Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung als stellvertretende Referatsleiterin und Referentin für Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ). Im Interreg Nordseeprogramm ist sie als Vorsitzende des Deutschen Ausschusses ständiges Mitglied im Monitoring Committee und im Steering Committee.