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COMBINE: Effizienter und umweltfreundlicher Güterverkehr durch Stärkung des kombinierten Verkehrs im Ostseeraum

Interview mit Projektleiterin Nikola Košvancová vom Verein Hafen Hamburg Marketing e.V.

COMBINE fördert multimodale Transportketten und eine verbesserte Hafenanbindung durch Optimierung des kombinierten Verkehrs (© HUPAC/UIRR)

Zum Transport von Gütern können verschiedene Verkehrsträger genutzt werden: Schiff, LKW oder Bahn. Beim sogenannten kombinierten Verkehr (KV) werden zwei oder mehrere dieser Verkehrsträger gleichzeitig an einer Transportkette beteiligt, ohne dass die Ware beim Umladen das Transportgefäß wechselt. Die effiziente und wettbewerbsfähige Kombination der unterschiedlichen Verkehrsträger ist jedoch noch eine Herausforderung: Jeder weitere Umschlag führt zu einem zusätzlichen Aufwand, der durch geringere Transportkosten kompensiert werden muss. Nikola Košvancová vom Hafen Hamburger Marketing e.V. erklärt im Interview, wie die Projektpartner des Interreg-Projekts COMBINE diesen Herausforderungen begegnen und den KV im Ostseeraum stärken wollen.

Worum geht es in dem Projekt COMBINE?

Mit dem Interreg-Projekt COMBINE (Strengthening Combined Transport in the Baltic Sea Region) wollen wir den Anteil des kombinierten Verkehrs im Ostseeraum vergrößern und damit den Güterverkehr effizienter und umweltfreundlicher gestalten. Landseitige EU-Infrastrukturen sollen entlastet und die Nachhaltigkeit des Ostsee-Verkehrsmarktes gestärkt werden.

Hierzu verschaffen wir uns zunächst einen Überblick über den Gütermarkt auf nationaler und internationaler Ebene und identifizieren Marktpotenziale des KV in der Ostseeregion – mit dem Ziel, den Markt durch den Einsatz neuer Technologien zu erschließen. Effizienzsteigernde Maßnahmen bei den Umschlagsstellen sollen außerdem zu einer besseren Transportanbindung von Regionen an See- und/oder Hinterlandterminals führen. Hierzu gehört auch die Optimierung der Vor- und Nachlauftransporte zu und von Umschlagstellen. Eine weitere Aufgabe ist es, Vorschläge zur Förderpolitik und zur Regulierung von KV unter Berücksichtigung der Ostseeregion-Spezifika zu erarbeiten.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Die internationale Zusammenarbeit mit den Projektpartnern und Unterstützern lässt einen über den Tellerrand hinausblicken und ermöglicht die Entwicklung neuer Lösungsansätze, die man selbst vielleicht nicht immer gleich sieht. Hierbei werden zudem die unterschiedlichen Erfahrungen ausgetauscht und eingebracht, um eine optimale grenzüberschreitende Lösung zu finden. Das ist ein sehr wertvoller und spannender Prozess!

Zudem ist man natürlich gerne daran beteiligt, beispielsweise LKW-Verkehre auf der Langstrecke auf andere Verkehrsträger zu verlagern.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

In weiten Teilen Europas trägt der KV, stärker als in der Ostseeregion, zu einem effizienten und umweltfreundlichen Güterverkehr bei. Gleichzeitig haben wir in Hamburg einen hafenbezogenen Güterumschlag von rund 135 Millionen Tonnen, davon rund 97 Millionen Tonnen im Hinterlandverkehr. Die Zu- und Ablaufverkehre von LKWs stehen noch immer für rund 41% des Hinterlandverkehrs, die es insbesondere auf der langen Strecke weiter zu reduzieren gilt. Hamburg ist außerdem auch der größte europäische Bahnhafen und die Ostseeregion ein wichtiger Handelspartner für den Hamburger Hafen, so dass wir zusammen mit den Partnern aus der Region die Stärkung des KV in dieser Region vorantreiben wollen. Dies dürfte insbesondere zu einer Reduzierung des LKW-Verkehrs in der Metropolregion und zu einer Entlastung der Straßenverkehrsinfrastruktur im Stadtgebiet führen.

Daneben ist die Bildung und Stärkung eines internationalen Netzwerks aus Akteuren und Politik, Administration, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung für uns und die Projektpartner natürlich nicht zu unterschätzen und ein wertvoller Beitrag, den das Projekt leistet. Hier wird der europäische Gedanke gelebt und die Stärken ausgespielt.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Kombinierte Verkehrsketten stehen in vielen Fällen für grenzüberschreitenden Transport. Insbesondere aus der Sicht der Metropolregion Hamburg ist der internationale Handel Wachstumstreiber und Jobgarant und benötigt reibungslose Logistikketten. Selbige Situation finden wir an den Häfen und Inlandterminals entlang der gesamten Ostseeregion.

Auch wenn man an die umweltpolitischen Herausforderungen denkt, können wirksame Lösungen nur international erarbeitet und umgesetzt werden. Neue Technologien, wie beispielsweise Platooning (Hintereinanderfahren mehrerer Fahrzeuge in sehr geringem Abstand mit Hilfe eines technischen Steuerungssystems, ohne dass die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird) gilt es sinnvoll in internationale Transportketten und den KV zu integrieren. Das kann nur durch internationale Zusammenarbeit erfolgen, um am Ende auch einheitliche Standards und Prozesse zu erwirken.

Die europäische Zusammenarbeit zur Stärkung des KV ist somit ein logischer Schritt.

COMBINE-Projektpartner beim zweiten Partnertreffen im Juni 2019 in Göteborg (Schweden) (© COMBINE/Ramboll)

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt COMBINE gelingt, wird in zehn Jahren...

…der kombinierte Verkehr, auch durch die sinnvolle Integration neuer Technologien, in der Ostseeregion gestärkt.

Was ist Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

COMBINE befindet sich im ersten halben Jahr der Laufzeit, deshalb fallen mir spontan folgende zwei sehr schöne Meilensteine ein:

Zum einen die Förderzusage des Ostseeprogrammes und die Ko-Finanzierungszusage des BBSR. Damit hat sich gezeigt, dass das für unsere Partner und uns so wichtige KV-Projekt auch einen Nerv bei den Förderprogrammen getroffen hat.

Zum anderen fällt mir das Kick-Off-Meeting Anfang 2019 mit allen Projektpartnern in Hamburg ein. Es war sehr schön und bereichernd alle involvierten Partner nun endlich auch einmal persönlich kennenzulernen und sich auszutauschen.

Besonders freue ich mich auf die zukünftige Umsetzung und die Ergebniskommunikation. Wir wollen zeigen, dass der KV auch in der Ostseeregion eine sinnvolle Lösung mit Zukunft ist.

Weitere Informationen: COMBINE

Nikola Košvancová ist bei Hafen Hamburger Marketing e.V. beschäftigt und leitet das Interreg Projekt COMBINE seit Januar 2019.