Navigation und Service

Indikatoren für die neue Interreg-Programmperiode

Sina Redlich vom BBSR berichtet über die Anpassung der Indikatoren für Interreg im Rahmen der Interact-Workshops

Indikatoren sollen dazu dienen, Aktivitäten und deren Ergebnisse zu kategorisieren, messbar zu machen und so auch eine Vergleichbarkeit herzustellen. Im besten Fall können dadurch europaweit aggregierte Interreg Ergebnisse in einfachen Zahlen kommuniziert werden. Nicht zu unterschätzen ist auch der Steuerungseffekt, den Indikatoren auf Projekte haben, denn Indikatoren, die bedient werden sollen, müssen auch mit Aktivitäten und Ergebnissen unterlegt werden.

Fahrräder vor einer Hauswand (© Daniela Minichberger, Interact)Fahrräder vor einer Hauswand oder doch der Anteil grüner Mobilität in einer mittelgroßen Kommune? Zum Einstieg in den Workshop in Leuven (Belgien) haben sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen anhand dieses Bildes diverse Indikatoren einfallen lassen (© Daniela Minichberger, Interact)

Im Anhang des EFRE-Verordnungsentwurfs für die Förderperiode 2021-2027 hat die EU-Kommission Indikatoren für alle fünf politischen Ziele sowie interregspezifische Indikatoren vorgelegt. Diese Indikatoren wurden im Rahmen von zwei Interact-Workshops mit Vertretern der Kommission, der Interreg-Programmsekretariate sowie Mitgliedsstaaten diskutiert und angepasst. Am zweiten Workshop, der am 14. Mai 2019 in Leuven (Belgien) stattfand, habe ich teilnehmen können. Es gibt einige positive Neuerungen in Bezug auf die Indikatoren für die nächste Programmperiode:

  • Die Ergebnisindikatoren werden künftig wieder auf Projektebene gemessen, anstatt wie in dieser Periode auf Programmraumebene. Das ist positiv, weil die Projektergebnisse somit wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Außerdem waren Aussagen wie etwa zum Beitrag von Interreg zum BIP (Bruttoinlandsprodukt) im Programmraum immer schwierig aufgrund des verhältnismäßig geringen Beitrags von Interreg zu solchen Kontextindikatoren.
  • Es gibt erstmals interregspezifische Indikatoren, die den Kooperationsgedanken über nationale Grenzen hinweg mit einbeziehen.
  • Die Verordnung benennt künftig sowohl Output- als auch Ergebnisindikatoren, die so genannten "gemeinsamen" Indikatoren. In dieser Periode gab es nur gemeinsame Output-Indikatoren. Wichtig zu wissen ist, dass diese gemeinsamen Indikatoren nur dort, wo sie relevant sind, genutzt werden sollen.
  • Es ist weiterhin möglich, programmspezifische Indikatoren zu formulieren. In der Vergangenheit hat dies allerdings zumindest im Interreg B-Bereich dazu geführt, dass eine Vielzahl von individuellen Programmindikatoren erstellt wurden, die – wenn man es sich genau anschaut – alle doch irgendwie das Gleiche aussagten.

Die interregspezifischen Indikatoren sind generisch gehalten, erklärte die Vertreterin der Kommission in Leuven, um möglichst viele Interreg-Programme und -Projekte zu umfassen und so Aussagen über Interreg im Ganzen treffen zu können. Die Kommission wünscht sich eine umfassende Nutzung dieser Indikatoren durch die Interreg-Programme. Ergänzend sollen möglichst auch Indikatoren der fünf politischen Ziele genutzt werden.

Die Indikatoren für Interreg lauten unter anderem:

Output-Indikatoren:

  • Participations in joint actions across borders
  • Strategies and action plans jointly developed
  • Pilot actions developed jointly and implemented in projects
  • Jointly developed solutions
  • Solutions for legal or administrative obstacles across borders identified
  • Joint administrative or legal agreements signed
  • Organisations cooperating across borders

Ergebnis-Indikatoren:

  • Joint strategies and action plans taken up by organisations
  • Solutions taken up or up-scaled by organisations
  • Legal or administrative obstacles across borders alleviated or resolved
  • Persons covered by joint administrative or legal agreements signed
  • Organisations cooperating across borders after project completion
  • Participations in joint actions across borders after project completion

Positiv finde ich den Vorschlag der Kommission, die Projektergebnisse auch nach Beendigung eines Projekts zu messen. Oft wird erst nach Projektende deutlich, welche Projektergebnisse wirklich Früchte tragen und auch nach Ablauf der Förderung noch von Interesse sind. Um dies verwaltungsmäßig umsetzen zu können, sollten pragmatische Lösungen gefunden werden, ohne den Projektabschluss selbst hinauszuschieben.

Uns ist es wichtig, dass die Indikatoren im Zusammenhang mit dem jeweiligen politischen Ziel, in dem ein Interreg-Projekt künftig arbeitet, gemessen werden, um ihnen mehr Substanz zu verleihen. Die Kommission bestätigte, dass vorgesehen ist, dass die interregspezifischen Indikatoren immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen politischen Ziel gemessen werden. So lassen sich Aussagen treffen, wie beispielsweise "im Alpenraum wurden 23 gemeinsame Strategien im Hinblick auf ein grüneres Europa von Organisationen umgesetzt". Ich hoffe, dass diese gekoppelten Informationen nicht "unterwegs" von einem Datentransfer zum anderen entfallen.

Im BBSR führen wir derzeit ein MORO-Projekt durch, in dem es um die künftigen räumlichen Herausforderungen der transnationalen Zusammenarbeit und deren Messbarkeit geht (Räumliche Effekte - Website BBSR). Ein Arbeitspaket dieses Projekts beschäftigt sich explizit mit den Indikatoren. Gemeinsam mit Daniel Zwicker-Schwarm von der Universität St. Gallen habe ich die Zwischenergebnisse unserer Befragung zum Thema in Leuven vorgestellt (Developing common indicators - Interact website). Ein wichtiges Anliegen für uns ist es, künftig stärker als bislang die kohäsionsrelevanten Ergebnisse von Interreg-Projekten messbar zu machen. Viele Projekte verfolgen räumlich-integrierte Ansätze, derzeit decken die Indikatoren diese Ergebnisse jedoch nur unzureichend ab. So schlagen wir unter anderem folgende zusätzliche Indikatoren vor:

  • Joint activities implemented aiming to reduce regional disparities
  • Joint activities implemented aiming to address the challenges of rural areas/mountain areas/urban areas/peripheral areas/metropolitan areas/scarsely populated areas
  • Joint activities implemented aiming to strengthen urban-rural linkages
  • Number of organisation of economically higher performing regions cooperating with organisations in economically lower performing regions
  • Number of organisation of economically lower performing regions cooperating with organisations in economically higher performing regions

Der Ausgang der Verhandlungen um die gemeinsamen Indikatoren in der EFRE-Verordnung ist noch nicht endgültig absehbar, erste Rückmeldungen deuten aber darauf hin, dass nur ein Teil unserer Anliegen tatsächlich in die Verordnung Einzug erhält. Was allerdings auf vielseitiges Interesse stieß, sowohl bei Programmen als auch seitens der Kommission und Interact, war unser Vorschlag, unter den sechs Interreg B-Programmen mit deutscher Beteiligung zu versuchen, eine gemeinsame Liste von programmspezifischen Indikatoren abzustimmen. Vielleicht gibt es sogar noch weitere Interreg-Programme, die sich dieser Initiative anschließen würden.

Ob gemeinsame oder spezifische Indikatoren – das Ziel bleibt es, bedeutsame und für Interreg passende Indikatoren unter möglichst vielen Programmen gemeinsam zu nutzen, um mit gemeinsamer Stimme über die guten Ergebnisse von Interreg-Projekten sprechen zu können.

Weitere Informationen:

Präsentationen vom Workshop: Developing common indicators - Interact website

BBSR-Website zum MORO-Projekt: Räumliche Effekte - Website BBSR

Sina Redlich ist Mitarbeiterin im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Europäische Raumentwicklungspolitik und transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg B. Sie betreut auf Seiten des BBSR das Nordwesteuropa-Programm, INTERACT, das Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit sowie Forschungsprojekte im Themenbereich.