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CaSCo: Reduzierung von CO2 durch Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten von Holz im Alpenraum

Interview mit den deutschen Projektpartnern Dr. Gabriele Bruckner und Philipp Strohmeier (Holz von Hier gGmbH) über die Ergebnisse des Interreg-Projektes CaSCo

Holzstapel © Holz von Hier

Steigende Materialflüsse entlang der Verarbeitungsketten in der Holzindustrie tragen wesentlich zum Klimawandel bei. Hier gibt es ein großes, noch nicht ausgeschöpftes Potenzial zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Das Projekt CaSCo (Carbon Smart Communities) macht dieses Potenzial für Entscheidungsträger und Akteure sichtbar und will das Bewusstsein für die Verwendung regionalen Holzes stärken. Das Interreg-Projekt aus dem Alpenraumprogramm startete im November 2016 und endet im Oktober 2019. Dr. Gabriele Bruckner und Philipp Strohmeier von Holz von Hier berichten im Interview über wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes.

Worum geht es in dem Projekt CaSCo?

Bei vielen Produkten, gerade aber auch bei Holz, werden die Prozessketten immer internationaler und die Stoffströme sowie die damit verbundenen Transporte immer weitläufiger. Das verschlechtert die Klimabilanz erheblich und verringert das enorme Klimaschutzpotenzial, welches in der Verwendung von Holz liegt, unnötig. Ziel des Projektes CaSCo ist es daher, unter Nutzung und Test der Instrumente, die das Umweltlabel Holz von Hier© bereitstellt, in den beteiligten Partnerländern ein grenzüberschreitend funktionsfähiges Toolkit zu entwickeln, welches Akteuren und Entscheidern ermöglicht, Einfluss auf die Warenströme bei der Herstellung von Holzprodukten zu nehmen. Im Projekt sollen zudem entsprechende politische Leitlinien entwickelt werden und einschlägige Akteure hinsichtlich der Bedeutung und Anwendung der Tools geschult werden. Auf diese Weise soll in einem wichtigen Wirtschaftssektor im Alpenraum ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Was sind wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes CaSCo?

Holz von Hier hat im Rahmen des Projektes eine vergleichende Analyse der Warenströme in der Forst- und Holzwirtschaft in den beteiligten Ländern durchgeführt. Diese hat gezeigt, dass die Situation in allen Ländern analog ist und in vielen Anwendungsbereichen durch Verkürzung der Transporte beträchtliche Klimaschutzpotenziale verborgen liegen.

In dem Projekt konnte die prinzipielle Nutzbarkeit der Instrumente von Holz von Hier auch in anderen Ländern erfolgreich getestet werden. Das Interesse an einer Implementierung ist gerade auch von Seiten öffentlicher Körperschaften groß. Entscheidend ist aber der Aufbau von Verarbeitungsketten, die in der Lage sind, Materialien und Produkte mit nachweislich kurzen Wegen entlang der Vorketten herzustellen, zu handeln und zu verarbeiten. Dies ist ein Prozess, der nicht von alleine abläuft.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Erarbeitung eines Handlungsleitfadens für Akteure und Entscheider der öffentlichen Hand, wie sie über Holz von Hier und das Toolkit klimafreundliche kurze Wege in der Beschaffung realisieren können.

Zudem wurde eine Plattform für digital vernetzte ‚smart places‘ entwickelt, die dem Thema ‚nachweislich Holz der kurzen Wege‘ verpflichtet sind bzw. sich hier engagieren (www.smart-places.net). Dies bietet z. B. auch öffentlichen Einrichtungen die Möglichkeit, ihr Klimaengagement einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.




Wie zahlt sich die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern aus?

Ein so wichtiges Thema, wie die Vermeidung von Transporten, ins allgemeine und vor allem auch politische Bewusstsein zu rücken, ist einzelnen nationalen Akteuren kaum bis gar nicht möglich. Erst durch das gebündelte Vorgehen und die Dokumentation dessen, dass dieses Thema in nahezu allen europäischen Ländern allgegenwärtig ist, besteht die Chance, hier auf den verschiedenen Ebenen Anstöße zur Veränderung zu geben.

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt CaSCo gefallen?

Spannend war vor allem die gemeinsame Arbeit an einem Thema mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen, die die eigene Wahrnehmung erweitert hat und verbindet. Wir haben Europa lieben gelernt.

Workshop im Rahmen des Projektes CaSCo (@ Holz von Hier)

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

Leider ist das Projekt bei dem inhärenten Anspruch doch von sehr kurzer Laufzeit. Letzten Endes erfordert es auch weiterhin noch viel Engagement und Input, um allgemein vorherrschende und eingefahrene Prozesse umzulenken. Umso mehr freut es uns, dass mehrere Projektpartner auch nach Projektablauf gemeinsam mit Holz von Hier daran arbeiten, das Umweltzeichen und die Tools in der öffentlichen Hand sowie bei den Unternehmen zu verankern.

Wir sind dem Projekt sehr dankbar, da wir hier tragfähige und schöne Partnerschaften knüpfen konnten. Wir laden alle interessierten Akteure wie Planer, Kommunen und Entscheider ein, sich mit uns in Verbindung zu setzen und sich über die Anwendungsmöglichkeiten zu informieren.

Weitere Informationen:

CaSCo project - Interreg Alpine Space website

Projekt CaSCo - Website Holz von hier

Plattform für digital vernetzte ‚smart places‘ www.smart-places.net

Dr. Gabriele Bruckner und Dr. Philipp Strohmeier sind Initiatoren und ehrenamtliche Leiter der Holz von Hier gGmbH und inhaltlicher Leadpartner des Projektes CaSCo.