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Nutzung der TEN-V-Kernnetzkorridore für eine bessere Infrastruktur und regionale Entwicklung im Ostseeraum

Interview mit Dr. Ulrike Assig von der Gemeinamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg über die Abschlusskonferenz der Interreg-Projekte NSB CoRe, Scandria®2Act, TENTacle

Abschlusskonferenz der Interreg-Projekte NSB CoRe, Scandria®2Act, TENTacle (© Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg)

Die drei Interreg-Projekte NSB CoRe, Scandria®2Act und TENTacle befassen sich mit der Umsetzung der Europäischen Transportstrategie im Ostseeraum und haben als Förderprojekte eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Sie sind einerseits in unterschiedlichen geographischen Räumen aktiv und widmen sich andererseits den unterschiedlichen fachlichen Themenstellungen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-V). Frau Dr. Ulrike Assig von der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg berichtet im Interview über die gemeinsame Abschlusskonferenz der drei Projekte, die im März in Brüssel stattfand.

Was war der Hintergrund für die gemeinsame Abschlusskonferenz?

Die Transeuropäischen Korridore sind das strategisch-infrastrukturelle Rückgrat europäischer Raumentwicklungskorridore. Ziel ist es, eine konsistente, nicht durch nationalstaatliche Egoismen behinderte Vernetzung der Infrastrukturen zu erreichen und damit den EU-Binnenmarkt zu stärken. Für alle beteiligten Regionen ist es wichtig, die Verbindungen zwischen den Metropol- und Wachstumsregionen (die sog. "Urban Functional Nodes") nicht nur als Infrastrukturknoten zu begreifen, sondern als Motoren, die das regionale Wachstum im Zusammenspiel mit den dynamischen Wachstumsmärkten verbessern. Sie sollen wirtschaftliche Impulse generieren und diese auch in ihre regionalen Teilräume lenken.

Dass dieser Anspruch nur miteinander zu verwirklichen ist, zeigen unsere drei geförderten Interreg-Projekte. Wir haben uns deshalb bereits bei der Antragstellung entschieden, eng zusammen zu arbeiten, unsere Themen und Arbeiten miteinander zu sortieren und abzustimmen, und nicht gegeneinander auszuspielen.

Was waren die Inhalte der Abschlusskonferenz?

Transnationale Korridore verbinden Menschen, Ideen und Regionen. Dieser Nutzen sollte gezeigt werden.

Wir drei Lead Partner hatten uns deshalb dazu entschieden, die Projektergebnisse so zu präsentieren, dass ihr thematischer Zusammenhang und die gemeinsamen Ziele in Bezug auf unterschiedliche Geographien und strategische Ziele in den TEN-V-Korridoren sichtbar werden. Die Konferenz hatte dafür ein schönes Motto: "Competences, Capitalisation and Cooperation im Ostseeraum - drei Interreg-Projekte als Schaufenster für die Umsetzung der TEN-V Strategie".

"Competences" meint Potenziale und Bedarfe: Wo liegen die wirtschaftlichen und kulturellen Stärken der Regionen, die gegenseitigen Austausch ermöglichen und benötigen? Welche Schwachstellen, z.B. beim grenzübergreifenden Personen- und Gütertransport müssen beseitigt werden? Wie leistungsfähig sind die multimodalen Schnittstellen zwischen Fern-, Regional- und Lokalverkehren? Ganz wichtig war in unserem Scandria-Projekt die Frage, welche vorhandenen Strategien zu sauberen, klimafreundlichen Kraftstoffen über Grenzen es schon gibt.

"Capitalisation" meint wirksame Lösungsansätze: Was haben die Projekte für die Regionen, die Menschen, die Wirtschaft gebracht? Wie können mit vertretbarem Aufwand Personen- und Güterströme klimafreundlicher gestaltet werden?

"Cooperation" meint im besten Sinne des Wortes "Zusammen-Arbeiten": Interreg-Projekte sind auf eine höchstens dreijährige Laufzeit angelegt. Das Projekt Scandria®2Act hat deshalb die Entwicklung und Gründung einer auf Dauer angelegten "Scandria®Allianz" zu einem Schwerpunkt gemacht. Mit der Allianz gewinnen die Regionen vom Ostseeraum bis an die Adria die Möglichkeit, ihre eigenen infrastrukturellen Herausforderungen und die Erfordernisse zur Umsetzung der TEN-V Strategie im Scandinavian-Mediterranean Corridor miteinander abzustimmen. Das heißt, sie können Doppelarbeit und unnötige Konkurrenzen beispielsweise bei der Beantragung von Fördermitteln vermeiden, aber auch grenzübergreifend zusammen ihre Strategien und Maßnahmen besser vorbereiten, planen und durchführen.

Was waren Ihre persönlichen Eindrücke von der Abschlusskonferenz?

Zunächst muss ich zur Vorbereitung der Konferenz etwas sagen: Wir sind drei Projekte mit drei Lead Partnern aus drei verschiedenen Nationen. Unser Team, das die Konferenz inhaltlich und organisatorisch vorbereitet hat, bestand aus schwedischen, finnischen und deutschen Kollegen. Wir sind von Beginn an gleichberechtigt, aber konsequent arbeitsteilig vorgegangen. Wir haben unsere Politiker aus den Regionen und die Strategen der EU-Ebene als Akteure in unsere Konferenz einbezogen. Deren Interesse hat uns gezeigt, wir haben die jetzt richtigen Themen besetzt und zudem das Interesse vieler Player über die "Projektfamilien" hinaus geweckt.

In den Podien selbst, den Pausen und am Abend zuvor wurde viel diskutiert - es ging teilweise heftig, aber fair und auch mit Humor zur Sache. Und es ergaben sich viele neue Ideen. Also der Abschluss eines Projektes bedeutet nicht das Ende, sondern ist zugleich Anfang und Auftrag.

Wir haben offenbar mit der Gründung der Scandria®Allianz einen Nerv getroffen – sie wurde auf der Konferenz mehrfach reflektiert.

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

Wir haben die Scandria®Allianz gegründet. Die Region Helsinki-Uusimaa, das Ostnorwegische Netzwerk der Landkreise unter Federführung der Region Akershus, die Region Skane, die Stadt Turku, die Region Örebro und die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg haben den Vertrag unterzeichnet, weil wir uns im Scandria-Korridor weiterhin konsequent, fach- und ebenenübergreifend auf diese vier Themen konzentrieren wollen: Saubere Kraftstoffe, multimodaler Güter- und Personentransport, grenzübergreifende Infrastrukturen und Digitalisierung im Transport. Wir haben deshalb einen gemeinsamen Arbeitsplan, den wir bereits jetzt für die Arbeit nach dem Projektabschluss weiterentwickeln. Die Allianz bezieht bestehende Netzwerke ein und wird als Plattform und Inputgeber die Initiierung neuer Projekte (Interreg, CEF u.a.) bis in den Mittelmeer-Adria-Raum unterstützen, wie z.B. die Interreg-Projekte BSR Access im Ostseeraum und InterGreenNodes im Programmraum Mitteleuropa (Scandria®Allianz - Website Scandria®).

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit des Projektes Scandria®2Act gefallen?

Wir waren und sind ein tolles Team! Es ist wirklich inspirierend und ermutigend, wie 19 Projektpartner aus fünf Nationen zusammengearbeitet haben. Natürlich mussten anfangs viele Fragen über Interessen und Ziele geklärt werden, das ging nicht ohne Diskussionen. Aber wir haben uns immer in Richtung gemeinsamer Lösungen zusammengefunden. Wir haben eine stringente arbeitsteilige thematische Struktur aufgebaut, die sich auch in der Arbeit der Scandria®Allianz fortsetzen wird. Der kollegiale und hierarchiefreie Umgang miteinander hat uns dabei geholfen.

Weitere Informationen:

Abschlusskonferenz der Interreg-Projekte NSB CoRe, Scandria®2Act, TENTacle:
Abschlusskonferenz

Projekt Scandria®2Act und Scandria®Allianz:
Website Scandria®

Kontakt: Ulrike.assig@gl.berlin-brandenburg.de

Frau Dr.-Ing. Ulrike Assig ist Referentin in der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg, Interreg-Projektkoordination und Leiterin des BSR Interreg V B Projektes "Scandria®2Act"; Arbeitsschwerpunkte: europäische Raumentwicklung, Metropolregionen, transeuropäische Verkehrsnetze, transnationale Projekte der Raumentwicklung; Mitglied des Beirates für Raumentwicklung in der 16. Legislaturperiode 2006-2009.