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BEA-APP: Raumplanerische Lösungen für die Energiewende im Ostseeraum

Interview mit Jennifer Grünes vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern über die Ergebnisse des Interreg-Projektes BEA-APP

BEA-APP erarbeitete raumplanerische Lösungen für Erneuerbare-Energie-Projekte, wie z.B. im Pilotprojekt: Grüne Gewerbegebiete (@ Wikimedia Commons)

Die Ausweisung von Flächen für neue Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien führt oftmals zu Nutzungskonflikten und Widerständen vor Ort. Hier ist die Raumplanung gefordert, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Zur Bewältigung der Herausforderungen zielt das Projekt BEA-APP (Baltic Energy Areas - A Planning Perspective) darauf ab, die Fähigkeiten der Akteure in Regional- und Energieplanung sowie den Dialog und Wissenstransfer im Bereich der erneuerbaren Energien zu verbessern. Das Projekt startete im März 2016 und endete im Februar 2019. Anlässlich der Abschlusskonferenz berichtet Jennifer Grünes vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern über die wichtigsten Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes.

Wie gestaltete sich die Abschlusskonferenz?

Die Ergebnisse des Projektes BEA-APP wurden im Rahmen einer Abschlusskonferenz am 29.01 - 30.01.2019 in Lettland (Riga und Jelgava) einem Auditorium, bestehend aus mehr als 70 Experten (Vertretern von Ministerien, Energieagenturen, Kommunen, NGOs etc.) aus 10 Ländern, präsentiert. Neben dem Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer diente die Veranstaltung auch der Vernetzung mit weiteren Projekten und Initiativen, die sich mit erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Raumplanung im Ostseeraum befassen. Die Inhalte und Ergebnisse der Konferenz sind in dem Konferenzbericht auf der Projektwebsite abrufbar:
BEA-APP final conference report

Was waren wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes BEA-APP?

Die wichtigsten Projektergebnisse beziehen sich auf die drei Arbeitsschwerpunkte: Optimierung von Raumplanungsinstrumenten, Förderung der Akzeptanz durch verbesserte Beteiligung und regionale Pilotstudien. Ein Schwerpunkt des Projektes war die Erarbeitung von länderübergreifenden Planungskriterien bzw. Planungsperspektiven für erneuerbare Energien, welche auf Grund der sehr unterschiedlichen Planungssysteme in den Partnerländern und der schwierigen Vergleichbarkeit eine große Herausforderung darstellte, aber in Zusammenarbeit mit allen Partnern bewältigt werden konnte.

Die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Erneuerbarer-Energie-Anlagen (EE-Anlagen) ist in allen Partnerländern konfliktträchtig, daher stellten die Analysen von innovativen Beteiligungskonzepten und Finanzierungssystemen einen weiteren wichtigen Fokus der Projektarbeit dar. In 9 Partnerregionen wurden im Rahmen des Projektes neue regionale Energiekonzepte erarbeitet bzw. bestehende Energiekonzepte fortgeschrieben. Zusätzlich wurden 11 EE-Pilotprojekte im gesamten Ostseeraum als gute Beispiele für die Zusammenarbeit von Raumplanern, lokalen Behörden und Energieagenturen entwickelt.

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt BEA-APP gefallen?

Am Projekt waren Vertreter aus allen Ostseeanrainerstaaten beteiligt, dementsprechend waren der Input und der Erfahrungsaustausch sehr vielfältig. Alle hatten eine Vision, was sie im Rahmen des Projektes bewegen bzw. erreichen wollten. Die Zusammenarbeit war sehr inspirierend und fruchtbar und machte letztendlich den Erfolg des Projektes aus. Nach drei Jahren hat sich eine Gemeinschaft gebildet, Freundschaften sind entstanden und eine Fortsetzung des Austausches und der Zusammenarbeit wird angestrebt.

Inhaltlich hat mir am meisten die Arbeit an unserem Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern zu den Grünen Gewerbegebieten gefallen. Gestartet sind wir mit der Idee, eine Machbarkeitsstudie für einen Standort zu erarbeiten, aber auf Grund des hohen Interesses und der politischen Unterstützung waren wir in der Lage aus BEA-APP heraus in Mecklenburg-Vorpommern (MV) eine Landesinitiative - den Landesdialog "Grüne Gewerbegebiete M-V" – zu erarbeiten und zu initiieren. Zum Abschluss des Projektes konnten wir sogar das erste Grüne Gewerbegebiet auszeichnen. Das ist sehr aufregend, da nun ein Prozess angestoßen wurde, deren Umsetzung uns noch einige Jahre beschäftigen wird (Website Grünes Gewerbe Gebiet).

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

Die Projektergebnisse von BEA-APP sollen in die Umsetzung gebracht werden. Dazu haben sich 10 der 11 ursprünglichen Partner zusammengefunden und einen Förderantrag (Baltic Energy Areas in Action - BEA-ACT) im Rahmen des 1. Extension Stage Calls des Programms Interreg V B Ostsee eingereicht. In der Projektverlängerung werden die Energiekonzepte unter Berücksichtigung bzw. Evaluierung der erarbeiteten Planungsperspektiven umgesetzt sowie die Piloten "Grüne Gewerbegebiete" und "Wärmeversorgung" weitergeführt und auf andere Partnerregionen übertragen.

Weitere Informationen:

Projekt BEA-APP BEA-APP website

Gutes Beispiel BEA-APP: mehr

Jennifer Grünes arbeitet im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern, das im BEA-APP-Projekt die Federführung hatte.