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Smart Blue Regions - intelligente Strategien zur Förderung von "blauem Wachstum" im Ostseeraum

Interview mit Projektkoordinator Carsten Beyer von der s.Pro - sustainable projects GmbH

Förderung von „Blauem Wachstum“ durch intelligente Strategien im Ostseeraum (© pdm, fotolia)

Meere und Ozeane sind Treiber für die europäische Wirtschaft und haben ein großes Innovations- und Wachstumspotenzial. "Blaues Wachstum" steht für innovative Wege zur Entwicklung von maritimen Aktivitäten, z.B. durch die Nutzung gemeinsamer Fähigkeiten und Infrastrukturen. Um die Potenziale von "blauem Wachstum" in den Regionen des Ostseeraums optimal zu nutzen, müssen die Kapazitäten zur Umsetzung von Forschungs- und Innovationsstrategien für intelligente Spezialisierung (entsprechend der EU-Strategie RIS3) gestärkt werden. Anlässlich der Abschlusskonferenz, die Ende Januar in Berlin stattgefunden hat, erklärt Projektkoordinator Carsten Beyer von der s.Pro - sustainable projects GmbH, wie Smart Specialisation (intelligente Spezialisierung) im Ostseeraum genutzt werden kann, um "blaues Wachstum" zu fördern.

Worum ging es in dem Projekt Smart Blue Regions?

Die Ursprünge des Projekts liegen bereits in den Jahren 2014/2015 in dem sich das SUBMARINER-Netzwerk (Submariner Network) gegründet hat. Das Netzwerk hat das Ziel, blaues und nachhaltiges Wachstum im Ostseeraum zu fördern.

Neben "blauem Wachstum" kam zu dem Zeitpunkt noch ein weiteres wichtiges Thema hinzu: Die sogenannten "Smart Specialisation Strategies", zu der es im Interreg-Ostseeprogramm eine eigene Subpriorität gibt. Da es damals keinerlei Erfahrung in dem Bereich gab, war das die Triebfeder für das Projekt Smart Blue Regions. Wir wollten uns einerseits als Regionen, für die "blaues Wachstum" wichtig ist, vernetzen und uns anderseits untereinander austauschen und lernen, wie wir Smart Specialisation einsetzen können, um "blaues Wachstum" zu fördern. Das ist letztendlich auch der Kern des Projekts "Smart Blue Regions": Wie können wir Smart Specialisation nutzen, um "blaues Wachstum" zu fördern.

Das Projekt wurde durch acht Projektpartner aus sechs Regionen umgesetzt: Schleswig-Holstein in Deutschland (Lead Partner), Skåne in Schweden, Süd-West-Finnland, Pomorskie, Ida-Viru und die Planungsregion Riga.

Was waren wichtige Erfahrungen und Ergebnisse innerhalb des Projektes Smart Blue Regions?

Wie bereits erwähnt, gibt es die zwei Hauptthemen Smart Specialisation Strategies und "blaues Wachstum".

Im Bereich Smart Specialisation muss man bedenken, dass dies zu Projektbeginn ein ganz neues Instrument darstellte und das Projekt so konstruiert war, dass ein gegenseitiges Lernen erfolgt. Es bestand die Hypothese, dass die europäischen Vorgaben für die Smart Specialisation Strategies, die als ex-ante Bedingung für die Vergabe von regionalen EFRE-Mitteln in den Bereichen Innovation und Forschung verbindlich sind, in allen Regionen gleich sind. Die Realität sieht aber so aus, dass es in jeder Region komplett anders aufgebaut ist und angewandt wird, was im Rahmen des Projektes ein echtes Aha-Erlebnis war. Es gab erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Daher wurde für jede einzelne Region ein separates sogenanntes "Multi-Level Implementation Scheme" (siehe Multilevel Implementation Strategy - Pomorskie) entwickelt, um die Smart Specialisation Strategies auf den verschiedenen Ebenen umzusetzen - immer mit dem Fokus auf "blaues Wachstum". Die Erfahrungen der Regionen wurden dann auf transnationaler Ebene in einem Synthesebericht zusammengefasst und entsprechend mit den europäischen Stellen geteilt. Das ist ein wichtiges Ergebnis in dem Bereich Smart Specialisation Strategies.

Im Bereich "blaues Wachstum" will ich zwei Bereiche hervorheben. Wir haben Smart Specialisation Strategies im Prinzip als Visitenkarte der Regionen für den Ostseeraum genutzt, um Wertschöpfungsketten (Value Chains) im Bereich von "blauem Wachstum" abzubilden und zu identifizieren. Smart Specialisation Strategies beruhen auf einem breiten Stakeholder-Prozess. Es wurde untersucht und identifiziert: Was sind besonders wichtige Spezialisierungsfelder in den jeweiligen Regionen? Wer sind wichtige Institutionen und "Player" in dem Bereich (Wirtschaft, Technologieparks, Cluster, Forschungseinrichtungen etc.)? Darauf aufbauend haben wir dann die Kooperationsbereiche, die relevant für die Regionen sind, in einem sehr breiten Dialog abgeleitet. Dadurch haben wir jetzt einen guten Überblick über den gesamten Ostseeraum, was blaue Wirtschaft betrifft. Außerdem konnten neue Kooperationsprojekte auch im privatwirtschaftlichen Bereich aus dem Projekt heraus angeschoben werden. So etwa das Projekt "MultiRotor Systems". Bei dem Projekt geht es um den Einsatz von unterschiedlichen Rotorblättern in Offshore-Windparks, die aus verschiedenen Materialien und Anordnungen gestaltet werden können.

Warum war es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Da alle Projektpartner aus europäischen Regionen kamen, war es sehr sinnvoll, das Projekt auf transnationaler Ebene umzusetzen. Der Austausch zwischen den einzelnen Regionen war sehr wichtig. Beim "blauen Wachstum" gibt es Wertschöpfungsketten, die grundsätzlich länderübergreifend sind, das heißt "blaues Wachstum" entsteht nur durch Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus unterschiedlichen Ländern. Von daher musste das Thema auf europäischer oder transnationaler Ebene adressiert werden.

Wie gestaltete sich die Abschlusskonferenz und was waren Ihre persönlichen Eindrücke?

Konferenz „The role of regions in fostering blue growth” am 22. Januar 2019 in Berlin (© s.Pro GmbH)

Die Konferenz "The role of regions in fostering blue growth" fand am 22. Januar 2019 in Berlin auf dem EUREF-Campus statt. Es war keine reine Abschlusskonferenz, in der nur Ergebnisse präsentiert und diskutiert wurden. Es sollte auch ein Zwischenschritt sein, um zu sagen: Es geht weiter. Deshalb haben wir weitere Interreg-Projekte aus dem SUBMARINER-Netzwerk, die sich mit "blauem Wachstum" beschäftigen, eingeladen.

Über dem Ganzen stand immer die Frage: Wie können Regionen einerseits "blaues Wachstum" fördern, um anderseits von "blauem Wachstum" in ihren Regionen zu profitieren? Dazu gab es verschiedene Themenbereiche in unterschiedlichen Sessions. Es wurden übertragbare Ergebnisse aus Interreg-Projekten vorgestellt, die von Regionen genutzt werden können. Themen waren beispielsweise, wie "blaues Wachstum" auf unterschiedlichen Ebenen finanziert werden kann, was für Politikmaßnahmen es gibt, die "blaues Wachstum" fördern oder was für Techniken gibt es, die "blaues Wachstum" unterstützen. Die Agenda und Vorträge sind auf der Konferenz-Seite abrufbar: final conference

Meine Eindrücke von der Konferenz waren sehr positiv. Wir waren als Projektkoordinatoren für das Projekt und für die gesamte Vorbereitung, Planung und Dokumentation der Veranstaltung verantwortlich. Ich hatte also einen nicht rein objektiven Blick auf die Veranstaltung, sondern eine mit persönlichem Engagement verbundene Perspektive. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv, es fand ein guter Austausch statt und im Anschluss gab es auch schriftliche Meldungen der Teilnehmer, dass es ihnen sehr gut gefallen hat.

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt Smart Blue Regions gefallen und wie geht es nach dem Projektabschluss weiter?

Alle am Projekt beteiligten Regionen sind jetzt Mitglieder im SUBMARINER-Netzwerk geworden, um die Zusammenarbeit auch über das Projektende hinaus zu gewährleisten. Im SUBMARINER-Netzwerk sind ca. 30 unterschiedliche Institutionen und Firmen aus dem Bereich "blaues Wachstum" im Ostseeraum vertreten. Im Rahmen des Netzwerks gibt es einen regen Austausch auf virtueller und persönlicher Ebene. Es finden mindestens zwei Treffen pro Jahr zu unterschiedlichen Themen statt, wo u.a. auch neue Kooperationen angeschoben werden.

Ein weiteres interessantes Ergebnis des Projekts und der Konferenz aus Sicht der Regionen war, dass das Projekt nicht nur auf transnationaler Ebene hilfreich war, sondern auch dazu geführt hat, dass der Austausch mit anderen Regionen im eigenen Land intensiviert wurde. Zum Beispiel hat die Region Skåne in Schweden jetzt einen engen Austausch zum "blauen Wachstum" mit der Region Östra Gotland und Västra Gotland, was vorher nicht so war und sehr hilfreich ist. Das ist ein Nebeneffekt, der am Anfang gar nicht beabsichtigt war.

Für mich persönlich ist es so, dass ich in dem Bereich "blaues Wachstum" zu Hause bin, aber in erster Linie Europäer bin und schon sehr lange in dem Bereich transnationale Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union arbeite - das ist meine Herzensangelegenheit. Das Projekt war ein weiterer Beleg dafür, wie die neuen und alten Mitgliedstaaten im Ostseeraum wirklich prima zusammenarbeiten können und den europäischen Gedanken leben und weitertragen. Dies ist für mich ein riesengroßer Mehrwert des Interreg-Programms, der gar nicht oft genug betont werden kann und auch häufig in Vergessenheit gerät.

Weitere Informationen:

Nationale/regionale Innovationsstrategien für intelligente Spezialisierung (RIS3): RIS3
Projekt Smart Blue Regions: Smart Blue Regions
Abschlusskonferenz Smart Blue Regions: final conference

Carsten Beyer ist geschäftsführender Gesellschafter der s.Pro – sustainable projects GmbH und externer Projektkoordinator des Projekts Smart Blue Regions.