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FCCP: Emissionsfreie Lastenfahrräder mit Brennstoffzellentechnologie für einen nachhaltigen innerstädtischen Verkehr

Interview mit Björn Offermann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Visualisierung eines Lastenrads mit Brennstoffzellensystem (© DLR)

In den letzten Jahren hat der Logistikverkehr in den Innenstädten enorm zugenommen und verursacht zunehmend Emissionen, Staus und Verspätungen. Elektrisch unterstütze Lastenräder sind in den verkehrsintensiven Innenstädten eine vielseitige und nachhaltige Alternative: Sie fahren emissionsfrei, nutzen bestehende Infrastruktur besser aus und sind auf der letzten Meile oft schneller und effizienter als konventionelle Lieferfahrzeuge. Björn Offermann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt erklärt im Interview, wie das Interreg-Projekt FCCP (Fuel Cell Cargo Pedelec) für eine neue klimafreundliche Logistiklösung in städtischen Gebieten ein innovatives Brennstoffzellen-Lastenrad testet.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

In unserem Projekt FCCP (Fuel Cell Cargo Pedelec) ersetzen wir in fünf europäischen Städten Lieferfahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch insgesamt 50 lokal emissionsfreie Wasserstoff-Lastenräder, unsere FCCPs. Als Partner haben wir Städte, Logistikunternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen aus fünf europäischen Ländern am FCCP-Projekt beteiligt. Auch über die Projektlaufzeit hinaus sollen die positiven Effekte der lokal emissionsfreien Brennstoffzellentechnologie den Weg in die breite Anwendung finden. Eigens für diesen Ergebnistransfer wird eine DLR-Ausgründung die Technologieeinführung mit den Partnern organisieren.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Brennstoffzellen-Lastenräder adressieren Schadstoffemissionen und Staus in Städten und damit akute und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Das hat mich sofort begeistert und motiviert, die zugrundeliegende Brennstoffzellentechnologie H2RANGE in die breite Anwendung zu bringen und das Potenzial dieser Technologie auszuschöpfen. Um die Entwicklung vom Laborstatus auf die Straße zu organisieren, bildet Interreg einen hervorragenden Rahmen, in dem wir darüber hinaus ausgezeichnete Partner gefunden haben. Der Support von Interreg ist zudem fantastisch. Um die obenstehende Frage in einem Satz zusammenzufassen: Das Projekt und die Zusammenarbeit bereiten mir inhaltlich und persönlich Freude.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

Stuttgart steht in der Staustatistik auf Platz 5 im bundesweiten Vergleich. Und ein Stuttgarter Autofahrer verbringt 108 Stunden im Stau. Die Luftqualität in der Kessellage stellt bei diesem Verkehrsaufkommen eine zusätzliche Herausforderung dar. Stickoxid- und Lärmemissionen sowie Staus sind daher ein wichtiges Thema in der Region. Gleichzeitig stoßen batterieelektrische Fahrzeuge in der hügeligen Landeshauptstadt an ihre Grenzen auf Grund ihrer Reichweite. Die Stadt Stuttgart ist Projektpartner und unterstützt das FCCP-Projekt aktiv durch den Einsatz unserer Brennstoffzellen-Lastenräder, aber auch durch die Förderung der zugehörigen Infrastruktur. Zusätzlich werden unsere Lastenräder durch unseren Projektpartner VeloCARRIER in Stuttgart für die gewerblichen Letzte-Meile-Transporte eingesetzt. Das FCCP-Projekt ebnet also im Stuttgarter Raum den Weg für den Einsatz von lokal emissionsfreien Brennstoffzellen-Lastenrädern.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Schadstoffemissionen und Staus beschränken sich nicht nur auf Deutschland, sondern stellen für alle europäischen Metropolen eine Herausforderung dar. Deshalb ergibt es Sinn, unsere Brennstoffzellen-Lastenräder unter den verschiedenen europäischen Umfeldbedingungen einzusetzen und zu testen. Außerdem führen wir in unserem Projekt FCCP auch Kompetenzen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Städten zusammen. Dazu haben wir in Nordwesteuropa (Interreg NWE) eine sehr gute Partnerstruktur aufbauen können.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt FCCP gelingt, werden in zehn Jahren….

...mehr Lachfalten und weniger Haare meinen Kopf schmücken. Und die bis dahin im Zuge von E-Commerce und Convenience-Entwicklungen stark gewachsenen Letze-Meile-Transporte werden effizient, nachhaltig, sauber und leise durch Brennstoffzellentechnologien in verschiedenen Fahrzeugkonzepten durchgeführt. FCCP wird den Weg dorthin durch den erfolgreichen, einjährigen Einsatz von Brennstoffzellen-Lastenrädern begünstigt haben.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Kürzlich hatten wir unser zweites Partnertreffen. Es war sehr schön, den Fortschritt in den Arbeitspaketen zu sehen und dass es nach knapp einem Drittel der Projektlaufzeit eine freundschaftliche Atmosphäre auch bei der Lösung von Herausforderungen gibt. Mein schönstes Erlebnis lag allerdings bereits im Rahmen des Projektantrages. Meine Tochter Mara wartete nämlich mit ihrer Geburt, bis ich den Antrag mit meinem Kollegen Mathias Schulze abgegeben hatte.

Weitere Informationen:
Projekt FCCP

Kontakt: bjoern.offermann@dlr.de

Björn Offermann ist Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., dem Leadpartner des FCCP-Projektes.