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ASTUS: Reduzierung der CO2-Emissionen durch nachhaltige Verkehrs- und Siedlungsplanung

Interview mit Dr. Stephan Schott von der Landeshauptstadt München

Projektteam ASTUS (© Stephan Schott)

Der hohe Ausstoß von CO2 durch den konventionellen Autoverkehr in den Städten und im gesamten Alpenraum stellt eine Gefährdung des natürlichen Lebensraums dar. Das Interreg-Projekt ASTUS (Alpine Smart Transport and Urbanism Strategies) will den Kommunen helfen, langfristige Lösungen für Fragen in der Mobilität und der Raumplanung zu finden. Wohnorte fern des Arbeitsplatzes und autoabhängige Strukturen zwingen viele Menschen, (fast) täglich ihr eigenes Auto zu nutzen. ASTUS unterstützt die örtlichen Behörden bei Aktionsplänen, um den CO2-Ausstoß als Folge täglicher Mobilität zu verringern. Im Rahmen des Wettbewerbs "Erfolgreich vernetzt in Europa" wurde die Landeshauptstadt München u.a. mit dem Projekt ASTUS für seine europäische Vernetzung ausgezeichnet. Dr. Stephan Schott von der Landeshauptstadt erklärt im Interview die Bedeutung des Projekts für die Stadt München und warum es wichtig ist, sich auf neue Wohnformen zu konzentrieren.

Worum geht es in dem Projekt ASTUS?

Das Projekt ASTUS strebt eine Reduzierung der CO2-Emissionen durch eine nachhaltige Verkehrs- und Siedlungsplanung an. Es geht dabei neben dem Erfahrungsaustausch auch um die Erprobung und Umsetzung von Strategien für intelligente Mobilität und Raumplanung im Alpenraum.

Was bringt das Projekt ASTUS für die Region München?

Aus der Region München sind neben der Landeshauptstadt München der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) sowie die Technische Universität (TU) München Projektpartner. Der MVV beschäftigt sich vor allem mit dem Ausbau von Expressbuslinien und Carsharing; die TU München unterstützt mit Simulationen verschiedener Szenarien die Argumentation. Wir von der Landeshauptstadt München konzentrieren uns darauf, für Wohnformen zu begeistern, die auf eine intensivere Nutzung des vorhandenen Wohnraums abzielen. Dadurch soll CO2-verursachender überflüssiger und an dieser Stelle nicht notwendiger Neubau vermieden werden. Unterstützt von einem Verhaltenspsychologen wurden lokale Befragungen durchgeführt. Die Ergebnisse helfen herauszufinden, wie zu Wohnungstausch, zur Untervermietung oder zum Umbau von zu groß gewordenen Wohnungen oder Häuser motiviert werden kann. ASTUS arbeitet insbesondere mit Videos, die gelungene Beispiele der intensiveren Wohnraumnutzung zeigen. Eine Informationsplattform (Projekt ASTUS - Website Stadt München) versucht, auch die Veränderungshindernisse zu verringern.

Was ist Ihre persönliche Motivation, an dem Projekt mitzuwirken?

Unser abgeschlossenes Vorläuferprojekt MORECO (Mobility and Residential Costs) schuf eine gute thematische Basis für die Umsetzung neuer Ansätze. Da u.a. die bewährten österreichischen und slowenischen Partner bei ASTUS wieder dabei sind, bin ich überzeugt, dass echte Fortschritte beim wichtigen Thema Wohnungsbau angestoßen werden können. Wichtig für mich waren auch das Interesse und die persönliche Rückenstärkung durch die Münchner Stadtbaurätin. So ist ein praktischer Nutzen des Projektes zu erwarten.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Der Austausch insbesondere mit den österreichischen Projektpartnern erweitert nicht nur das jeweilige Wissensspektrum, sondern stärkt auch die Akzeptanz vor Ort. Gastbeiträge finden sowohl in Salzburg als auch in München mehr Beachtung als eine Ergebnispräsentation durch lokale Fachleute. Die Ergebnisse von ASTUS, auch die Mobilitätslösungen der anderen Projektpartner, sind übertragbar, sogar über den Alpenraum hinaus. Es hat also große Wirkung, sich einmal intensiv mit den Herausforderungen zu beschäftigen.


Wenn das Projekt ASTUS gelingt, werden in zehn Jahren…

… bessere Standards bei der Nutzung des vorhandenen Wohnraums und der Mobilitätslösungen üblich sein, nicht nur in der Region München.

Gibt es bereits erste Anstöße oder Ergebnisse durch das Projekt?

Unsere Befragungen haben bestätigt, dass es wirksamer für Verhaltensänderungen ist, wenn die Informationen zum Thema über Verwandte, Freunde oder Nachbarn vermittelt werden. Eine direkte Ansprache wird von den Betroffenen häufig als belehrend empfunden und deshalb sofort abgelehnt. Verhaltensänderungen hinsichtlich der Wohnsituation, also Mitwohnen und Wohnungstausch, sollten möglichst bis zum 60. Lebensjahr eingeleitet werden, wenn sich die Menschen noch fit und souverän fühlen. Ältere lassen sich nur noch selten auf neue Situationen ein, was auch Wohnen gegen Mithilfe betrifft. Wurde hingegen rechtzeitig eine neue Wohnsituation ausprobiert, dann kann diese auch in höherem Alter weitergeführt werden. Beim Carsharing stellte sich heraus, dass es häufig kontraproduktiv ist, wenn das Geldsparargument an erster Stelle steht. Viele denken dann, sie seien in den Augen ihrer Freunde und Nachbarn verarmt und verwerfen eine nähere Auseinandersetzung mit dem Thema. Wirkungsvoller sind Umwelt- und Bequemlichkeitsargumente.

An welches Projektereignis erinnern Sie sich besonders gern zurück?

Auf Initiative einer engagierten Kollegin sollte in einem Workshop mit den großen Wohnungsbaugesellschaften ausgelotet werden, ob diese bei der Anwendung der ASTUS-Ergebnisse mitwirken könnten. Die Vertreter der Gesellschaften steuerten gleich konkrete Vorschläge bei, mit deren Umsetzung wir bereits begonnen haben.

Weitere Projektinformationen:

ASTUS - Alpine Space Programme 2014-2020 website

Projekt ASTUS - Website Stadt München

Dr. Stephan Schott arbeitet beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München. Er ist Regionalplaner und verantwortlich für das Interreg-Projekt ASTUS.