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Spotlight "Andockförderung" - Sieben Fragen, sieben Antworten

Sina Redlich stellt die Andock-Förderkategorie des Bundesprogramms Transnationale Zusammenarbeit vor

Zusammenarbeit (© Rawpixel, Fotolia.com)

Das Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit ist mittlerweile den meisten Interreg-Akteuren in Deutschland ein Begriff. Mit dieser Förderung unterstützt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat deutsche Interreg B-Projekte, die ein Thema von besonderem Bundesinteresse bearbeiten. Neben der "Kofinanzierung" und der "Vorlaufförderung" gibt es als dritte Förderkategorie die "Andockförderung". Während die beiden ersten relativ selbsterklärend sind (Unterstützung beim Eigenanteil, den die deutschen Partner in Interreg-Projekten erbringen müssen bzw. Unterstützung bei der Antragstellung) hört sich "Andockförderung" zunächst etwas sperrig an. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff, an wen richtet sich diese Unterstützung und wie können sich Interessenten bewerben? Das möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Worum geht es bei der Andockförderung?

Wer im Rahmen eines Interreg B-Projekts zusätzliche Maßnahmen umsetzen möchte, die zu einer nachhaltigen Stadt- bzw. Regionalentwicklung in Deutschland beitragen, der kann für diesen extra Baustein die Andockförderung beantragen. Das Besondere dabei ist, dass der Fokus der Andockvorhaben auf der deutschen Partnerregion liegt, während bei Interreg-Projekten stets der transnationale Mehrwert im Vordergrund steht. Der lokale bzw. regionale Nutzen der transnationalen Ergebnisse steht somit im Mittelpunkt – das gefällt mir an der Andockförderung besonders gut. Aufbauend auf den gemeinsamen Aktivitäten und Ergebnissen des Interreg-Projekts vertieft und ergänzt der deutsche Projektpartner die Arbeit vor Ort. Dies geschieht zum Beispiel durch die regionale Anwendung transnationaler Outputs, die regionale Kommunikation von Ergebnissen oder die Verstetigung der begonnenen Aktionen.

Sind auch überregionale Aktivitäten möglich?

Neben der beschriebenen Umsetzung zusätzlicher lokaler Projektbausteine (Typ 1 "Regionale Vertiefung und Verstetigung") gibt es auch einen zweiten Typ der Andockförderung: Die "Thematische Vernetzung": Oftmals werden in den sechs Interreg B-Räumen, an denen Deutschland beteiligt ist, Projekte mit gleichem oder ähnlichem Themenschwerpunkt gefördert. Das Ziel von Andockprojekten dieses Typs ist die innerdeutsche Vernetzung solcher inhaltlich vergleichbarer Interreg B-Projekte. Damit haben sie die Chance, durch den fachlichen Austausch die Reichweite der Projektergebnisse zu vergrößern.

Wann bietet sich eine Andockförderung an?

Andockfinanzierungen werden zu dem Zeitpunkt einer Förderperiode attraktiv, wenn viele Interreg-Projekte erfolgreich angelaufen sind, so wie das momentan der Fall ist. Ein Andockvorhaben hat dann Sinn, wenn ein Interreg-Projekt so weit vorangeschritten ist, dass sich regionale Lücken oder Ergänzungsbedarfe zum transnationalen Projekt herausstellen, die dieses nicht abdeckt oder abdecken kann.

Wer kann die Andockförderung nutzen?

Das besondere an der Andockförderung ist, dass alle deutschen Partner von Interreg B-Projekten förderfähig sind. Zum Vergleich: Kofinanzierungen und Vorlauffinanzierungen aus dem Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit richten sich nur an deutsche Lead Partner.

Wie hoch ist die Förderung?

Eine Andockförderung beträgt maximal 50.000 Euro, wobei zusätzlich eine Eigenbeteiligung von 25 bis 50 Prozent nötig ist. Die Laufzeit ist in der Regel rund ein Jahr. Sie kann aber auch länger sein, wenn dies inhaltlich sinnvoll erscheint. Wichtig ist es darzustellen, warum die Andock-Aktivität nicht im Rahmen des Interreg-Projektes stattfinden kann bzw. konnte.

Wann kann ich mich bewerben?

Das Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit ist in der Regel zweimal jährlich für Projektanträge geöffnet. Ein Stichtag für das Einreichen von Anträgen ist gerade verstrichen, der nächste wird voraussichtlich Anfang 2019 sein. Über den Interreg Newsletter informieren wir, sobald der Aufruf startet.

Gibt es bereits gute Beispiele für Andockvorhaben?

Im Andock-Typ 1 "Regionale Vertiefung und Verstetigung" ist das CHIAPAS-Projekt ein gutes Beispiel. Es dockt an das Nordwesteuropa-Projekt CHIPS an, bei dem es um Radschnellwege als eine neue, effiziente und kostengünstige Lösung im Alltagsverkehr geht. Im Interreg-Projekt steht die generelle Machbarkeit und der Auf- bzw. Ausbau der Radschnellwege sowie eine aktive Bewerbung bei möglichen Nutzern im Vordergrund. Beim Andockvorhaben dagegen geht darum Nutzungskonflikte auszuräumen, die sich zwischen den Radschnellwegen, landwirtschaftlichem Verkehr und landschaftlichen Schutzgebieten ergeben. Als Ergebnis des Andockprojektes sind zum Beispiel gemeinschaftlich akzeptierte Lösungswege und Maßnahmenpläne angestrebt, als Basis für regional koordinierte Aktivitäten.

Im Andock-Typ 2 "Thematische Vernetzung" ist TransRegio Alliance ein gutes Beispiel. Hier haben sich deutsche Partner aus aktuellen Interreg-Projekten aus den Programmräumen Mitteleuropa und Ostsee zusammengefunden, die sich alle mit Themen wie CO2-armer Verkehr, Korridorentwicklung sowie Hinterland-Anbindung beschäftigen. Gemeinsam mit politischen und operativen Verkehrsakteuren aus allen fünf ostdeutschen Bundesländern haben sie eine Allianz gegründet. Das Ziel ist, die Reichweite und den Wirkungsgrad der Projektergebnisse für eine gemeinsam abgestimmte Raumentwicklung zu vergrößern und informelle Kooperationsstrukturen zu festigen.

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Sina Redlich ist Mitarbeiterin im Referat Europäische Raum- und Stadtentwicklung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Europäische Raumentwicklungspolitik und transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von Interreg B. Sie betreut auf Seiten des BBSR das Nordwesteuropa-Programm, INTERACT, das Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit sowie Forschungsprojekte im Themenbereich.