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Zwei Wochen mit dem Zug durch Mitteleuropa

Interreg Volunteer Youth-Praktikantin erkundet innovative Verkehrskonzepte

Mit dem E-Bike durch Ljubljana (© Elsa Bergery)

Tschechien - Österreich - Slowenien - Italien - Polen: Zwei Wochen lang war die Französin Elsa Bergery, Freiwillige im Rahmen des europäischen Berufseinsteigerprogramms "", mit dem Zug in Mitteleuropa unterwegs. Ziel der Reise: Die verschiedenen Partner des Interreg-Projektes "" zu besuchen, die sich alle auf die ein oder andere Weise damit beschäftigen, die Anbindung ländlicher Räume zu verbessern. Bei ihren Exkursionen und Interviews vor Ort hatte sie Gelegenheit, eine ganze Bandbreite an lokal angepassten, innovativen Verkehrskonzepten kennenzulernen: In Brno besuchte sie die Dampflokomotiven-Messe und lernte Busse mit Fahrradanhängern kennen, in Graz testete sie Ruftaxis und multimodale Haltestellen. Mit bedarfsorientierten Mobilitätsdienstleistungen für ältere Menschen auf dem Land konnte Ljubljana punkten, wo Elsa die Altstadt mit einem Bike-Sharing-Fahrrad erkundete. In Triest lernte sie, wie sich der öffentliche Sektor mit einem professionellen Datenmanagement im öffentlichen Nahverkehr gegen die Monopolisten Google und Uber behaupten kann. In Polen schließlich zeigte ihr die Stadt Lubin, wie sie die Nahverkehrsanbindung an einen nahegelegenen Industriepark verbessert, um junge Fachkräfte in der Stadt zu halten. Ihre Erfahrungen hat Elsa Bergery in festgehalten. Und ganz abgesehen von den vielen innovativen Ideen ist ihr bei ihrer Zugreise auch unmittelbar noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass der grenzüberschreitende Verkehr gut funktioniert.

Was waren die größten Unterschiede, was die größten Gemeinsamkeiten, die Sie auf Ihrer Reise zwischen den Partnerstädten und -institutionen entdeckt haben?

Bus mit Fahrradanhänger in Brno (© Elsa Bergery) Bus mit Fahrradanhänger

Die größten Unterschiede sind nach wie vor die Verkehrsmittel, die in den Ländern in Mitteleuropa genutzt werden. Die Italiener zum Beispiel lieben ihre Roller, während die Leute in Österreich sehr viel Fahrrad fahren. Es gab für mich auch einige Überraschungen - zum Beispiel das große Interesse der Menschen in Tschechien an alten Transportmitteln und Dampflokomotiven. Trotzdem stehen natürlich alle Partner vor der gleichen Herausforderung, dass bei der Fortbewegung die Nutzung des eigenen Autos nach wie vor dominiert. Sie versuchen, dafür Lösungen bzw. Alternativen zu finden, die zu ihrer bestehenden Mobilitätskultur passen.

Was hat Sie auf Ihrer Tour am meisten beeindruckt? Warum?

Sehr überzeugend fand ich die Bemühungen der Stadt Ljubljana im Bereich der grünen Mobilität. Vor allem die Kreativität der Planer von LPP (Verkehrsbetriebe Ljubljana), innovative Mobilitätslösungen umzusetzen, hat mich beeindruckt. Es war das erste Mal, dass ich Golf-Caddies als Verkehrsmittel für Menschen mit eingeschränkter Mobilität in Fußgängerzonen gesehen habe. Diese Ideen wurden 2016 mit dem "European Green Capital Award" ausgezeichnet.

Hat sich Ihr Bild von öffentlichem Nahverkehr in abgelegenen Regionen durch Ihre Arbeit am Projekt "Peripheral Access" verändert?

"Peripheral Access" hat mir die Möglichkeit gegeben, in diesem Bereich eine große Bandbreite an Initiativen von verschiedenen Akteuren kennenzulernen, wie etwa von Verkehrsbetrieben, Behörden und der Zivilgesellschaft. Im Allgemeinen nutzen viele von ihnen die Möglichkeiten, die neue Technologien für eine effizientere Organisation des Verkehrs bieten. Trotzdem habe ich gemerkt, dass die Grundprinzipien von Carsharing oder bedarfsorientiertem Verkehr nicht neu sind und auf traditionellen Verhaltensweisen von Solidarität und Zusammengehörigkeit beruhen - trotz der individualistischen Kultur, die heutzutage vorherrscht.

Sie haben Ihre Rundreise durch Mitteleuropa mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht. Ihre Erfahrungen?

Die meiste Zeit bin ich Zug gefahren und da gibt es große Unterschiede, wenn man die Landesgrenzen überquert. Die österreichischen und italienischen Schienennetze sind sehr gut organisiert im Vergleich zum slowenischen. Letzteres wird momentan von Grund auf erneuert, weil die Linien nicht kompatibel sind mit den internationalen Netzen, was Breite, Elektrifizierung und Technik angeht. Deshalb hatte ich viele Probleme mit den Zügen, nachdem ich die Grenze überquert hatte: Mein Zug hielt mitten auf dem Land an und fuhr nicht weiter, der angekündigte Ersatz kam nicht. Glücklicherweise hatte ich im Zug aber eine Familie kennengelernt, die mich im Auto bis nach Ljubljana mitnahm.

Sie haben beim Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, dem Lead Partner von "Peripheral Access", ein Praktikum im Rahmen von "Interreg Volunteer Youth" gemacht. Was ist Ihr persönliches Resümee zu diesem Programm und zu Ihrem Aufenthalt in Berlin?

Als junge Stadtplanerin hatte ich die Chance, mit verschiedenen Akteuren aus ganz Mitteleuropa zusammenzuarbeiten, die sich mit Mobilitätsfragen beschäftigen. So habe ich auch die neuesten Innovationen für Mobilität in ländlichen und suburbanen Gebieten kennengelernt. Im Projekt lag mein Aufgabenschwerpunkt auf der Kommunikation. Das gab mir die Möglichkeit, neue Kompetenzen zu entwickeln, vor allem was Videoschnitt und die Erstellung von Broschüren betrifft, aber auch die externe Projektkommunikation über die Webseite und soziale Medien. Gleichzeitig finde ich, dass die Erfahrung mit dem Interreg-Programm Mitteleuropa generell sehr bereichernd war.

Sie waren mit dem Erasmusprogramm in Polen und haben jetzt ein Interreg Volunteer Youth-Praktikum in Deutschland gemacht. Was bedeuten diese Erfahrungen für Sie, was können Sie weitergeben?

Es ist eine große Chance, Dinge im Ausland zu lernen, denn dadurch sieht man auch die Eigenschaften und Probleme des eigenen Landes mit anderen Augen. Das wichtigste am transnationalen Austausch ist es, die Partner in einer eher unkonventionellen Umgebung kennenzulernen, um ihre Herangehensweisen und ihre Kultur besser zu verstehen. Die Unterhaltungen bei den gemeinsamen Mittag- oder Abendessen oder während der Exkursionen sind dabei genauso wichtig wie die Teilnahme an den formalen Treffen.

Was werden Sie am meisten an Berlin vermissen, wenn Sie wieder zu Hause sind? Und was haben Sie am meisten an Frankreich vermisst während Ihres Aufenthaltes hier?

Ich habe den Eindruck, dass ich mich im Ausland „französischer“ fühle, weil mir das typische Essen und die regionalen Landschaften fehlen. Aber ich werde definitiv auch den Berliner Lebensstil vermissen, die weiten Räume, die großen Parks, das lebendige kulturelle Leben und diese sehr spezielle Atmosphäre der Freiheit – und auch die vietnamesischen Restaurants! Zudem haben wir nicht solche Dinge wie das Tempelhofer Feld oder den Mauerpark.

Auf ihrer Reise hat Elsa Bergery zu allen Stationen kurze Videosequenzen zu ihren Gesprächen mit den Partnern und ihren Besichtigungen vor Ort gemacht. Diese finden Sie hier.

Weitere Informationen:

Facebook Projekt Peripheral Access
Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung

Elsa Bergery ist eine junge Stadtplanerin aus Lyon, Frankreich. Im Rahmen des europäischen Programms für Berufseinsteiger "Interreg Volunteer Youth" hat sie von Februar bis Juli 2018 ein Praktikum beim Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung in Berlin absolviert (DV). Dort arbeitete sie am Interreg-Projekt "Peripheral Access" mit, bei dem der DV die Federführung innehat. Ihr Schwerpunkt lag auf Kommunikationsaufgaben. "Peripheral Access" beschäftigt sich mit einer verbesserten Mobilität in ländlichen Regionen Mitteleuropas.