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MAMBA bringt Dienstleistungen zu den Menschen und Menschen zu den Dienstleistern

Interview mit Doris Scheer, Europareferentin des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein

Landbus (© Marco Barnebeck, Telemarco, pixelio.de)

Mobilität ist Voraussetzung für die Erfüllung zahlreicher sozialer Bedürfnisse. Sie bringt Menschen zusammen und erleichtert gesellschaftliche Teilhabe. Demografischer Wandel, Abwanderung und begrenzte öffentliche Finanzen in den ländlichen Regionen des Ostseeraumes gefährden jedoch zunehmend die Erreichbarkeit von Waren und Dienstleistungen, wie Pflegediensten oder Kinderbetreuung. Doris Scheer vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein erklärt im Interview, wie das Interreg-Projekt MAMBA („Maximized Mobility and Accessibility of Services in Regions Affected by Demographic Change“) mit neuen Mobilitätskonzepten und einer effizienteren Koordination bestehender Mobilitätsstrukturen mehr Dienstleistungen zu den Menschen bringen will - und mehr Menschen zu den Dienstleistern.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

In unserem Projekt haben sich fünfzehn Partner im Ostseeraum zusammengeschlossen, um in ländlichen Regionen innovative Mobilitätsmodelle, wie z. B. digitale Apps zur Selbstorganisation, zu entwickeln und zu testen. Parallel zu der Erprobung neuer Mobilitätsmodelle arbeiten wir gemeinsam mit den Bewohnern und örtlichen Akteuren aus Wirtschaft, Transportunternehmen und Kommunen daran, die bestehenden Mobilitätsangebote vor Ort besser aufeinander abzustimmen. Ziel ist es, durch zentralisierte, öffentliche Maßnahmen, wie etwa Carhsaring, Bündelung unterschiedlicher Verkehrsdienste oder durch einen verbesserten Informationsservice die Mobilität zu verbessern. Damit wollen wir Entwicklungsimpulse in ländliche bzw. periphere Regionen tragen und die Regionen als lebenswerte Orte erhalten.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Als Mitarbeiterin eines Spitzenverbandes der freien Wohlfahrtspflege ist mir insbesondere die Frage wichtig, welche Innovationspotenziale in den Mobilitätsstrukturen ländlicher Räume stecken und welche speziellen Mobilitätsmodelle wir denken und erproben können. Mehrere Faktoren sind für mich dabei wegweisend: die Modelle und Konzepte müssen die Beteiligung der Menschen initiieren und Akzeptanz generieren. Außerdem müssen sie nutzerorientiert und nachhaltig sein.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

Als Diakonisches Werk Schleswig-Holstein bieten wir verschiedene soziale Dienste für unterschiedliche Personengruppen an. Wir betreiben zum Beispiel Kitas und Beratungsstellen für Geflüchtete. In der ambulanten Pflege helfen wir pflegebedürftigen und älteren Menschen unter anderem auch bei alltäglichen Erledigungen, wie Einkäufen oder Arztbesuchen. MAMBA erlaubt es uns, in Pilotprojekten bedarfsgerechte und flexible Mobilitätskonzepte zu erarbeiten, die auf die konkreten Bedarfe diakonischer Arbeitsfelder abzielen - insbesondere die der sozialen Dienstleistungsangebote in den ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Demographischer Wandel, Abwanderungsbewegungen in größere Städte, Fachkräftemangel, schwindende öffentliche und private Investitionen sind keine rein deutschen Probleme. Sie betreffen zahlreiche ländliche Regionen im Ostseeraum und darüber hinaus. Projekte wie MAMBA geben uns die Chance, fach- und sektorübergreifendes Wissen und Kompetenzen zusammenzubringen und voneinander zu lernen. Auf diese Weise werden innovative und übertragbare Problemlösungen auf dem Gebiet der Mobilität erarbeitet. Mobilitätsfragen sind nicht neu. Die Art und Weise, in der wir uns diesen Fragen nähern, aber schon: Wir arbeiten transnational, interdisziplinär, komparativ, netzwerkbasiert und vor allem nutzerorientiert.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt MAMBA gelingt, werden in zehn Jahren….

… MAMBA Mobilitätsmodelle zum Mobilitätsalltag in ländlichen Regionen gehören. Diese werden den Weg für innovative Impulse und Investitionen in anderen Bereichen, wie Wirtschaft, Umwelt oder Gesellschaft, geebnet haben.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Um das persönliche Kennenlernen zu erleichtern, haben wir unsere Projektpartner gebeten, zu unserem ersten transnationalen Arbeitstreffen ein Objekt mit zu bringen, dass spezifisch für ihre Region ist. Das Ziel war es, den Kontext unserer Partner kennenzulernen, in dem sie arbeiten und leben. Mitgebracht wurden Bonbons, Kuchen, Brot, Käse, Wurst – sogar Kanalwasser, ein in Mittelholstein hergestellter Kräuterschnaps, fand sich im Angebot. Wir haben also ein Auge für die Grundbedürfnisse der Menschen. Dazu zählt auch Mobilität. Daher bin ich mir sicher: wir werden uns wunderbar ergänzen!

Weitere Informationen: MAMBA

Doris Scheer ist Europareferentin des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein, dem Lead Partner des MAMBA-Projektes.