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Peripheral Access: Besserer öffentlicher Verkehr in ländlichen Räumen

Interview mit Projektkoordinator Paul Vieweg

Intermodaler Haltepunkt der Vogtlandbahn (© www.marcografie.de)

Im Fokus des Interreg-Projekts Peripheral Access steht die Verbesserung der Mobilität in ländlichen Räumen, im Hinterland von Ballungsräumen und in Grenzregionen. Aufgrund des demographischen Wandels, knapper öffentlicher Kassen und einer unzureichenden Zusammenarbeit relevanter Institutionen, ist es in vielen dünn besiedelten Gebieten Europas noch immer besonders schwer, umweltfreundlich und ohne eigenes Auto mobil zu sein. Peripheral Access will mit neuen Mobilitätsstrategien, etwa dem Einsatz von Bussen, die auch Fahrräder befördern können, mehr Menschen davon überzeugen, das Auto stehen zu lassen und auf Bus, Bahn und Fahrrad umzusteigen. Paul Vieweg vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung erklärt im Interview wie der Wechsel vom Auto zum öffentlichen Nahverkehr für die Bewohner ländlicher Räume attraktiver gestaltet werden kann.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

Mit Peripheral Access fördern wir nachhaltige Mobilität in ländlichen Räumen und in Grenzregionen durch konkrete Maßnahmen im Bereich öffentlicher Nahverkehr. In Lubin in Polen entsteht beispielsweise ein intermodaler Bahnhof, an dem Menschen zwischen Auto, Bus, Bahn und Fahrrad bequem und effizient wechseln können. In der Grenzregion zwischen Italien und Slowenien werden intelligente Mobilitäts- und Fahrpreissysteme getestet, die den Menschen die Reiseinformationsbeschaffung und den Ticketkauf, durch etwa Onlineplattformen, erleichtern sollen. Und in der deutsch-tschechischen Grenzregion werden bilinguale Marketingkampagnen für grenzüberschreitende Zugverbindungen durchgeführt. Dadurch werden mehr Anwohner und Touristen beidseits der Grenzen erreicht und sie können sich leichter über Angebote und Verkehrsverbindungen informieren.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Während Großstädte innovative Mobilitätsformen, wie Car-Sharing, Fahrradverleihstationen oder Online-Ticketing bereits erfolgreich einsetzen, besteht in den ländlichen Gebieten Europas, die immerhin 93 % der Fläche ausmachen, auf verschiedenen Ebenen noch Handlungsbedarf. Peripheral Access bietet uns hier die Möglichkeit, die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Mobilität in gleich sieben unterschiedlichen mitteleuropäischen Ländern zu adressieren. Damit habe ich als Projektkoordinator auch die einmalige Gelegenheit, auf persönlicher und professioneller Ebene mit Kolleginnen und Kollegen in den Partnerorganisationen in Kontakt zu kommen, den es ohne das Projekt nicht gäbe.

Was bringt das Projekt für die Region Berlin?

Als Lead Partner mit Sitz in Berlin organisiert der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung die Vernetzung der Partner und den inhaltlichen Austausch der Akteure auf der fachlichen Ebene. Unsere Partnerinstitutionen sind Forschungsinstitute, Kommunen und Verkehrsverbünde. Sie bringen langjährige Erfahrungen und Kompetenzen auf dem Gebiet der Mobilitätsplanung in die Projektarbeit mit ein. Das ermöglicht uns, schneller und effizienter an innovativen Lösungen für die bestehenden Herausforderungen zu arbeiten. Viele der Themen, die im Projekt behandelt werden, sind auch für die Region Berlin-Brandenburg von Bedeutung. So gibt es auch in Berlin das Problem, dass der Wechsel zwischen unterschiedlichen Transportsystemen nicht immer reibungsfrei funktioniert und als Tourismusmetropole sowie durch die Nähe zu Polen sind bilinguale Marketingkampagnen interessant für die Region. Daher wird von den hier erarbeiteten Ergebnissen langfristig auch die Metropolregion Berlin-Brandenburg profitieren.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Die Partnerregionen von Peripheral Access sind in sieben Ländern Mitteleuropas verortet. Sie alle sind mit ähnlichen Mobilitätsproblemen konfrontiert. Durch die parallele Bearbeitung ähnlicher Probleme in unterschiedlichen Regionen können wiederkehrende Störungen besser identifiziert und durch den gegenseitigen Austausch- und Lernprozess schneller und effektiver behoben werden. Dadurch gibt uns Peripheral Access als europäisches Projekt gleichzeitig die Chance, die Regionen Mitteleuropas einander näher zu bringen.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt Peripheral Access gelingt, wird in zehn Jahren….

… der Personennahverkehr in sieben peripheren Regionen Europas effizienter und nutzerfreundlicher sein. Durch den gegenseitigen Lernprozess sind die teilnehmenden Regionen zu Vorreitern in der Optimierung der Mobilität in ländlichen Räumen, im Hinterland von Ballungsräumen und in Grenzregionen geworden.

Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Ich finde es bemerkenswert, dass sich bereits beim Kick-off Meeting zwischen mehreren Projektpartnern bilaterale Absprachen ergeben haben. So wurden konkrete Vereinbarungen getroffen, über die Projektarbeit hinaus, gemeinsame transnationale Kooperationen durchzuführen. Das spricht nicht nur für die Aktualität und die zeitlich gut abgestimmte Bearbeitung ähnlicher Problemlagen in mehreren Regionen Mitteleuropas, sondern auch für die Qualität und den Enthusiasmus des Projektkonsortiums.

Weitere Informationen: Peripheral Access

Paul Vieweg ist Projektmitarbeiter beim Leadpartner von Peripheral Access, dem Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung in Berlin. Im Projekt übernimmt er Koordinationsaufgaben und das Finanzmanagement.