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Die neue Interreg-Periode: Vereinfachungen und Verbesserungen

Was sich auf bürokratischer Ebene getan hat

Wer die letzten Jahre Interreg-Projekte zu leiten und Berichte zu erstellen hatte, hat sich oft über bürokratische Hürden geärgert. Ich auch. Wir haben sehnsüchtig auf Erleichterungen gewartet – und tatsächlich einige bekommen. Es steht mir nicht zu, sie abschließend aufzulisten, sie im Detail zu beschreiben oder gar zu bewerten. Aber über die folgenden habe ich mich gefreut.

Das Antragsverfahren

Die Attraktivität der transnationalen Interreg-Programme ist stetig gestiegen. Das ist erfreulich, hat aber die Zahl der Anträge stark erhöht – und damit auch die Zahl der nicht bewilligten. Um den Aufwand der Antragsteller zu verringern, wurde nach der erfolgreichen Erprobung im Alpenraumprogramm in fast allen Programmen ein zweistufiges Antragsverfahren eingeführt, zumindest in der ersten Antragsrunde. Dabei werden zunächst eine vergleichsweise schlanke Interessensbekundung oder ein Projektkonzept vorgelegt. Das Konsortium wird erst zur Ausarbeitung eines kompletten Antrags eingeladen, wenn die Erfüllung von programm- und aufrufspezifischen Kriterien für Transnationalität, thematische Relevanz, beabsichtigte Partnerschaft aus der Interessensbekundung deutlich hervorgeht. Natürlich ist man weiterhin traurig, wenn eine gute Projektidee nicht für die Förderung ausgewählt wird, aber man hat sich dann wenigstens ein paar umsonst gearbeitete Wochen erspart.

Ob eine weitere Neuerung eine Vereinfachung darstellt, hängt wohl von der EDV-Affinität der Bearbeiter und Bearbeiterinnen ab; alle Interessensbekundungen und Vollanträge können nun jedenfalls erstmals online eingereicht werden.

Die Vorlaufförderung

Deutsche Partner können unter bestimmten Voraussetzungen wie schon bisher vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen des Bundesprogramms Transnationale Zusammenarbeit finanziell bei der Antragstellung unterstützt werden. Sie müssen dazu an Themen von besonderem Bundesinteresse arbeiten, die einen aktiven Beitrag zur Raumentwicklung leisten. Diese sogenannte Vorlaufförderung hilft bei der Vorbereitung eines Interreg-B-Antrages für eines der sechs Interreg-B-Programme mit deutscher Beteiligung. Förderfähig sind dabei Aktivitäten zur Partnersuche, zum Organisations-, Planungs- und Abstimmungsprozess sowie zur Erstellung des Projektantrags. Die Vorlaufförderung richtet sich vorrangig an deutsche Organisationen, die beabsichtigen, in der Funktion als Lead Partner in einem Interreg-B-Projekt tätig zu werden. Der Maximalbetrag für eine Förderung der Antragstellung beträgt 25.000 Euro – unabhängig vom Erfolg des Antrags.

Einige Bundesländer haben mit Beginn der neuen Förderperiode das Bundesprogramm ergänzt und können nun im Rahmen eigener Programme die Erstellung eines Interreg-Antrags finanziell unterstützen. Bayerische Partner können beispielsweise für den Aufwand zur Vorbereitung von Projekten in den Programmen der transnationalen Zusammenarbeit eine Förderung von 65 bis 90 Prozent aus dem Programm StartTransnational! erhalten. Auch Partner aus Sachsen-Anhalt und aus Schleswig-Holstein können von einer speziellen Landesförderung profitieren.

Die Kofinanzierung

Die maximalen Förderraten wurden in einigen Kooperationsräumen angehoben, etwa im Alpenraumprogramm auf 85 Prozent und im Mitteleuropa-Programm auf 80 Prozent. Auch im neuen Donauraumprogramm gibt es eine Kofinanzierungsrate von 85 Prozent. In einigen Programmen können nun nicht mehr nur die reinen Personalkosten sondern auch pauschalierte Gemeinkosten gefördert werden.

Im Ostseeraum können erstmals private, gewinnorientierte Antragsteller überhaupt als vollwertige Partner teilnehmen und Fördermittel erhalten. Neu im Alpenraumprogramm ist für private Antragsteller der Wegfall der Verpflichtung zum Nachweis einer Kofinanzierung der EU-Mittel durch eine öffentliche Einrichtung. Zwar werden sich gerade KMU auch weiterhin um eine Kofinanzierung bemühen (müssen), aber der Nachweis einer solchen bereits vor Abgabe des Förderantrags war bisher oftmals eine große Hürde.

Vereinfachte Nachweise

Selbstverständlich müssen wie bei jedem Förderprogramm die entstandenen Kosten nachgewiesen werden. In der neuen Periode gibt es allerdings eine Reihe von Pauschalen und vereinfachten Kalkulationsmethoden, die die Arbeit des Projektmanagements erleichtern. Speziell private Unternehmen können nun die bei Ihnen vorhandenen Systeme zur Erfassung der Personaleinsatzzeiten nutzen, auch wenn sie zum Beispiel keine Erfassung von Anfang und Ende einzelner Tätigkeiten ermöglichen.

Die Abrechnungsperioden

Inzwischen sind alle Programme dazu übergegangen, Abrechnungsperioden nicht über die Jahresgrenzen hinweg zu definieren, was regelmäßig zu Diskrepanzen bei betrieblich üblichen Abrechnungen zum 31. Dezember führte. Einige Programme sind dazu übergegangen, nur noch halbjährliche Finanzberichte, nicht mehr aber detaillierte Fortschrittsberichte zu fordern; letztere sind in der Regel nur noch jährlich einzureichen.

Mein Fazit

Ein Interreg-Projekt zu beantragen und es erfolgreich zu managen, erfordert nach wie vor viel Erfahrung. Aber als langjähriger Projektleiter freue ich mich über die Neuerungen. Sie werden hoffentlich auch weitere Institutionen, die wegen der bürokratischen Hürden bisher gezögert haben, zur Antragstellung ermuntern.

Ludwig Karg ist Geschäftsführer von B.A.U.M. Consult München / Berlin und hat mit seinem Team zahlreiche Interreg- und andere internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte entwickelt und geleitet. Zudem ist er Chairman von INEM, dem International Network for Environmental Management. Zusammen mit LoeschHundLiepold Kommunikation GmbH unterstützt B.A.U.M. Consult zur Zeit das BBSR bei der Öffentlichkeitsarbeit zur transnationalen Zusammenarbeit.