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Die Ostsee zu Gast in Warschau

Rückblick auf die Ostseeraumkonferenz

Gastgeberstadt Warschau bei Nacht (© Jens Kurnol)

Es war mir fast ein wenig feierlich zumute, dass der große Tag nun endlich gekommen war, an dem wir das neue Ostseeprogramm der breiten Öffentlichkeit vorstellen durften. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren mehrere hundert Sitzungsstunden in verschiedenen Ländern des Ostseeraumes verbracht habe, um an diesem Programm mitzuarbeiten, Förderinhalte und Bedingungen zu definieren und Kompromisse mit den anderen am Programm beteiligten Mitgliedsstaaten zu finden, ist das schon ein schönes Gefühl, wenn das Werk nun vollendet ist und in die Hände der Projektakteure gelegt werden kann. Jetzt sind endlich die Projektakteure am Zug!

Es war mir fast ein wenig feierlich zumute, dass der große Tag nun endlich gekommen war, an dem wir das neue Ostseeprogramm der breiten Öffentlichkeit vorstellen durften. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren mehrere hundert Sitzungsstunden in verschiedenen Ländern des Ostseeraumes verbracht habe, um an diesem Programm mitzuarbeiten, Förderinhalte und Bedingungen zu definieren und Kompromisse mit den anderen am Programm beteiligten Mitgliedsstaaten zu finden, ist das schon ein schönes Gefühl, wenn das Werk nun vollendet ist und in die Hände der Projektakteure gelegt werden kann. Jetzt sind endlich die Projektakteure am Zug!

Und sie waren auch in großer Anzahl in Warschau anwesend. Ungefähr 550 Teilnehmer aus allen Ostseeländern waren in den Räumlichkeiten des Museums der Geschichte der polnischen Juden (seit 2007 im Bau, im Herbst 2014 eröffnet) am Mittwochvormittag zusammengekommen, um die neuesten Neuigkeiten zum Programm zu erfahren und um Netzwerke und Konsortien zu bilden. Allein die Architektur des Gebäudes war sehr beeindruckend, mit viel Licht und Holz von finnischen Architekten erbaut. Das Thema der Dauerausstellung „Die Geschichte der polnischen Juden vom Mittelalter bis heute“ und auch das geschichtsträchtige Ehrenmal der Helden des Warschauer Ghettos, an dem Willy Brandt 1970 seinen berühmten Kniefall machte, direkt vor der Tür, bewegte mich und viele Teilnehmer sehr. Ein besonderer Ort für eine solche Konferenz.

Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse

Nach den Grußworten startete die Konferenz in den inhaltlichen Teil, in dem die Projekte der zu Ende gehenden Förderperiode zu Wort kamen. Abwechslungsreich und unterhaltsam stellten sie ihre Ergebnisse und Erfahrungen dar – ein guter Start! Am Nachmittag wurde sich auf einem Podium über Entstehung, Ziele und Veränderungsprozesse des INTERREG Ostseeprogramms ausgetauscht. Denn davon hat es hier so Einige gegeben. Die größte Veränderung, so meine Kollegin Kadri Jushkin aus Estland, war die Hinzunahme des Themas „Innovation“ zu Beginn der letzten Förderperiode 2007. Das hat der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit (ETZ) im Allgemeinen und dem Ostseeraum im Besonderen ein neues Gesicht gegeben. Mit dem neuen Programm, so waren sich alle Podiumsteilnehmer einig, wollen wir einen großen Schritt weiter gehen: wir wollen nicht Innovation in der Breite, sondern fokussiert (smart specialisation). Gleichwohl wollen wir nicht nur Technologie, sondern auch soziale Innovation, die als der „Kitt“ in unseren Industriegesellschaften fungieren kann. Und natürlich wollen wir die Unis und Hochschulen noch stärker mit der Wirtschaft verbinden und das im gesamten Ostseeraum. Es wurde klar herausgestellt: der Ostseeraum soll als Wachstums- und Wissensregion noch sichtbarer werden!

Aber auch in den anderen Themenbereichen, z.B. in der Umweltpriorität hat sich im Laufe der Förderperiode 2007 bis 2013 viel getan, so die Podiumsteilnehmer. Die verschmutzte Ostsee als unser aller „Sorgenkind“ bleibt natürlich weiterhin im Zentrum unserer Bemühungen. Aber auf einem anderen Niveau der Kooperation! Wir wollen hier gerne auch innovative Projekte sehen, wir wollen Umweltprojekte mal anders gedacht. Wir haben z.B. das Meer als wirtschaftliche Ressource als eigenes spezifisches Ziel besonders herausgehoben. Dieses Thema kam auf dem Podium auch besonders zur Geltung.

Und auf dem Gebiet des Transports sprachen wir vor allem über dünn besiedelte Gebiete, von denen es im Ostseeraum viele gibt, und deren Probleme, sowohl infrastrukturell als auch demographisch nicht auf der Strecke zu bleiben. Diese Gebiete gilt es weiter mit den Knotenpunkten Nord- und Mitteleuropas zu vernetzen. Auch hier spielt das Meer eine zentrale Rolle: Gegen mögliche Risiken und für eine saubere Schifffahrt muss immer noch mehr getan werden. Das Thema „Nachhaltiger Stadtverkehr und verbesserte urbane Mobilität“ ist neu im Programm – hier sind wir sehr gespannt, welche Ideen die Projektakteure mitbringen. Insgesamt ein motivierender Ausblick auf die nächsten Jahre!

Strategie trifft Programm

Nicht unerwähnt blieb natürlich auch die EU-Ostseestrategie, die unserem Programm einen strategischen Rahmen bietet und die während der Programmaufstellung für viele Diskussionen gesorgt hat. Ich persönlich fand es schön zu sehen, wie sich hier die Akteure der Strategie und des Programms mischten, sich austauschten und gemeinsam an Projekten arbeiteten. Dann kam der Abendempfang begleitet von Klezmer-Musik und vielen interessanten Gesprächen. In den verschiedenen Räumlichkeiten, die vom Klang der Klezmer-Klarinette erfüllt wurden, traf ich alte und neue Bekannte.

Der zweite Konferenztag ist der Tag der geballten Information: In wechselnden Rollen traten nahezu alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Programmsekretariats auf und stellten das Programm in allen Details vor. Eine gelungene „Choreographie“ – denn so konnten die Projektakteure sich auch die Gesichter derjenigen einprägen, die sie später mit Fragen löchern wollten. Die „Thematic corners“ konnten in den großen Networking-Pausen genutzt werden, um Partner zu suchen, Fragen zu stellen und sich in bestehende Konsortien einzuklinken. Viele Projektakteure erzählten mir, dass dies eine sehr gelungene Idee war!

Der Ostsee-„spirit“ erwacht auf dieser Kick-Off Konferenz nach knapp zwei Jahren Programmaufstellung ohne Projektmittel wirklich zu neuem Leben. Mit der ersten Ausschreibungsrunde, die vom 2. Dezember 2014 bis 2. Februar 2015 läuft, werden wir sehen, ob wir mit unserem Programm den „Nerv“ der Ostsee-Zusammenarbeit getroffen haben und ob, wie wir hoffen, gleich zu Beginn viele richtig gute Projektanträge dabei sein werden.

Dr. Leena-Kaarina Williams ist Mitarbeiterin im Referat Ostsee- und Nordseeangelegenheiten des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa. Im Rahmen von INTERREG betreut sie die Koordinierung des Ostseeraumprogramms.