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Zusammen bringen, was zusammen gehört

Ein Rückblick auf die Jahreskonferenz Mitteleuropa in Wien

Gerade in Zeiten der Krise sind Zusammenhalt und länderübergreifende Kooperation wichtiger denn je. Nun also stand Wien während der Jahreskonferenz am 1. und 2. Juli 2014 im Zeichen der transnationalen Zusammenarbeit in Mitteleuropa in den kommenden Jahren. Das Programm war abwechslungsreich, die Podiumsdiskussion äußerst spannend und die Themenvielfalt in den Workshops groß. Kurzum: Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung für die neue Förderperiode.

Am ersten Konferenztag blickten wir auf die vergangene Förderperiode und damit auf insgesamt 124 geförderte Projekte zurück: Was lief gut, was eher weniger? Wo gibt es Potenziale, und wie können diese zukünftig besser ausgeschöpft werden? Für mich war es interessant zu sehen, was passiert, wenn über 700 Projektakteure aus ganz Mitteleuropa zusammen kommen, um Themen, Anforderungen und Erfolgskriterien der bevorstehenden Förderperiode im Kooperationsraum zu diskutieren. Teilnehmer aller neun Mitgliedsstaaten – neben dem Gastgeberland Österreich sind das Deutschland, Italien, Kroatien, Polen, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn – beteiligten sich an diesem Austausch, der äußerst gewinnbringend und fruchtbar war. Deutlich wurden aber auch die unterschiedlichen Sichtweisen und Auffassungen der einzelnen Mitgliedsstaaten von „Central Europe“. Professor Jacques Rupnik von der Science Pro University Paris hat dies in seinem Vortrag sehr schön herausgearbeitet. Sein Resümee: Wir alle haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was Mitteleuropa bedeuten kann. Wir sind uns aber einig, dass wir nur gemeinsam das große Ziel, die Umsetzung der EU-Strategie 2020, erreichen können.

Besonders großes Interesse gab es an der anschließenden Podiumsdiskussion. Dort standen neben Normunds Popens, Stellvertretender Generaldirektor der DG Regio, und Teresa Marcinow vom Ministerium für regionale Entwicklung in Polen auch Christian Helmenstein von Business Europe und Martin Pospischill, Leiter Abteilung für Europäische Angelegenheiten der Stadt Wien, Rede und Antwort. Insbesondere ging es um die Frage, wie wir eine gemeinsame und vor allem positive Identifikation in Mitteleuropa herstellen können. Die bereits erwähnten kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Unterschiede der einzelnen Länder sind dabei eher ein Vorteil, denn sie ermöglichen ganze neue Herangehensweisen und Perspektiven auf die zu bewältigenden Themen – gerade auf regionaler und lokaler Ebene. Diskutiert wurde vor allem die Rolle der Städte und Regionen und die der kleinen und mittleren Unternehmen in dieser Entwicklung. Die Herausforderung besteht jetzt darin, für die künftigen Projekte die Antrags- und Umsetzungsprozesse zu erleichtern und administrative Hindernisse abzubauen, denn nur so lässt sich eine stärkere Einbindung insbesondere neuer Akteure erreichen.

Tag zwei der Konferenz stand ganz im Zeichen der neuen Förderperiode. Für den Raum Mitteleuropa werden drei zentrale Aspekte im Vordergrund stehen: Ergebnisorientierung, administrative Vereinfachung und bessere Sichtbarkeit der durchgeführten Maßnahmen. Mit der neuen thematischen Ausrichtung und den angestrebten Verbesserungen wird das Programm als transnationales Instrument zur Lösung gemeinsamer Aufgaben jetzt noch attraktiver. Es gab zwar noch einigen inhaltlichen Klärungsbedarf, aber ich bin zuversichtlich, dass auch hier die Projektakteure zusammen viel erreichen werden. Ein starkes Netzwerk, das die Ziele und Visionen unterstützt, haben wir jedenfalls definitiv!

Dr. Bernd Diehl arbeitet am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. in Dresden. Dort verantwortet er den Programmraum Mitteleuropa und ist Hauptansprechpartner des Nationalen Contact Points Deutschland.