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GO MONO: Governance für eine Mobilitätsoffensive im Nordraum Leipzig und Nordsachsen

Interview mit Robert Schillke vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund über das Andockprojekt „GO MONO“

Luftaufnahme Nordostraum Leipzig (Foto: Punctum Fotografie, © LOW-CARB, LVB, MDV, Stadt Leipzig)

Das Interreg-Projekt LOW-CARB hatte unter anderem zum Ziel, integrierte Verkehrskonzepte zur Senkung von CO2-Emissionen in Zusammenarbeit mit transnationalen Partnern aus Mitteleuropa zu entwickeln. Im Rahmen des Projekts haben die Leipziger Projektpartner Stadt Leipzig, Leipziger Verkehrsbetriebe und der Mitteldeutsche Verkehrsverbund einen Masterplan zur nachhaltigen verkehrlichen Entwicklung eines der größten Gewerbegebiete in Mitteldeutschland erstellt, den es nun gilt in die Umsetzung zu bringen. Robert Schillke vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund berichtet im Interview über das aus dem Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit geförderte Andockprojekt „GO MONO“.

Worum geht es im Projekt „GO MONO“?

Ziel des Projekts GO MONO (Laufzeit 12/2020 bis 08/2021) ist es, die Umsetzung des Masterplans „Mobilität für den Nordraum Leipzig“ einzuleiten. Hierfür werden aktuell die notwendigen Arbeitsstrukturen aufgebaut, Fördermittel zur Finanzierung eingeworben und insbesondere die weitere Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Nordraum Leipzig verstetigt und gefestigt. Im Ergebnis soll nach Ende des Projekts gemeinsam mit der Stadt Leipzig, Umlandkommunen, Landkreisen, Verkehrsunternehmen sowie Unternehmen vor Ort die Umsetzung konkret begonnen werden.

Was war der Hintergrund für das Andockprojekt „GO MONO“ zum Interreg-Projekt „LOW-CARB“?

Der Nordraum Leipzig ist mit Schwerpunkten in der Automobil-/Logistikindustrie (u.a. Porsche, BMW, DHL) einer der stärksten Wachstumskerne in Mitteldeutschland. Zu den aktuell 30.000 und bis 2030 möglichen 60.000 Arbeitsplätzen pendeln Arbeitnehmer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Dies geschieht noch zu häufig mit dem Auto: Etwa 80 % der aktuellen Pendler nutzen das Auto für den Weg zur Arbeit. Mit dem im Projekt LOW-CARB entwickelten Masterplan wurden ca. 86 Maßnahmen zur Stärkung des Umweltverbundes (ÖPNV, Fuß- und Radverkehr) entwickelt. Der Wunsch aller Partner am Ende des Projekts war es, die Realisierung der Maßnahmen direkt anzugehen und insbesondere die Unternehmen sowie auch die weiteren Akteure aus der Region weiterhin stark in die Umsetzung einzubeziehen. Mit dem Andockprojekt „GO MONO“ sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Was bringt das Projekt für die Region?

Wenn es gelingt, den Masterplan Mobilität für den Nordraum Leipzig umzusetzen, wird hier aktiv die Verkehrswende zu einer umweltfreundlichen Mobilität in der Region vorangetrieben. Zudem zeigt sich zunehmend, dass Mobilität ein wesentlicher Faktor zur Sicherung und Gewinnung von Fachkräften der Unternehmen ist. Mobilität von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird mit dem baldigen Strukturwandel durch den Kohleausstieg und den damit einhergehenden Umstrukturierungen bzw. dem Wegfall von Arbeitsplätzen noch an Bedeutung gewinnen. Der Nordraum Leipzig kann hier als Wachstumsmotor mit hohem Arbeitskräftebedarf insbesondere in den Bereichen Produktion und Logistik die Folgen des Strukturwandels mildern und sichere Arbeitsplätze schaffen. Grundlage hierfür ist eine gute Mobilität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (insbesondere aus den ländlichen Regionen), welche ein wesentlicher Baustein bei der Umsetzung des Masterplans Mobilität Nordraum ist. Neben dem Aufbau der Strukturen sowie der Begleitung von Unternehmen im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements, wurde sich intensiv um die Einwerbung von Fördermitteln zur Umsetzung gekümmert. Hierzu wurde ein Projekt im Rahmen der Modellvorhaben im ÖPNV mit einem Fördervolumen von 30 Mio. Euro beantragt.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Persönlich ist mir vor allem die Vernetzung der verschiedenen Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Verkehrsunternehmen wichtig. Das Zusammenbringen der verschiedenen Interessen unter dem gemeinsamen Ziel eines umweltfreundlichen Verkehrs, insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unternehmen, ist eine spannende und motivierende Aufgabe.

Was ist Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projekts?

Ein Erlebnis lässt sich hier nur schwer festmachen. Insgesamt positiv überrascht bin ich von dem hohen Engagement der Unternehmen und auch Kommunen und Landkreise, die das Thema Mobilitätswende, trotz der alltäglichen neuen Herausforderung der Corona-Pandemie, gemeinsam in der Region voranbringen. So konnten auch schon erste Maßnahmen aus dem Masterplan wie beispielsweise ÖPNV-Angebote und Marketingaktionen in die Umsetzung gebracht werden.

Weitere Informationen:

Projekt LOW-CARB (Mitteldeutschen Verkehrsverbund MDV) : LOW-CARB
Projekt-Website (Central Europe Programme 2014 – 2020): LOW-CARB

Robert Schillke arbeitet seit 2018 als Verkehrsplaner beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) und ist Projektleiter des Projekts „GO MONO“.