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Projektergebnisse VirtualArch: Kulturerbe in Sachsen interaktiv und virtuell erleben

Interview mit Dr. Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie Sachsen

Virtuell Silbererz abbauen – eine VR-Medienstation im MiBERZ macht es möglich (© MiBERZ, Sylvio Dittrich)

Das Interreg-Projekt "VirtualArch - Visualize to Valorize" zielt darauf ab, verborgenes Kulturerbe für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen und es virtuell zu vermitteln. Mit Hilfe neuester Informations- und Kommunikationstechniken soll das archäologische Vermächtnis für Denkmalschutz und Tourismus sichtbar und vor allem auch nutzbar gemacht werden. Anlässlich des Projektendes im Sommer 2020 berichtet Projektleiterin Dr. Christiane Hemker gemeinsam mit Projektkoordinator Dr. Christoph Lobinger im Interview über die wichtigsten Projektergebnisse.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Projektes für Sachsen?

Im Rahmen des VirtualArch-Projektes konnten mehrere digitale Module für die hochmittelalterlichen Bergwerke von Dippoldiswalde, seit 2019 Bestandteil des UNESCO-Welterbes "Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří", entwickelt und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bereits im November 2019 wurde im Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge (kurz MiBERZ) eine interaktive Virtual Reality-Medienstation eröffnet, die seitdem von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sehr rege genutzt wird.

Im Mai 2020 konnten für den "Outdoor-Bereich" der historischen Altstadt von Dippoldiswalde, entlang eines bestehenden Bergbaulehrpfades, zwei weitere interaktive Module (für Android-Mobilgeräte) freigeschaltet werden. Mit ihnen kann die beeindruckende Bergbauwelt auf eigene Faust digital erkundet werden: Das erste Modul, die Mobil-App Montanarchäologie in Dippoldiswalde, führt Besucher virtuell durch die Welt des mittelalterlichen Bergbaus und bietet ihnen an verschiedenen mit dem Bergbaulehrpfad verbundenen Stationen digitale Informationen, Videos und Animationen.

Da die archäologisch erforschten Bergwerke aus Sicherheitsgründen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, sind neue Technologien wie "Augmented Reality" ein smarter Ersatz. Das zweite Modul ist daher die interaktive App Medieval MinesAR . Damit können Benutzer an zwei Lehrpfad-Stationen das unterirdische Labyrinth der Bergwerke unter der Stadt in 3D anschauen, einen virtuellen Spaziergang durch ein Bergwerk unternehmen und sogar den Bergleuten bei ihrer Arbeit begegnen. Beide Apps wurden mit Bürgern im Rahmen von öffentlichen Führungen getestet und fanden begeisterten Anklang.

Wie geht es nach Projektabschluss weiter und wie können die Ergebnisse weiterhin genutzt werden?

Mit der Stadt Dippoldiswalde und dem MiBERZ wurde vereinbart, die digitalen Produkte fest in die Vermarktung ihres UNESCO-Welterbes zu verankern. Auch werden die Betreuung und Pflege der einzelnen Stationen und Module übernommen. Eventuelle Erweiterungen der Applikationen sind ohne weiteres möglich, so dass stets auf aktuelle Informationen zu neuen Funden und laufenden Forschungen der montanarchäologischen Relikte reagiert werden kann. Darüber hinaus bestehen Überlegungen und Projektkonzeptionen für die digitale Visualisierung und Präsentation von weiteren montanarchäologischen Bestandteilen des UNESCO-Welterbes "Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří".

Gerade die derzeitige Situation, mit der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Museumsschließungen, führt den Mehrwert unseres "virtuellen Ansatzes" vor Augen. Benutzer und Benutzerinnen können von zu Hause oder vor Ort bei einem Spaziergang an der frischen Luft Wissenswertes über den hochmittelalterlichen Bergbau in Dippoldiswalde als ältestem Welterbebestandteil erfahren und interaktiv kennenlernen.

Wie zahlte sich die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern aus?

Durch die internationale Zusammenarbeit erfuhren wir tiefreichende Einblicke in unterschiedliche Vorhaben, Ziele und Ansätze anderer archäologischer und denkmalpflegerischer Institutionen Europas. Für uns bedeutete dies zum einen die Erweiterung des eigenen Erfahrungshorizontes, zum anderen fühlten wir uns in unseren Projektzielen bestätigt, da die Partnereinrichtungen mit vergleichbaren Mitteln arbeiten, aber auch mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Einen guten Überblick hierzu liefert der von der Firma Best Sequence s.r.o. realisierte und vom Landesamt für Archäologie Sachsen konzipierte Projektfilm (YouTube).

Auf den Projekttreffen und Konferenzen bot sich für uns die Möglichkeit vom Know-how der Partner zu profitieren und sich über geplante Vorhaben auszutauschen und zu beraten, um diese ggf. nach zu justieren. Besonders mit dem tschechischen Partner, dem Archäologischen Institut Prag, entwickelte sich eine enge Kooperation, die in der Realisierung vieler gemeinsamer Visualisierungen mündete.

Was hat Ihnen persönlich an der Arbeit im Projekt gefallen?

Die zugleich sachorientierte, aber auch wunderbare Atmosphäre bei den Partnertreffen und natürlich die Exkursionen in die einzelnen Pilotregionen selbst. Auch die positive Resonanz der Besucher und Touristen im Rahmen von Präsentationen und Führungen mithilfe der digitalen Module haben uns sehr gefreut und uns in unserem Tun bestätigt. Sie waren die Highlights im sonst eher bürobezogenen und extrem "digital-lastigen" Arbeitsalltag!

Weitere Informationen:
Projekt-Website VitualArch: VirtualArch

Dr. Christiane Hemker ist als Referatsleiterin Südwest-Sachsen auch für den Fachbereich Montanarchäologie beim Landesamt für Archäologie Sachsen verantwortlich. Sie initiierte und leitete das Interreg Central Europe Projekt "VirtualArch - Visualize to Valorize".