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SubNodes: Die Anbindung des Hinterlands an das transeuropäische Schienennetz optimieren

Melanie Tulke vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft über die Ergebnisse des Interreg-Projekts

Mit PKW-, Fahrrad- und Busplätzen bietet das Umfeld des Bahnhofs Sömmerda Potenzial für einen Subknoten (Foto: Landratsamt Sömmerda)

In den vergangenen Jahrzehnten ist in ganz Mitteleuropa erheblich in das Schienennetz des transeuropäischen Verkehrs (TEN-V) investiert worden. Das Kernnetz für den Fernverkehr wurde ausgebaut und aufgewertet. Es entstanden wichtige Verkehrsknotenpunkte im Schienenverkehr. Die Nahverkehrsanbindung des Umlandes zu diesen Haupt-Verkehrsknotenpunkten, den sogenannten "main nodes", ist allerdings oft nicht ausreichend vorhanden. Das Interreg-Projekt SubNodes versucht daher, geeignete Klein- und Mittelstädte im Umland der Hauptknoten zu sekundären Knoten des öffentlichen Personennahverkehrs zu entwickeln – sogenannte "sub-nodes" – und den regionalen öffentlichen Personennahverkehr auf die Subknoten auszurichten. Das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, Lead Partner des Projektes, berichtet zum Projektabschluss im August 2020 über die wichtigsten Ergebnisse.

Interreg-Projekt SubNodes endet anders als gedacht

Zur Verbreitung der Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt war für Mitte Juli 2020 eine Abschlusskonferenz in Brüssel geplant. Wegen der mit COVID-19 verbundenen Sicherheitsmaßnahmen konnte diese Veranstaltung jedoch nicht vor Ort stattfinden. In Kooperation mit dem Interreg-Projekt TransBorders wurde deshalb am 26. Mai 2020 die "Online-Convention on regional mobility beyond TEN-T" ausgerichtet. Wir waren hocherfreut zu sehen, auf welche breite Resonanz dieses Format stieß.

Auf regionaler Ebene konnten einzelne Beteiligungsveranstaltungen, die im letzten Projekthalbjahr vorgesehen waren, nicht in den virtuellen Raum verlegt werden und mussten ausfallen. Zum einen, weil Projektpartner in Hochrisikogebieten wie der Lombardei ansässig waren. Zum anderen, weil Projektpartner keinen Zugang zu ihren Büroräumlichkeiten hatten. Da der Lockdown zu einem Zeitpunkt kam, an dem das Projekt inhaltlich schon sehr weit fortgeschritten war, litten die Ergebnisse nicht besonders stark darunter.

Herald Rujters in Video "Key Statements "Online-Convention on regional mobility beyond TEN-T" (Quelle: Youtube, Peripheral Access Interreg CE, Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V. )

Trotz Corona-Pandemie: viele Ergebnisse in den Projektregionen

In das Projekt SubNodes waren Vertreter aus sechs Regionen Mitteleuropas involviert, darunter regionale und lokale Verwaltungen, Verkehrsverbünde, regionale Entwicklungsgesellschaften und Wissenschaftseinrichtungen. Die wichtigsten Aktivitäten und Ergebnisse zusammengefasst:

Transnational: Eine gemeinsam erarbeitete Subknoten-Strategie zeigt auf, wie sich Subknoten in das hierarchische Verkehrssystem einordnen, welche Faktoren zur Identifizierung herangezogen werden und wie ein Bewertungsprozess ablaufen kann, um Möglichkeiten und Hindernisse der Optimierung der Hinterlandanbindung zu erkennen. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die politischen Vertreter der Partnerregionen im Jahr 2019 dazu, die Anpassung der regionalen ÖPNV-Netze und deren Bedienung unter Nutzung des Subknotenansatzes zu forcieren.

Freistaat Thüringen und Landkreis Sömmerda (DE): Ein extern beauftragter Thüringer Aktionsplan analysiert die konkrete Verknüpfungssituation von Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und Straßenpersonennahverkehr (StPNV) an insgesamt 13 Mittelzentren, die als potenzielle Subknoten identifiziert wurden. Auf dieser Basis leitet der Plan Qualitätsanforderungen für Subknoten in Thüringen ab und benennt übergeordnete sowie standortspezifische Handlungsfelder und Maßnahmen zur Optimierung der Verknüpfung.

Im konkreten Fall des Landkreises Sömmerda wurde das Ziel verfolgt, das Mittelzentrum Sömmerda als Subknoten zum TEN-V-Knoten Erfurt zu entwickeln. Hierfür erfolgte eine Untersuchung des Potenzials, der Machbarkeit sowie der erforderlichen Maßnahmen für die Umsetzung eines Integralen Taktfahrplans (ITF) im Landkreis.

Region Lombardei (IT): Im Projekt wurde vor allem die bessere regionale ÖPNV-Anbindung der drei größten und wichtigsten Flughäfen in den Blick genommen: Malpensa, Linate und Bergamo. Die bessere Anbindung soll erreicht werden, indem die urbanen Agglomerationen Bergamo, Brescia, Como und Varese als Subknoten entwickelt werden – in welchen vor allem die Verknüpfung der öffentlichen Verkehrsträger gestärkt wird. Ein regionaler Aktionsplan benennt spezifische Maßnahmen hierfür.

Region Südmähren (CZ): Im Fokus der Projektarbeit standen die Städte Židlochovice und Hustopeče. Zu Beginn des Projektes begann die Reaktivierung und Elektrifizierung der Schienenverbindungen, um die Städte an den TEN-V Korridor und die Bezirkshauptstadt Brno anzubinden. Bevor die neuen Streckenabschnitte in Betrieb gehen konnten, stand die Fahrplangestaltung und die fahrplanerische Abstimmung zwischen Bus und Bahn aus. Um den effektivsten Fahrplan zu erarbeiten, wurden die Mobilitätsbedarfe der Einwohner in den Städten und deren Einzugsgebieten identifiziert – mit Fragebögen, Informationsveranstaltungen und Diskussionen.

Wojewodschaft Großpolen (PL): Basierend auf der Subknoten-Strategie wurde die Stadt Wągrowiec als Subknoten identifiziert. Die Stadt liegt rund 50 km nördlich von Poznań und ist Sitz des gleichnamigen Stadtkreises Wągrowiec. Für diesen wurde ein rechnergestütztes Betriebsleitsystem eingeführt, ein "Intermodal Transport Control System (ITCS)". Es ermöglicht ein effektiveres Planen und Managen des regionalen ÖPNVs und die Visualisierung der Fahrplandaten.

Selbstverwaltungsregion Bratislava (SK): Zwischen der Hauptstadtregion Bratislava und der angrenzen Region Trnava pendeln täglich zehntausende Menschen. Im SubNodes-Projekt wurde der Verkehrsverbund der Region Bratislava auf die Zugverbindung von Bratislava nach Trnava Stadt ausgeweitet. Dadurch wird den Pendlern auf dieser Strecke nun ein einheitlicher Tarif und ein einheitliches Ticketing angeboten – ein erster Schritt in Richtung Integration beider regionaler ÖPNV-Systeme.

In Slowenien betrachtete das SubNodes-Projekt zwei Teilregionen: den Zentralraum um die Hauptstadt Ljubljana und die Podravje-Region im Osten des Landes mit dem regionalen Zentrum Maribor. In den Teilregionen wurden zwei unterschiedliche Ansätze erprobt: neue Dienstleistungsangebote einführen und das digitale Informationsangebot ausweiten. So wurden ab April 2019 auf den Verbindungen zwischen Maribor und Ptuj Züge eingesetzt, die die Fahrradmitnahme ermöglichen. Und in Grosuplje nahe Ljubljana wurden digitale Infostelen mit Touch-Displays installiert. Sie bieten eine Fahrplanauskunft sowie eine integrierte Reiseauskunft für Busse und Bahnen.

SubNodes-Projekt beschert besondere Erlebnisse

Durch die Thüringer Brille betrachtet, ist von den vielen eindrücklichen Exkursionen der Einblick in das ÖPNV-System Südmährens sehr in Erinnerung geblieben. Die Gestaltung der Fahrpläne und Tarife von SPNV und StPNV durch eine regional zuständige Institution entfaltet sichtbar eine hohe Effektivität und Integration. Darüber hinaus war zu erleben, dass durch die Reaktivierung von Zugstrecken zumindest ein Teil der Autofahrerinnen und Autofahrer für den Umweltverbund gewonnen werden kann, auch wenn es im konkreten Fall nur fünf Prozent waren.

Ausblick: Regionale Projekte werden vorangetrieben

Nach Abschluss des SubNodes-Projekts werden alle Partner an der Verwirklichung ihrer regionalen Aktionspläne weiterarbeiten. Wegen der Versammlungsbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie konnte die förmliche Beschlussfassung dieser Pläne noch nicht in allen Regionen erfolgen. Sie wird sukzessive nachgeholt.

Auch ergänzende Förderungen ermöglichen es, die Projekte weiter voranzutreiben. So kann zum Beispiel der Landkreis Sömmerda mit Hilfe einer Anschlussförderung aus dem Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit (Andockprojekt "SÖM-InTakt") das Grobkonzept für den Integralen Taktfahrplan (ITF) konkretisieren und dessen Umsetzung vorbereiten.

Weitere Informationen zum Projekt:

Projektwebsite SubNodes

Melanie Tulke ist Referentin im Referat Raumordnung und Landesplanung des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft. Als Projektmanagerin des Lead Partners begleitete sie das Projekt federführend.