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RegEnergy: Stadt-Land-Partnerschaften für mehr grüne Energie in Nordwesteuropa

Interview mit Projektleiterin Svenja Enke vom Klima-Bündnis

Windräder (© Pixabay)

Die Energie in Nordwesteuropa kommt größtenteils immer noch aus endlichen Rohstoffen, auch der CO2-Ausstoß ist höher als anderswo. Das Interreg-Projekt RegEnergy (Renewable Energy Regions) will den Anteil an erneuerbaren Energien (EE) in der Region erhöhen. Gelingen soll das mit neuen Stadt-Land-Partnerschaften. Svenja Enke vom Klima-Bündnis beschreibt im Interview, wo das Projekt zur Halbzeit steht.

Worum geht es im Projekt RegEnergy?

Um den Ausbau an erneuerbaren Energien voranzutreiben und regionale Hindernisse zu überwinden, entwickelt RegEnergy optimierte institutionelle Regelungen für EE-Partnerschaftsvereinbarungen zwischen Städten und den umgebenden ländlichen Gebieten, stellt die notwendige Netz-Infrastruktur zwischen EE-Erzeugern und Verbrauchern bereit und erarbeitet technische Lösungen zur Anpassung und Steuerung regionaler EE-Produktion sowie Vorschläge zur Überwindung von Restriktionen durch rechtliche Rahmenbedingungen.

Warum ist RegEnergy wichtig für Nordwesteuropa?

Die Länder in Nordwesteuropa stehen vor großen Herausforderungen. Sie haben den höchsten Energieverbrauch in der EU und die Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energien ist hoch. Um das 2030-Ziel zu erneuerbaren Energien zu erreichen, müssen sie ihre Energiewirtschaft zu einem ausgewogenen regionalen Modell entwickeln, in dem das Angebot und die Nachfrage nach erneuerbaren Energien ausgeglichen sind. Städte als große Energieverbraucher ohne nennenswertes Produktionspotential für Erneuerbare Energien müssen Partnerschaften mit den umgebenden ländlichen Gebieten eingehen, um ihren Energiebedarf auch zukünftig zuverlässig decken zu können. Hierfür werden erprobte Blaupausen gebraucht, die einen Weg aufzeigen und den Rahmen einer Neugestaltung vorgeben können.

Wie zahlt sich die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern aus?

Auch wenn die Themen und Teil-Projekte in RegEnergy sehr weit gefächert sind, verfolgen doch alle Projektpartner das gleiche Ziel: Erneuerbare Energien fördern und Treibhausgasemissionen reduzieren. Die enge internationalen Zusammenarbeit ermöglicht es, die unterschiedlichsten Erfahrungen und Herangehensweisen aller Projektpartner zu nutzen und gemeinsam neue Lösungen und Ideen zu entwickeln. Es arbeiten neun Projektpartner aus sieben nordwesteuropäischen Ländern mit Forschungs- und Ingenieurorganisationen, regionalen Agenturen und EE-Produzenten zusammen, um übertragbare Modelle für alle Regionen in Nordwesteuropa (NWE) zu entwickeln.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Projektarbeit ausgewirkt?

Die Pandemie hat alle Projektpartner unvorbereitet getroffen. Trotzdem konnte das Konsortium (9 Projektpartner aus 7 Ländern) die Herausforderungen wie zum Beispiel Kontakt- und Reiserestriktionen durch Webmeetings meistern und das Projekt weiter voranbringen. Da zum Beispiel der geplante Beitrag zur EUSEW (EU-Woche für nachhaltige Energie) nicht stattfinden konnte, haben wir das virtuelle Format "RegEnergy Talks" entwickelt, in dem unsere Projektpartner ihre Erfahrungen weitergeben können. Dies hat uns ermöglicht, als virtuelles Side-Event dennoch an der EUSEW teilzunehmen. Bei einzelnen Infrastruktur-Investitionen verzeichnen wir leichte Verspätungen, die aber im weiteren Verlauf des Projektes problemlos aufgefangen werden können. Die für Herbst 2020 geplante Halbzeitkonferenz wurde nach Rücksprache mit allen Projektpartnern auf nächstes Jahr verschoben.

Wo steht RegEnergy aktuell zur Halbzeit des Projektes?

Trotz den Herausforderungen durch Corona wurden wichtige Ziele erreicht und bedeutende Hürden im Projekt genommen. So konnte zum Beispiel Plymouth City Council den Bau und den Anschluss der Solarfarm Creacombe an das öffentliche Stromnetzt in Großbritannien fertigstellen. Und das Waterford Institute of Technology installierte ein Smart-Metering-System, das wichtige Daten für die geplante Optimierungsplattform liefert. Alle Projektpartner arbeiten kontinuierlich daran, teilnehmende Regionen dabei zu unterstützen, verlässliche Stadt-Land Partnerschaften aufzubauen und Lösungen, die in RegEnergy entwickelt wurden, allgemein zugänglich zu machen. Flux50 organisierte zum Beispiel ein Meeting mit Vertretern des Flämischen Ministeriums für Energie und Umwelt. Der irische Projektpartner 3cea war Gastgeber eines Treffens von Callan Energy Town 2030 mit Vertreter*innen des EE-Sektors, Gemeindemitgliedern usw. Dabei ging es um den Umfang und die Entwicklung einer kommunalen Energiepartnerschaft und die Analyse von Angebots-Nachfrage-Modellen für die verstädterte Region.

Was ist Ihr bislang schönstes Erlebnis während des Projektes?

Es ist schön zu sehen, dass trotz oder vielleicht auch wegen Corona, alle Projektpartner ihre Bemühungen stringent weiterführen und gemeinsam neue Wege suchen, um das Projekt durch die Krise zu navigieren und schließlich erfolgreich abzuschließen.

Weitere Informationen:
Projekt-Website RegEnergy

Svenja Enke arbeitet bei Klima-Bündnis in Frankfurt und ist die Projektmanagerin von RegEnergy.