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DaRe to Connect: grenzüberschreitende Vernetzung ökologischer Schutzgebiete im Donauraum

Interview mit Projektleiter Martin Kuba vom BUND Naturschutz in Bayern e.V.

Wiesenenklave Kepelské Zhůří im SAC (Special area of Conservation) Böhmerwald (© NGO Amethyst)

Jahrzehntelang trennte der "Eiserne Vorhang" Europa in Ost und West und war für die Menschen in weiten Teilen eine unüberwindbare Barriere. Die Natur hingegen profitierte davon und heute verläuft hier das "Grüne Band Europa" als Korridor von Lebensräumen mit außergewöhnlicher Artenvielfalt und herausragendem Wert als Natur- und Kulturerbe. Allerdings leidet es in Europa in manchen Abschnitten unter der ökologischen Zerschneidung von Lebensräumen und wertvollen Landschaften. Ein Konsortium von elf Partnern aus acht Ländern der Donauregion hat sich daher im Rahmen des Interreg-Projekts "DaRe to Connect" (Wage es zu verbinden) zum Ziel gesetzt, durch die transnationale Zusammenarbeit die Schutzgebiete am Grünen Band stärker zu vernetzen, um die Ökosysteme und ihre Dienstleistungen zu erhalten und zu verbessern – und so einen Beitrag zur Umsetzung der Donaustrategie zu leisten. Martin Kuba vom BUND Naturschutz in Bayern e.V. beschreibt im Interview, wo das Projekt zur Halbzeit steht.

Worum geht es in dem Projekt DaRe to Connect?

Wir definieren potenzielle ökologische Korridore zwischen Natura 2000 Gebieten entlang des Grünen Bandes Europa im Donauraum. Hierfür entwickeln und verwenden wir innovative Fernerkundungsmethoden, basierend auf Daten des Sentinel II Satelliten. Daraus leiten wir Planungsempfehlungen auf transnationaler und makroregionaler Ebene ab. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, diese ökologische Verbundachse von europäischer Bedeutung im Donauraum nachhaltig zu erhalten und entwickeln.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Projektarbeit ausgewirkt?

Die Pandemie hat uns in einer kritischen Phase getroffen. Nachdem die ersten Ergebnisse fertiggestellt waren, hätten diese eigentlich in Stakeholder-Workshops präsentiert, diskutiert und darauf aufbauend verfeinert werden sollen. Aufgrund der Kontakt- und Reisebeschränkungen konnte dieser Austausch, der ein essenzieller Teil des Projekts ist, bisher nicht stattfinden. Wir arbeiten nun daran, unser Projekt auch unter den gegebenen Umständen erfolgreich abzuschließen. Schade ist zudem, dass der persönliche Kontakt mit den Projektbeteiligten derzeit nicht stattfinden kann. Mit Videokonferenzen kann die fachliche Arbeit natürlich fortgeführt werden, der zwischenmenschliche Austausch leidet aber.

Wo steht das Projekt aktuell zur Halbzeit des Projektes?

Wir sind Anfang des Jahres in die "Umsetzungsphase" des Projekts gekommen, in der es darum geht die Ergebnisse auf unterschiedlichen Ebenen, also lokal, regional bis hin zu makroregional und europäisch, durch Workshops mit lokalen Stakeholdern in den Pilotregionen und Informationsveranstaltungen im Europaparlament zu präsentieren und zu besprechen. So wurden beispielsweise in Kroatien Beispiele von Ökosystemdienstleistungen im Gebiet der Drau vorgestellt, um den Beteiligten das Erkennen und Identifizieren von Ökosystemdienstleistungen und ungenutzten Potenzialen zu erleichtern.
Wir werden hier wichtigen Input für die Umsetzung von transnationalen Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung des Grünen Bandes Europa als Biotopverbundachse von europäischer Bedeutung liefern. Es gilt nun, dies auch auf ungewohnten Wegen, ohne persönliche Treffen umzusetzen.

Warum ist DaRe to Connect wichtig für den Donauraum?

Besonders im Donauraum entsteht ein hoher Druck auf den ökologischen Korridor des Grünen Bandes, beispielsweise durch neue Infrastrukturprojekte. Hier ist es von besonderer Bedeutung, in solche Planungen die Bedürfnisse der Natur und Umwelt auch als Grundlage des menschlichen Wohlergehens einzubinden. Hierfür möchten wir einen Beitrag leisten indem wir die Bedeutung der ökologischen Konnektivität an die Stakeholder, Entscheidungsträger*innen und Bevölkerung vor Ort vermitteln.

Wie zahlt sich die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern aus?

Abgesehen davon, dass wir am Grünen Band Europa arbeiten und eine internationale Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel nur gemeinsam erreicht werden kann, lebt und profitiert unser Projekt von der Vielfalt der jeweiligen Hintergründe und Herangehensweisen. Wir sind ein Konsortium von elf Partnern aus acht Ländern der Donauregion, da bekommt man schon manches Mal vor Augen geführt, dass Angelegenheiten in Österreich oder Tschechien anders funktionieren als in Rumänien oder Ungarn. Das öffnet den Blick für Lösungswege von Problemen vor der eigenen Haustür ebenso wie für Möglichkeiten, die aus dieser Vielfalt wachsen.

Was ist Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Zum einen natürlich die toll funktionierende fachliche Arbeit am Projekt. Es ist aber immer wieder ein ganz besonderes Gefühl, bei Exkursionen im Rahmen von Projekttreffen beispielsweise, in einer wunderschönen Landschaft inmitten Europas zu stehen und zu wissen, dass an dieser Grenze, die wir heute meist mühelos überschreiten können und Freunde auf beiden Seiten haben, noch vor wenigen Jahren die Welt jeweils von beiden Seiten zu Ende war, hier konnte man nicht weiter. Es ist zugleich beängstigend, dass die Situation so sein kann und schön zu wissen, dass es heute nicht mehr so ist. Zudem erinnert es daran, dass es sich lohnt und notwendig ist, sich für ein offenes Europa einzusetzen.

Weitere Informationen:
Projekt-Website D2C

Dr. Martin Kuba vom BUND Naturschutz in Bayern e.V. (Fachbereich Grünes Band, Regionalkoordination Grünes Band Zentraleuropa) ist Projektleiter für das Projekt DaRe to Connect.