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AREA 21: Energieeffizienz in Städten durch "Energy Improvement Districts"

EID-Workshop Helsingborg mit Krankenhausmanagern und AREA 21-Partnern aus der Region Skåne und von Öresundskraft (© Region Skäne 2019)

Die Städte im Ostseeraum sind darauf bedacht, Energie einzusparen und sie möglichst effizient zu nutzen, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Der Wohnungsbestand weist teils aber einen hohen Energieverbrauch auf. Deshalb zielt das Interreg-Projekt "AREA 21 - Baltic Smart City Areas for the 21st Century" darauf, die Energiesparpotenziale auf der Ebene der Bestandsquartiere besser zu nutzen. Mit Hilfe von "Energy Improvement Districts" (EID), bei denen Eigentümer, Bevölkerung und Energieversorger in die Energieplanung und ihre Umsetzung einbezogen werden, sollen die Quartiere langfristig klimaneutral werden. Anlässlich des Projektabschlusses im Herbst 2020 berichten Projekteiter Jörg Knieling von der HafenCity Universität Hamburg, Patrik Hermansson von Öresundkraft Helsingborg und Jury Nurulin von der Polytechnischen Universität Sankt Petersburg über die wichtigsten Ergebnisse.

Wer ist am Projekt beteiligt und welche Ergebnisse und Erfahrungen liegen aus den AREA 21-Städten vor?

Zu AREA 21 gehören die Städte Hamburg, Kohtla-Järve (EE), Lublin (PL), St. Petersburg (RU), Tampere (FL) und Tartu (EE), die Region Skane, der Energieversorger Öresundskraft AB (beide SE) sowie die Fachhochschule Tampere (FL) und die HafenCity Universität Hamburg (Lead Partner). Nach drei Jahren intensiver Zusammenarbeit blicken die Städte und Partner des AREA 21-Konsortiums auf eine Vielzahl von Aktivitäten und Ergebnissen, von denen die wichtigsten im Folgenden vorgestellt werden. Die Abschlusskonferenz findet im September 2020 als Webinar-Reihe statt, zu der sich Interessierte anmelden können.

Projektergebnisse in ausgewählten AREA 21-Städten

Im Mittelpunkt von AREA 21 steht das neue Instrument "Energy Improvement District (EID)". Ein EID ist ein strategischer Planungs- und Umsetzungsprozess in einem städtischen Quartier. Grundlage ist eine intensive Zusammenarbeit und Partnerschaft von Stadtverwaltung, Gebäudeeigentümern, Bevölkerung und Energiewirtschaft. Der EID lehnt sich an das Konzept des "Business Improvement Districts (BID)" an, der sich in vielen Städten bewährt hat. Die Herausforderung besteht darin, das Public-Private-Partnership-Format des BID auf das Handlungsfeld Energieeffizienz zu übertragen.

Tartu (EE): Das Modellgebiet Annelinn in Tartu besteht zum größten Teil aus Wohngebäuden. Hier zeigten sich Energiesparpotenziale von 20 %. Bei der Renovierung der Gebäude und der Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner setzte die Stadt ein innovatives IKT-Tool ein, das die Hochschule Tampere im Rahmen von AREA 21 entwickelte und auch bereits in anderen Städten erprobte.

Helsingborg (SE): Auch für ein Klinikgelände in Helsingborg lautet das Ziel, mehr als 20 % Energie einzusparen. Hierzu hat der Energy Improvement District eine Zusammenarbeit der betroffenen Akteure mit dem örtlichen Energieunternehmen bewirkt. Ihre gemeinsame Vision ist ein "Energy Smart Hospital for improved healthcare and reduced climate footprint". Eine Lenkungsgruppe hat die Aufgabe, die Vision umzusetzen. Dazu trägt die Vernetzung der Krankenhausgebäude bei, um den Energiebedarf intelligent steuern zu können. Auch hier kommen innovative smarte Technologien zum Einsatz. Zukünftig soll der Klinikkomplex Teil des Energienetzwerks der Stadt werden. Der Energy Improvement District Helsingborg zeigt, dass Energieeffizienz nicht nur eine Frage des Gebäudemanagements ist, sondern dass die Mitwirkung des Gesundheitsbereichs besonders wichtig ist. Für diesen können niedrige Energiekosten bewirken, dass mehr Ressourcen für unmittelbar gesundheitsbezogene Ausgaben zur Verfügung stehen.

Tampere (FL): Die Stadt Tampere entwickelte eine Kampagne zur Umstellung von Ölheizungen. In zahlreichen Workshops des Energy Improvement Districts beteiligten sich Hausbesitzerinnen und -besitzer sowie Gewerbetreibende und Handwerksbetriebe. Die Kampagne umfasste ein Serviceangebot mit einen Kostenkalulator, Fachinformationen und guten Beispielen sowie Ausschreibungsunterlagen und Finanzierungshilfen. Der Energy Improvement District und die Kampagne wurden inzwischen vom Umweltministerium anerkannt und als Vorbild für andere Kommunen in Finnland ausgezeichnet.

Sankt Petersburg (RU): Die Polytechnische Hochschule Sankt Petersburg hat Energieeffizienz spielerisch und partizipativ umgesetzt. Der Wettbewerb "EcoGen Cup" forderte 60 Studierende heraus, für den Campus der Universität kreative Konzepte und Ideen zu entwickeln, wie sich der Energieverbrauch vermindern lässt. Die besondere Herausforderung bestand darin, die Studierende und Lehrende zur Energieeinsparung zu motivieren, obwohl diese keinen unmittelbaren persönlichen Nutzen daraus erzielen können. Am 4. März 2020 zeichnete die Jury drei von zehn Teams aus: Platz 1 ging an ein Rating-System, das die energieeffizientesten Studentenwohnheime ausweisen soll, Platz 2 gewann eine mobile App, die Spiele zur Energieeffizienz und motivierende Informationen enthält, und Platz 3 erhielt ein Konzept, das einen Energiespartag mit einem Wettbewerb in einem studentischen Projektseminar und der Einführung neuer Technologien, wie LED-Leuchten und Sensoren, auf dem Campus verbindet. Eine wichtige Erfahrung des EcoGen Cups: Die spielerische Form ("Edutainment") förderte ungewöhnliche Einfälle und Konzepte zu Tage. Sie erhöhte so die Kreativität der Lösungen.

Hamburg (D): In Hamburg war von Vorteil, dass der Bezirk Wandsbek bereits erfolgreich einen Business Improvement District als Instrument kooperativer Quartiersentwicklung eingesetzt hatte. Im Zuge des BID gelang es, gemeinsam mit den Gewerbetreibenden sowie Anwohnerinnen und Anwohnern den zentralen Marktplatz aufzuwerten. Für den Energy Improvement District suchte der Bezirk die Zusammenarbeit mit den örtlichen Wohnungsgenossenschaften. Die Erfahrungen sollen als Blaupause dafür dienen, das Instrument EID auch in anderen Quartieren Hamburgs einzusetzen. AREA 21 trifft hier auf günstige Rahmenbedingungen, insbesondere die ambitionierten Zielsetzungen zum Klimaschutz, die Hamburg 2020 in einem neuen Klimaplan verankert hat.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Projektarbeit ausgewirkt?

Der Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 beeinträchtige die Arbeit nicht allzu stark. Aber für viele Beteiligte hat sich der individuelle Arbeitsalltag sehr verändert und dies erschwert teilweise Austausch und Zusammenarbeit. AREA 21 setzt auf "Digital only": Im September 2020 findet die Abschlussveranstaltung in Form dreier Webinare statt. Diese präsentieren die Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit.

Sankt Petersburg: Wettbewerb „EcoGen Cup“ für Energieeffizienz an der Polytechnischen Universität Sankt Petersburg (©: Polytechnic St. Petersburg 2019)

Was waren besondere Erlebnisse im Rahmen von AREA 21?

In der mehrjährigen Zusammenarbeit gab es zahlreiche Orte und Ereignisse, die besondere Qualitäten der beteiligten Städte vermittelten. In Lublin war es das städtische Kulturzentrum mit einem intensiv begrünten Dachgarten, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. In Sankt Petersburg tagte AREA 21 im Rahmen der jährlichen Fachkonferenz der Planungselite Russlands aus Wissenschaft und Verwaltung, Themenschwerpunkt waren die Sustainable Development Goals und ihre Umsetzung in Russland. Fachgespräche am Rande gaben Eindrücke, inwiefern sich die heutige Situation von der früheren Praxis der zentralstaatlichen Planung unterscheidet.

AREA 21 bot auch Einblick in technische Neuerungen. Dies war etwa in Helsingborg der Fall, wo Öresundskraft eine moderne Abfallmanagementanlage präsentierte. Die Überfahrt mit der bis dahin weltgrößten Elektro-Fähre Aurora von Helsingborg nach Helsingör in Dänemark zeigte, wie sich E-Mobilität allmählich auch in der Fährschifffahrt durchsetzt. In Hamburg bot der "Energiebunker", ein Vorzeigeprojekt der Internationalen Bauausstellung 2013 zur Nutzung und Speicherung regenerativer Energien, einen Rahmen, um sich näher mit den Strategien der Hansestadt für Klimaschutz und Energiewende auseinanderzusetzen.

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

AREA 21 endet im Herbst 2020. Eine ergänzende Interreg-Förderung ermöglicht es einigen der Städte, ihre Action Plans und Pilotvorhaben weiter voran zu treiben. Im Mittelpunkt stehen dabei die Energy Improvement Districts. Am Ende des Ergänzungsprojekts soll das Instrumentarium dann soweit ausgereift sein, dass auch andere Städte und Regionen Energy Improvement Districts unkompliziert einsetzen können.

Daneben planen die AREA 21-Partner eine Öffentlichkeitskampagne, um das neue Instrumentarium zu verbreiten. Dazu besteht bereits ein intensiver Austausch mit Fachinstitutionen, Initiativen und anderen Interreg-Projekten aus dem Bereich Energieeffizienz. Vorträge auf Tagungen, eigene Informationsangebote und Publikationen sollen zur Verbreitung beitragen.

Und das AREA 21-Konsortium hat Ideen für weitere Projekte entwickelt, die zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz und damit zu den Zielsetzungen des European Green Deal beitragen können. Das Monitoring Komitee von Interreg-Ostsee hat zwei Projektvorschläge für eine Seed Money-Förderung ausgewählt, was ein zusätzlicher Motivationsschub für die daran beteiligten Partner ist. Beide Themen gehen nun in die konkrete Ausarbeitung, so dass sie für die neue Interreg-Förderphase vorliegen werden.

AREA 21-Webinare - you are very welcome

Energy Webinars and Ressources - Tools and guidance for integrated district-level energy planning
1. September 2020Energy Improvement Districts: an instrument for local cooperation on energy efficiency
8. September 2020Strategic Energy Planning in Urban Districts from a Policy Perspective
15. September 2020Developing tools for district-scale smart energy management

Zur AREA 21-Webseite (in Englisch): Webinars

Weitere Informationen

Projektwebsite (in Englisch): AREA 21
AREA 21-Webinare 2020 (in Englisch): Webinars
Tampere-Kampagne Ölheizungen (in Finnisch): Olisiko jo aika luopua öljylämmityksestä?

Prof. Dr. Jörg Knieling ist Leiter des Fachgebiets Stadtplanung und Regionalentwicklung der HafenCity Universität Hamburg und Lead Partner des Projekts AREA 21. Dieser Beitrag ist entstanden unter Beteiligung von Patrik Hermansson, Direktor für Strategie & Innovation, Öresundskraft, Helsingborg, Schweden, und Jury Nurulin, Professor an der Polytechnischen Universität Sankt Petersburg, Russland.