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Dynaxibility4CE – dynamische Gestaltung neuer Mobilitätslösungen in Mitteleuropa

Interview mit Projektleiter Carsten Schuldt von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB)

Erfahrungen von On-Demand-Ridepooling in Leipzig, die in die transnationale Zusammenarbeit einfließen (© Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH)

Carsharing, Shuttle-Service, Sammeltaxis, private Fahrdienste, Fahrrad- und Scooter-Verleihsysteme, automatisiertes Fahren - neue Mobilitätsformen, Besitzstrukturen und Technologien bestimmen zunehmend das Verkehrsgeschehen in den Städten Mitteleuropas. Die klassischen Grenzen zwischen verschiedenen Mobilitätsangeboten verschwimmen und benötigen andere Planungsverfahren, um nachhaltige Mobilität zu sichern. Außerdem sorgt der immer noch starke motorisierte Individualverkehr für einen hohen Schadstoffausstoß, während ländliche Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte teilweise nur schlecht ans öffentliche Personennahverkehrsnetz (ÖPNV) angebunden sind. Carsten Schuldt von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) erklärt im Interview, wie sich das jüngst gestartete Interreg-Projekt "Dynaxibility4CE" mit diesen Problemen auseinandersetzt, um Strategien für flexiblere Mobilitätslösungen zu entwickeln.

Worum geht es in dem Projekt Dynaxibility4CE?

In den letzten Jahren ist Mobilität vielfältiger geworden. Dieser Trend wird sich durch digitale Entwicklungen wie integrierte Auskunfts- und Buchungsplattformen und automatisiertes Fahren noch verstärken. 13 europäischen Partner aus Mitteleuropa erarbeiten im Projekt Dynaxibility4CE Strategien, wie Kommunen und Verkehrsunternehmen diese komplexen Prozesse flexibel steuern können, um unsere Städte und Regionen lebenswerter zu machen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Dynaxibility setzt sich aus Silben der Begriffe "dynamics" (Dynamik), "complexity" (Komplexität) sowie "ability" (Fähigkeit) zusammen und könnte das Projektziel nicht besser umschreiben: die Verantwortlichen befähigen, komplexe Prozesse dynamisch zu gestalten.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie aktuell auf die Projektarbeit aus?

Das Projekt konnte erfolgreich im April starten, jedoch nicht wie geplant mit einem Kick-Off-Meeting in Graz, sondern virtuell als Videokonferenz. Wir haben in dieser Zeit alle viel gelernt, beispielsweise wie Arbeit im Homeoffice funktionieren kann. Wir klären gerade, wie die geplanten "Diagnose-Workshops" aussehen können, wenn Grenzen sich wieder öffnen und einige Beschränkungen gelockert werden.

Warum ist Dynaxibility4CE beispielhaft für das Interreg-Programm?

Mit 13 Projektpartnern aus 7 Ländern spiegelt sich nahezu die ganze Vielfalt des Interreg-Programmraums Mitteleuropa wider. Der Projektfokus der einzelnen Partner ist leicht verschieden, überlappt sich dennoch. So können Stärken ausgespielt und Probleme beschleunigt gelöst werden. Auch sollen neue Mobilitätslösungen, teils noch experimentell, ausprobiert werden. Der transnationale Austausch verhindert hier, dass dieselben Fehler überall gemacht werden. Knappe Ressourcen werden sinnvoll eingesetzt.

Neue Mobilitätslösungen in Leipzig (© Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH)



Was bringt das Projekt für die Region Leipzig?

Wir als LVB haben gerade unsere neue Mobilitätsplattform "LeipzigMOVE" gelauncht, die Carsharing, Bikesharing und Taxi mit dem ÖPNV kombiniert. Die Reise in Richtung innovativer Mobilität wird weitergehen. Dafür möchten wir noch besser aufgestellt sein und untersuchen vor allem die Möglichkeit der Integration von nachfragegesteuertem Verkehr (On-Demand-Ridepooling) in unser bisheriges Produktportfolio. Am Ende steht ein neues Produkt, dass passgenau und wirtschaftlich unseren Kunden hilft, den Umweltverbund stärkt und die Emission von CO2 reduziert.

Warum ist es wichtig, dieses Projekt europäisch umzusetzen?

Die Städte und Regionen in Mitteleuropa haben eine sehr ähnliche Geschichte und damit eine ähnliche Struktur. Sie stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Manche Regionen haben bereits einen Vorsprung und bieten gute Teillösungen. Andere kennen ihre Probleme bereits sehr gut. Von den Analysen, Diskussionen und dem Wissenstransfer zu innovativer Mobilität profitieren alle Partner und letztendlich ganz Europa.

Vervollständigen Sie: Wenn das Projekt gelingt, werden in zehn Jahren…

…überall in Europa Menschen nahtlose Mobilität erleben können, Besitz wird in den Hintergrund treten und luft- und klimaschonende Mobilität unseren Städten zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Links zu weiteren Informationen:

Projekt-Website Dynaxibility4CE

Carsten Schuldt von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) GmbH ist seit Juni 2020 Projektleiter von Dynaxibility4CE.