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RAINMAN: Toolbox zur Verminderung von Risiken durch Starkregen ist online

Interview mit Projektleitern Stefanie Weiner von INFRASTRUKTUR & UMWELT Professor Böhm und Partner

Startseite Projetwebsite RAINMAN (© RAINMAN)

Starkregenereignisse können jeden Ort mit nur sehr kurzer Vorwarnzeit treffen. Jedes Jahr sterben Menschen, Tausende verlieren ihr Zuhause und es kommt zu Umweltschäden wie z.B. der Verschmutzung von Gewässern. Vor diesem Hintergrund nahm das Interreg-Projekt RAINMAN im Jahr 2017 mit einem Konsortium von zehn Partnerinstitutionen aus sechs Ländern seine Arbeit auf, um gemeinsam Methoden und Hilfsmittel zur Risikominderung in Mitteleuropa zu erarbeiten. Am 30.06.2020 ging das Projekt zu Ende und die RAINMAN-Toolbox online. Stefanie Weiner, Projektleiterin bei der externen fachlichen und organisatorischen Projektunterstützung INFRASTRUKTUR & UMWELT Professor Böhm und Partner, stellt diese im Interview vor.

Was ist durch die Zusammenarbeit der Projektpartner entstanden?

Die Partnerschaft entwickelte gemeinsam innovative Methoden und neue Instrumente zur Unterstützung von Kommunen und Regionen, um die Gefahren von Starkregen zu bewältigen und die Risiken so weit wie möglich zu mindern. Diese Managementinstrumente und -methoden wurden unter der Leitung des Lead Partners LfULG (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) in der RAINMAN-Toolbox zusammengestellt, einer Informationsplattform für Kommunen und weitere lokale und regionale Interessenvertreter. Sie enthält eine Sammlung der im RAINMAN-Projekt entwickelten und in verschiedenen Pilotregionen erprobten Werkzeuge und Instrumente.

Was können wir in der Toolbox finden?

Ansicht der RAINMAN-Toolbox Broschüre (© INFRASTRUKTUR & UMWELT)

Die Toolbox enthält eine Sammlung von Methoden zur Bewertung und Kartierung von Starkregenrisiken. Nur wenn wir Risiken kennen, können wir an ihnen arbeiten, sie vermindern und Katastrophen verhindern. Die Toolbox stellt aber auch eine Inspiration und Anleitung zur Risikokommunikation dar. Gefahrenvorsorge vor Naturgefahren oder vor Folgen des Klimawandels, aber auch ganz aktuell die Corona-Pandemie, zeigen immer wieder, dass ohne das Verstehen und Akzeptieren von Gefahren und Risiken eine vorsorgende Risikominderung nicht möglich ist. Außerdem enthält die Toolbox Orientierungshilfen für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Risikominderung und schließlich einen Katalog "Unserer Geschichten": Beispiele der Projektpartner zur guten Praxis für das integrierte Management von Starkregenrisiken.

Wer wird die Toolbox nutzen, und wie?

Einerseits gibt es einen Bereich und eine Nutzerführung für Praktiker. Das sind Verantwortliche für die Wasserwirtschaft, die Planung oder die Gefahrenabwehr in Kommunen, Landkreisen oder auch in regionalen Behörden. Sie sollen durch Bereitstellung systematischer Herangehensweisen beim Umgang mit starkregenbedingten Überflutungsrisiken bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden. Zwar ist das Thema nicht völlig neu, doch die Vielfalt der Methoden und Werkzeuge aus den RAINMAN-Partnerländern und die Tatsache, dass viele wissenschaftliche Ansätze nicht immer praxistauglich zugeschnitten sind, erfordern Hilfestellungen beim Risikomanagement vor Ort, damit auch tatsächlich etwas geschieht. Die RAINMAN-Toolbox beantwortet die wichtigsten Fragen, um die Bewertung und Kartierung von Starkregenrisiken zu initiieren.

Zum anderen gibt es in der Toolbox einen Bereich für Experten. Dieser Abschnitt richtet sich an diejenigen, die bereits mit dem Thema vertraut sind. Hier finden Sie detaillierte Informationen über verfügbare Ansätze und wissenschaftliche Publikationen, die im Rahmen des RAINMAN-Projekts entstanden sind.

Warum war die Zusammenarbeit der transnationalen Partnerschaft hilfreich?

Projektteam RAINMAN (© RAINMAN-Projekt)

Gerade im internationalen Austausch und der Zusammenarbeit europäischer Partnerorganisationen konnten vielfältige Ansätze und Methoden zusammengestellt, vergleichend bewertet und in zahlreichen internationalen Pilotgebieten getestet werden. Der Mehrwert ist, dass sehr unterschiedliche Blickwinkel zusammengetragen wurden und so Lösungen verbessert und über die nationalen Grenzen hinweg umgesetzt werden konnten. Vor Ort wurden die Methoden und Maßnahmen mit lokalen Interessengruppen getestet und in unseren Pilotaktivitäten umgesetzt. Unsere Erfahrungen und die umfangreichen theoretischen Kenntnisse aus sechs Ländern haben wir in der RAINMAN-Toolbox zusammengefasst!

Was nehmen Sie persönlich aus dem Projekt mit?

Ich bin seit vielen Jahren in Projekten des Risikomanagements von Klimafolgen, Hochwasserrisiken und anderen Naturgefahren tätig. Dabei habe ich mit unseren Projektteams kommunale Anpassungsprojekte bearbeitet, an nationalen Strategien mitgewirkt, war aber auch im internationalen Kontext tätig. Das besondere an RAINMAN als Interreg-Projekt ist die Kreativität, mit der Projektpartner aus Verwaltungen der beteiligten europäischen Länder hier neue Lösungen entwickeln konnten. Die transnationale Projektarbeit eröffnet erhebliche Möglichkeiten, in der Projektumgebung Ansätze kennenzulernen und zu testen, ohne dass es eines zu formalen Prozesses bedarf. Dadurch konnten auch die Verantwortlichen in unseren Pilotregionen sehr viel Neues kennenlernen und dann selbst entscheiden, ob dies der bessere, richtige Weg für sie sein wird. Und viele haben Neues angenommen: Auch oder gerade, weil es gute Erfahrungen anderer Europäer waren, die hier über die nationalen Grenzen transportiert wurden.

Was war Ihr Highlight in dem Projekt?

Ehrlich gesagt: dass der gemeinsame, sehr ambitionierte Plan aufgegangen ist und wir gemeinsam mit dem LfULG und den Projektpartnern tatsächlich diese Toolbox in der Projektlaufzeit online stellen konnten. Und dass die Toolbox eigentlich noch besser geworden ist, als wir es bei der Projektentwicklung für möglich gehalten hatten. Die Entwicklung von transnationalen Projekten ist oft zäh, braucht langen Atem und viele Visionen und vor allem sehr viele engagierte Menschen in den Partnerländern. Das hatten wir alles in RAINMAN und doch hat man zuweilen Zweifel, dass das so funktioniert, denn ein INTERREG-Projekt ist immer auch ein Versuch, eine zuweilen schwierige Kooperation sehr unterschiedlicher Partner und Menschen. RAINMAN können wir nun als vollen Erfolg bezeichnen. Vom Ergebnis her und von den Menschen her, mit denen ich sehr gerne nun über Jahre zusammengearbeitet habe. Das zusammengefasst ist das absolute Highlight für mich.

Ich hoffe nun, dass die Partnerschaft in Zukunft Möglichkeiten findet, wieder zusammen zu arbeiten. Zunächst einmal planen wir, unsere Abschlusskonferenz, welche Corona-bedingt abgesagt werden musste, im kommenden Jahr nachzuholen.

Weitere Informationen

RAINMAN project website (in Englisch)

RAINMAN Toolbox

Stefanie Weiner ist Projektleiterin bei INFRASTRUKTUR & UMWELT Professor Böhm und Partner und war mit ihrem Team in RAINMAN als externe fachliche und organisatorische Unterstützung des Lead Partners LfULG und des Gesamtprojektes tätig.