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"Mehr Mobilität, weniger Verkehr - für uns und unsere Gäste"

Interview mit Alexandra Bohner von der Donaubüro gGmbH über die Projekte "Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm" und "Transdanube.Pearls"

Busfahren als Praxistest im Rahmen des Mobilitätstrainings (© Donaubüro)

Die Donauregion ist eine der vielversprechendsten Tourismusdestinationen in Europa. Um die verschiedenen Regionen über die Ländergrenzen hinweg zu erschließen, nutzen Reisende nach wie vor das Auto als Hauptverkehrsmittel. Dies wirkt sich allerdings negativ auf die Umwelt und die betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner aus. Das aus dem Bundesprogramm Transnationale Zusammenarbeit geförderte Andockprojekt „Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm“ baut auf den Projektergebnissen des Interreg B-Projekts "Transdanube.Pearls" auf und zielt darauf ab, Ergebnisse und erarbeitete Ideen zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität in der Region umzusetzen. Alexandra Bohner vom Donaubüro erklärt im Interview, wie das erreicht werden soll.

Worum geht es in dem Projekt "Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm"?

Ziel des Projekts "Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm" ist die Förderung einer nachhaltigen Mobilität für Einwohnerinnen und Einwohner sowie Touristinnen und Touristen in der Region Ulm/Neu-Ulm. Das Projekt stellt somit einen wichtigen Baustein zur Erreichung eines CO2-armen Verkehrs dar und leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Im Zuge des Projekts werden drei Bausteine bearbeitet. Darunter die Umsetzung des Tourismus- und Mobilitätsplans für die Region Ulm/Neu-Ulm, die Vorbereitung für eine tiefergehende Mobilitätsberatung sowie die Intensivierung der institutionen- und sektorenübergreifenden Vernetzung der relevanten Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Interessensverbänden aus den Bereichen Tourismus und Mobilität.

Was war der Hintergrund, das Projekt als Andockprojekt zum Interreg-Projekt "Transdanube.Pearls" fortzusetzen?

Das Andockprojekt "Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm" baut auf den Projektergebnissen des Interreg-Projekts "Transdanube.Pearls" (2017-2019) auf und ermöglicht es, die angestoßenen Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität weiterzuführen und somit in der Region zu verankern. Ziel des Interreg-Projekts Transdanube.Pearls war die Gründung eines Netzwerks von Destinationen entlang der Donau, die sich dem Konzept der nachhaltigen Mobilität im Tourismus verschreiben, sogenannten "Danube.Pearls". Das Danube.Pearls-Netzwerk dient als Plattform für gemeinsame Marketingaktivitäten, die die Attraktivität der Perlen erhöhen und Besucher*innen auf die vielzähligen nachhaltigen Reisemöglichkeiten aufmerksam machen sollen.

Die Städte Ulm/Neu-Ulm bilden neben zehn weiteren Destinationen aus sieben Ländern die erste und bislang einzige deutsche Perle im Netzwerk, vertreten durch die Ulm/Neu-Ulm Touristik. Grundlage zur Mitgliedschaft im Netzwerk ist ein Zertifizierungsprozess, der auf einem im Projekt erarbeiteten Kriterienkatalog und einer gemeinsamen Vision für sanfte Mobilität im Tourismus entlang der Donau fußt. Zur Vorbereitung erarbeitete jede Destination im Rahmen des Interreg-Projekts einen regionalen Tourismus- und Mobilitätsplan, welcher konkrete Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität in der jeweiligen Region sowie für die An- und Abreise von Perle zu Perle definiert. Das aktuelle Andockprojekt "Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm" setzt nun an den drei oben genannten Bausteinen an, die Destination Ulm/Neu-Ulm im Sinne einer Danube.Pearl weiter zu qualifizieren.

Was bringt das Projekt für die Region?

Ulm/Neu-Ulm verzeichnet einen stetigen Anstieg an Übernachtungszahlen - zuletzt 5,31 % im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ist der Anteil derer, die mit dem Auto anreisen mit 67 % (Stand 2017) ungebrochen hoch. Vor dem Hintergrund eines ansteigenden Reiseverhaltens mit immer kürzeren Aufenthaltsdauern und der damit verbundenen zunehmenden negativen Auswirkungen des motorisierten Individualverkehrs für Einwohnerinnen und Einwohner sowie Touristinnen und Touristen, ist es das erklärte Ziel des Donaubüros als Kompetenzbringer im Bereich nachhaltige Mobilität im Tourismus diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.

So konnte beispielsweise ein Mobilitätstraining für Personen mit Gästekontakt, wie Rezeptionist*innen, Mitarbeiter*innen der Tourist-Information oder Hoteliers, angeboten werden. Das Training hat zum Ziel, diese Personen als Mobilitätsberater*innen für einen autofreien Tourismus in der Region fit zu machen. Des Weiteren veranstaltet das Donaubüro eine Netzwerkreihe zum Thema "Verkehrswende beginnt im Kopf" und ermöglicht dadurch einen regelmäßigen Austausch für institutionelle Vertreter*innen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Interessensverbänden der Bereiche Tourismus und Mobilität. Darüber hinaus kommen die regionalen Partner auf Einladung des Donaubüros immer wieder zusammen, um konkrete Maßnahmen des gemeinsam erarbeiteten Tourismus- und Mobilitätsplans umzusetzen. Der Plan umfasst insgesamt 16 Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität in der Region Ulm/Neu-Ulm und verfolgt das Ziel: "Mehr Mobilität, weniger Verkehr - für uns und unsere Gäste".

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Nutzung des öffentlichen Verkehrs in Deutschland und anderen Ländern das Reisen positiv entschleunigt, ein intensiveres Ankommen ermöglicht und die Chance bietet auf ganz besondere Weise mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Das ist zum einen diese persönliche Erfahrung, die mich für die Arbeit an diesem Thema motiviert, zum anderen ist es aber auch die Verantwortung, die wir gegenüber unserer Erde, der Umwelt und unseren Nachkommen haben. Ich sehe Reisen als wichtiges Fundament für Verständnis, Vertrauen und Frieden und halte es deshalb für sehr wichtig. Jedoch sollte die Art wie wir Reisen den Prinzipien der Nachhaltigkeit entsprechen und nicht das zerstören, was zu unserer Erholung im Urlaub beiträgt: freundliche Gastgeber*innen und eine intakte Natur. Der Donauraum ist dabei besonders spannend, stellt er doch zum einen eine der vielversprechendsten Tourismusdestinationen Europas dar und zum anderen einen besonders schützenswerten Kultur- und Naturraum.

Weitere Informationen:

Projekt-Website Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm
Projekt-Website Transdanube.Pearls

Alexandra Bohner arbeitete zunächst als Mobilitätsmanagerin für das Interreg-Projekt "Transdanube.Pearls" bei der Donaubüro gGmbH Ulm/Neu-Ulm. Mit Abschluss des Projekts übernahm sie das Projektmanagement für das Andockprojekt "Nachhaltige Mobilität in Ulm/Neu-Ulm". Gemeinsam mit Veronika Wierer, Leiterin der Projektagentur beim Donaubüro, konzipiert sie die Bausteine und ist für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich.