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AlpBioEco: Mit Bioökonomie zu neuen Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen

Untersuchung der Wertschöpfungsketten von Walnüssen im Projekt AlpBioEco (© AlpBioEco)

Im Interreg-Projekt AlpBioEco untersuchen 13 Projektpartner aus fünf Ländern exemplarisch die Wertschöpfungsketten von Walnüssen, Äpfeln und Alpenkräutern hinsichtlich ihres bioökonomischen Potenzials und entwickeln Ansätze zur Nutzung dieser Potenziale für die Regionalentwicklung. Die Stadt Sigmaringen ist der Lead Partner des Projektes. Anlässlich des Zwischentreffens in Avignon im Dezember 2019 berichtet Anna Bäuerle, Projektkoordinatorin von AlpBioEco, über die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes.

Was passiert im Projekt "AlpBioEco" und was sind die Projektziele?

Im Projekt AlpBioEco suchen die Projektpartner im Zeitraum von drei Jahren gemeinsam nach neuen Möglichkeiten, pflanzliche Erzeugnisse aus dem Alpenraum noch wirtschaftlicher zu nutzen – genannt: "Bioökonomie". So soll die nachhaltige Entwicklung im Alpenraum gefördert werden. Im Fokus stehen dabei die Wertschöpfungsketten von Äpfeln, Walnüssen und Kräutern bzw. Alpenheu. Für diese werden aufbauend auf Marktstudien, Laboranalysen und einem Wissensaustausch zwischen verschiedenen Akteuren öko-innovative Produkte und neue Geschäftsmodelle entwickelt. Diese Konzepte werden dann in ausgesuchten Alpenregionen in Pilotstudien getestet und weiterentwickelt. So erweitert AlpBioEco das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Potenziale der Bioökonomie in der Region. Gleichzeitig unterstützt AlpBioEco aktiv die interdisziplinäre und überregionale Zusammenarbeit zur Entwicklung und Umsetzung von innovativen Geschäftskonzepten. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus den verschiedenen Projektphasen sollen sowohl auf alle politischen Ebenen als auch in andere Alpenregionen übertragen werden. Hierfür entwickeln wir im Projekt Handlungsempfehlungen, mit denen die Implementierung innovativer Geschäftskonzepte in der Bioökonomie gefördert und neue Arbeitsplätze im Alpenraum geschaffen werden sollen.

Warum ist AlpBioEco und Bioökonomie wichtig für den Alpenraum?

Gerade in ländlichen Regionen eröffnet Bioökonomie neue Möglichkeiten, Arbeitsplätze zu schaffen: Beispielsweise durch neue Wertschöpfungsketten oder durch kostengünstigere, wirtschaftlich attraktivere und umweltfreundlichere (Industrie-) Prozesse. Das geschieht unter anderem durch neue Technologien und Innovationen, durch Vernetzung, aber auch durch das Anstreben einer regionalen Kreislaufwirtschaft.

Wo steht das Projekt aktuell zur Halbzeit des Projektes?

AlpBioEco-Projektpartner beim Treffen in Avignon, 02.-04. Dezember 2019 (© AlpBioEco)

Wir haben jetzt die Halbzeit des Projektes erreicht. In einer Halbzeitkonferenz, die vom 02.-04. Dezember 2019 in Avignon, Frankreich stattfand, haben etwa 20 Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Projektpartnerorganisationen gemeinsam die aktuellen Projektergebnisse diskutiert und die weiteren Schritte vorbereitet. Dazu wurden die in der vorherigen Projektphase entwickelten Produktideen und Geschäftsmodellkonzepte vorgestellt und diskutiert. Diese wurden im letzten halben Jahr in insgesamt 22 Workshops in fünf Ländern mit über 180 interdisziplinären Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter der Leitung des Projektpartners Management Center Innsbruck (MCI) entwickelt. Als Grundlage dienten dabei die Ergebnisse der vorangegangenen Wertschöpfungskettenanalyse. In den Workshops entstanden rund 440 Ideen, und daraus insgesamt 28 Produktideen und Geschäftsmodellkonzepte. Aus diesen haben wir in Avignon nach einiger Diskussion gemeinsam diejenigen Konzepte ausgewählt, die am vielversprechendsten sind und daher jetzt weiter ausgearbeitet und in Pilotstudien getestet werden sollen. Insgesamt wurden sieben Geschäftsmodellkonzepte ausgewählt: Jeweils zwei pro Wertschöpfungskette sowie ein übergreifendes Geschäftsmodellkonzept. Weiter verfolgt werden in der dritten Projektphase unter anderem biologisch abbaubare Verpackungen aus Apfeltrester, Apfelmehl aus Apfeltrester oder Walnuss-Flips aus Walnusspresskuchen. Diese werden in den nächsten Monaten in mindestens vier verschiedenen Alpenregionen validiert und weiterentwickelt. So wird beispielsweise in der Region Ravensburg und Sigmaringen an Walnussflips und Walnussaufstrichen gearbeitet, in der Region um Bozen an Apfelpektin und in Nenzing an Revegetation mit Alpenheusamen.

Die Arbeit an den Geschäftsmodellkonzepten geht noch bis Juli 2020. Danach geht es in der vierten und letzten Projektphase, um den Transfer der Projektergebnisse in die Politik. Die durch AlpBioEco gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse sollen in weitere Regionen sowie auf die politische Ebene übertragen werden. Dazu werden politische und wirtschaftliche Handlungsempfehlungen zur Förderung der überregionalen und interdisziplinären Zusammenarbeit der Bioökonomie entwickelt.

Wie zahlt sich die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern aus?

AlpBioEco bei der Veranstaltung InnoSüd in Neu-Ulm mit Projektkoordinatorinnen Anna Bäuerle und Gloria Kraus (© AlpBioEco)

Das AlpBioEco-Projektteam besteht aus insgesamt 13 Partnerorganisationen aus den fünf Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern aus unterschiedlichen EU-Ländern im Alpenraum ist ein Grundstein des Projektes, schließlich ist AlpBioEco ein Projekt für den gesamten Alpenraum. Nur so kann das Ziel des Projektes erreicht werden, nämlich durch die Nutzung von bioökonomischen Potenzialen die nachhaltige Entwicklung in mehreren Regionen im Alpenraum zu fördern. Vielleicht braucht es mehr Ressourcen, wenn man im Team aus mehreren Organisationen und an verschiedenen Standorten arbeitet. Aber gerade die räumliche Verteilung der Projektpartner über den Alpenraum und die länderübergreifende Zusammenarbeit verschafft uns große Möglichkeiten. Im Projekt profitieren die Partner gegenseitig von den bestehenden unterschiedlichen Netzwerken, Erfahrungen, Expertisen und Kompetenzen. Zwischen den Partnerorganisationen findet ein reger Wissensaustausch und wirtschaftliche Vernetzung mit relevanten Akteuren im Alpenraum statt. So wird beispielsweise in der Region Ravensburg-Oberschwaben kontinuierlich am Aufbau eines Walnuss-Netzwerks gearbeitet, dass Akteure aus dem Walnussanbau, der Walnussverarbeitung und der Walnussvermarktung zusammenbringt. So wird die regionale Zusammenarbeit gefördert und zur Nutzung von Synergien beigetragen. Gleichzeitig wird durch die Zusammenarbeit und den Austausch Innovation in der Region gefördert.

Weitere Informationen

Um mehr über das Projekt, aktuelle Forschungsergebnisse und Veranstaltungen zu erfahren, besuchen Sie unsere Website zum Projekt AlpBioEco, abonnieren Sie den AlpBioEco-Newsletter oder wenden Sie sich direkt an Anna Bäuerle, Projektkoordinatorin AlpBioEco, unter alpbioeco@sigmaringen.de.

Anna Bäuerle arbeitet seit dem 14. November 2019 als Projektkoordinatorin beim Lead Partner vom Projekt AlpBioEco, der Stadt Sigmaringen.