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TransRegio Alliance - Dialog zwischen Interreg-Akteuren zur Mobilitäts- und Raumentwicklung in Ostdeutschland

Interview mit Projektkoordinatorin Alexandra Beer vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.

Treffen der TransRegio Alliance in Leipzig, Oktober 2018 (© Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung DV)

Für die Entwicklung ländlicher Räume ist eine gute Verkehrsanbindung mit Bus und Bahn wichtig. Allerdings sind in Regionen mit Bevölkerungsrückgang andere Lösungsansätze gefragt als in wachsenden ländlichen Räumen im Umland von Metropolen. Interreg-Projekte bieten eine gute Möglichkeit, neue Lösungen zu testen, finanzielle Risiken zu senken und Entwicklungskosten durch das gegenseitige Lernen zu reduzieren. Um die Reichweite und den Wirkungsgrad der Projektergebnisse für eine gemeinsam abgestimmte Raumentwicklung zu vergrößern und informelle Kooperationsstrukturen zu festigen, haben deutsche Partner aus aktuellen Interreg-Projekten mit politischen und operativen Verkehrsakteuren aus allen fünf ostdeutschen Bundesländern die TransRegio Alliance gegründet. Alexandra Beer vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. erklärt im Interview die Hintergründe und Chancen des Projekts.

Worum geht es in dem Projekt TransRegio Alliance?

Seit Anfang 2018 koordiniert der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) die TransRegio Alliance in allen administrativen und inhaltlichen Belangen. Dabei unterstützt ihn die Schirmherrin des Projektes, die Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg (GL). Ziel der TransRegio Alliance ist es, die Zusammenarbeit der Projektpartner, zu denen die Verkehrs- und Landesentwicklungsministerien aller ostdeutschen Bundesländer zählen, im Bereich Verkehr zu stärken. Dabei geht es vor allem um eine bessere verkehrliche Anbindung der Regionen an das europäische Kernnetz "Verkehr" (TEN-V), die Verknüpfung lokaler Knoten in den Regionen mit den zentralen Kernnetzknoten, aber auch um die Stärkung von Stadt-Land-Partnerschaften in diesen Räumen. Die Vernetzung von bestehenden Projekten und Vorhaben der transnationalen Verkehrsentwicklung in Zusammenarbeit mit den beteiligten ostdeutschen Bundesländern liegt auch im Bundesinteresse. Das Projekt wird daher als sogenanntes Andock-Projekt zum Interreg-Vorhaben Peripheral Access aus dem Bundesprogramm transnationale Zusammenarbeit gefördert.

Was war der Hintergrund, die TransRegio Alliance als Andock-Projekt zum Interreg-Projekt Peripheral Access zu initiieren?

Die Interreg-Programme mit ihren Projekten im Ostseeraum und in Mitteleuropa bieten wichtige Hilfestellungen für die Raumentwicklung in den ostdeutschen Bundesländern. Mit deren Hilfe können Raumordnungs- und Entwicklungsziele praktisch unterlegt und in konkrete Maßnahmen übersetzt werden. Als Lead Partner des Projekts Peripheral Access ist der DV ebenso in Interreg involviert und organisiert die Vernetzung der Partner und den inhaltlichen Austausch auf der fachlichen Ebene. Um eine bessere Mobilität im ländlichen Raum zu erreichen, möchte Peripheral Access über eine Reihe von Pilotprojekten in sieben Ländern Mitteleuropas die Intermodalität und Infrastruktur in den beteiligten Regionen unterstützen, intelligente Kommunikationstechnologien einsetzen und innovative Kooperations- und Marketingansätze anwenden. In Deutschland ist die Region Vogtland in Sachsen mit einer bilingualen Marketingkampagne für grenzüberschreitende Zugverbindungen in der deutsch-tschechischen Grenzregion und dem Projektpartner Zweckverband ÖPNV Vogtland vertreten.

Mit der TransRegio Alliance wurde dem Wunsch vieler beteiligter Akteure Ausdruck verliehen, sich mit thematisch verwandten Kooperationen und Interreg-Projekten in den Bereichen Verkehr und Mobilität (wie z.B. Trans-Borders, SubNodes, Scandria®Alliance und Rumobil) besser zu vernetzen und bestehende informelle Kooperationsstrukturen zu festigen. Eine solche innerdeutsche Vernetzung der Interreg-Projekte und eine überregional abgestimmte, von der Länderebene losgelöste Koordination zur gemeinsamen Korridorentwicklung und Rückkopplung auf die politische und operative Ebene existierten bis dahin nicht.

Was bringt das Projekt für Ihre Region?

Die TransRegio Alliance trägt auf Raumordnungsebene zu mehreren Prioritäten der territorialen Agenda bei, insbesondere zur Vernetzung von Stadtregionen und Städten und zur Bildung oder Stützung wettbewerbsfähiger Cluster über das Förderinstrument Interreg V B. Von den sechs Deutschland betreffenden Kernnetzkorridoren des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) verlaufen drei durch die neuen Länder. Deren Schnittpunkt ist die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg. Mit dem Ziel einer stärkeren Einbindung der neuen Länder in den europäischen Verkehrsraum tragen die Interreg-Akteure in der TransRegio Alliance aktiv zur Regionalentwicklung der ostdeutschen Länder bei.

Was ist Ihre persönliche Motivation für die Zusammenarbeit an diesem Thema?

Als Diplom-Stadtplanerin lag mein Betätigungsfeld zunächst vor allem im kommunalen und urbanen Bereich. Später habe ich an politischen und wissenschaftlichen Projekten mitgewirkt. Im Projekt TransRegio Alliance habe ich nun die Möglichkeit, Prozesse der Raumentwicklung auf allen Ebenen zu betrachten und die Zusammenhänge zwischen diesen Ebenen besser zu verstehen. Nach mehreren Jahren im Ausland und der Mitwirkung an internationalen Projekten kann ich außerdem meine Kenntnisse der föderalistisch-administrativen Organisationsstrukturen in Deutschland auffrischen und erweitern. Nicht zuletzt habe ich mich über die Jahre immer wieder mit dem Themenbereich nachhaltiger Entwicklung und Mobilität beschäftigt und kann sowohl mit Peripheral Access als auch TransRegio Alliance an diese Erfahrungen anknüpfen.

Was ist Ihr bislang schönstes Erlebnis im Rahmen des Projektes?

Nach meinem Start beim DV und dem Einstieg im Projekt Peripheral Access, hatte ich schon bald die Gelegenheit, zusammen mit meinem Kollegen das Treffen der TransRegio Allianz in Erfurt im Mai 2019 vorzubereiten. Gastgeber vor Ort war das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, welches auch die "Europäische Nahverkehrskonferenz" im Rahmen des Interreg-Projekts "SubNodes" am nächsten Tag ausrichtete - eine perfekte Ergänzung! So konnte ich nicht nur die Mitglieder der Alliance persönlich kennen lernen und etwas über die verschiedenen Projekte und Aktivitäten der Bundesländer erfahren. Ich konnte dies unmittelbar in einen europäischen Kontext setzen, mit Erfahrungen aus anderen Regionen vergleichen und mich mit einem großen Netzwerk nationaler und internationaler Akteure austauschen. Das Treffen im Mai machte den Zusammenhang zwischen Interreg-Projekt und Andock-Projekt für mich sehr konkret und greifbar.

Weitere Informationen:
Projekt TransRegio Alliance

Alexandra Beer arbeitet seit einem Jahr als Projektkoordinatorin beim Leadpartner von Peripheral Access, dem Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) in Berlin. Dort übernimmt sie Management- und Kommunikationsaufgaben. Auch das Andockprojekt TransRegio Alliance betreut sie seitdem mit und ist an der Konzipierung und Umsetzung der Arbeitstreffen beteiligt.