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AlpInnoCT: Innovative Lösungen für einen nachhaltigen Güterverkehr in den Alpen

Interview mit Projektkoordinator Jürgen Neugebauer vom Bayrischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr über die Ergebnisse des Interreg-Projektes AlpInnoCT

Bessere Kombination von Bahn, Schiff und LKW für umweltschonenden Güterverkehr (© Marlo H. Photography)

Der alpenquerende Straßen-Güterverkehr hat enorme ökologische und soziokulturelle Auswirkungen auf den Lebensraum Alpen. Schon seit vielen Jahren begegnen die Akteure in den Alpen den komplexen Herausforderungen, die der stetig zunehmende Verkehr stellt. Im Interreg-Projekt "Alpine Innovation for Combined Transport (AlpInnoCT)" arbeiten fünfzehn Partner-Institutionen des Alpenraums aus Deutschland, Italien, Österreich, Slowenien und der Schweiz zusammen, um den Güterverkehr über die Alpen umweltschonend und effizient abzuwickeln. Das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ist Lead Partner des Projektes, das im November 2016 startete und im Januar 2020 endet. Anlässlich der Abschlusskonferenz berichtet Jürgen Neugebauer vom Bayrischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr über die wichtigsten Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projektes.

Was waren die Inhalte der Abschlusskonferenz?

Die Abschlusskonferenz von AlpInnoCT bot die Gelegenheit, die Ergebnisse, die politischen Empfehlungen und die Zukunftsaussichten des Projekts vorzustellen und zu diskutieren. Die Veranstaltung fand am 19. November 2019 statt und wurde freundlicherweise von der Vertretung des Freistaates Bayern bei der Europäischen Union in Brüssel ausgerichtet.

Podiumsdiskussion während der AlpInnoCT Final Conference (© Jürgen Neugebauer)

Verschiedene Referenten informierten die etwa 80 Teilnehmenden aus privaten und öffentlichen Einrichtungen, die auf europäischer Ebene am Güterverkehr beteiligt sind, über die innovativsten Lösungen für einen "Modal Shift" (englische Bezeichnung für Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsmittel), u.a. aus dem ELETA-Projekt (UIRR-Webseite zum Projekt ELETA) und der europäischen Shift2Rail-Initiative (Shift2Rail website). Vertreter der TX Logistik AG und ZAILOG präsentierten die in AlpInnoCT entwickelten Pilotmaßnahmen und diskutierten sie mit der Öffentlichkeit. Im Rahmen der Dialogveranstaltung "Policy Recommendations for a Sustainable Trans-Border Alpine Freight Transport" am Nachmittag präsentierten die Projektpartner CIPRA, bmvit und Eurac die AlpInnoCT-Politikempfehlungen. Zum Abschluss fand eine Podiumsdiskussion mit Referenten aus dem Bereich des Güterverkehrs und Projektpartnern statt. Aus der Diskussion ging hervor, dass dem Kombinierten Verkehr (KV) eine sehr wichtige Bedeutung zur Schaffung eines nachhaltigeren Güterverkehrs zukommt. Die von AlpInnoCT vorgeschlagenen Lösungen und Empfehlungen wurden von den Teilnehmenden, insbesondere von den Vertretern der EU und der EUSALP, begrüßt. Die allgemeine Modernisierung der Schieneninfrastruktur, die die Knotenpunkte des Kombinierten Verkehrs mit den Hauptkorridoren verbindet, wurde von den Teilnehmern als die relevanteste politische Empfehlung gewertet, aber auch elektronische Datenübermittlung und Digitalisierung in den Abläufen der Transportketten sind grundlegende Themen.

Was sind wichtige Ergebnisse und Erfahrungen innerhalb des Projekts AlpInnoCT?

AlpInnoCT hatte zum Ziel, einen effizienteren alpinen Güterverkehr mit Schwerpunkt auf den Kombinierten Verkehr zu etablieren. Die Idee war, u.a. durch die Übertragung von Prozessen aus der Produktionsindustrie, das Güterverkehrs-System zu optimieren und den Transport insgesamt effizienter zu gestalten. Dazu gehört auch die Analyse bestehender Strategien, Richtlinien und Prozesse.

AlpInnoCT 3-Säulen-Ansatz zur Optimierung des Kombinierten Verkehrs (© AlpInnoCT)

Fünf Pilotmaßnahmen auf zwei Pilotverbindungen (Verona-Rostock und Bettembourg-Triest) wurden implementiert und getestet, deren Ergebnisse auch über das Projekt hinaus weiterverfolgt und ausgebaut werden sollen.

Mit dem Ansatz der Dialogveranstaltungen im Projekt wurden verschiedene Akteure aus Güterverkehr, Logistik, regionalen und lokalen Behörden, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammengebracht. Die Endprodukte dieses Prozesses sind "Politische Maßnahmenblätter" und "Technische Maßnahmenblätter". Sie sind Bestandteil der AlpInnoCT Toolbox of Action (Toolbox of Action - AlpInnoCT project website).

Wie geht es nach Projektabschluss weiter?

Die erprobten Pilotanwendungen wie u.a. "Wagon-Sharing" (gemeinsame Nutzung von Waggons) im Interterminal Verona, elektronischer Datenaustausch im Hafen von Triest oder die Anwendung autarker GPS-Tracker im Schienenverkehr, sollen auch über das Projekt hinaus weiterbetrieben oder weiterentwickelt werden.

Die von AlpInnoCT vorgeschlagenen Lösungen und Empfehlungen sollen durch die Verbindung der Projektpartner zu den EUSALP-Arbeitsgruppen, besonders der AG 4 (Arbeitsgruppe Mobilität) sowie auch der Arbeitsgruppe Verkehr der Alpenkonvention, die Nachhaltigkeit der AlpInnoCT-Projektergebnisse sowie die transnationale Zusammenarbeit über das Projekt hinaus sicherstellen.

Weitere Informationen:
AlpInnoCT project - Interreg Alpine Space website

Jürgen Neugebauer ist Referent im Grundsatzreferat für Schienen- und Luftverkehr im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.