Rotterdam am Mittelmeer
Das Leuchtturmprojekt AlpFRail
Wie kommt ein T-Shirt von China ins Kaufhaus in München? Es fährt in einem Container durch den Suezkanal in das Mittelmeer. Von dort durch die Meerenge von Gibraltar, dann nach Norden. Schließlich landet es im Hafen von Rotterdam und rollt von dort per Zug nach München. Nun kann man sich fragen, warum das T-Shirt aus China kommen muss. Aber zuerst sollte man sich fragen, ob es nicht auf etwas kürzerem Weg geht.
Denken in Netzen statt Achsen
AlpFRail steht für "Alpine Freight Railway" – also Alpiner Schienengüterverkehr. Jeden Tag rollen über 5.000 Lastkraftwagen über den Brenner-Pass. Zwar hat auch die Kapazität auf den Schienen zugenommen, aber zwei Drittel des Güterverkehrs finden auf der Straße statt. Will man den Seeweg um halb Europa sparen, würde es noch viel mehr werden. Um die Menschen im Alpenraum zu entlasten und gleichzeitig die Transporte kostengünstiger zu machen, bedarf es eines Modal Shift – also einer Verlagerung des Straßenverkehrs auf andere Verkehrsmittel. Ohne eine enge Zusammenarbeit der betroffenen Länder geht das nicht. Regionale Konzepte müssen in ein überregionales Gesamtkonzept integriert werden. Zusammen wollte man in AlpFRail beginnen, den Verkehr in den Alpen nicht nur in Nord-Süd-Achsen zu denken, sondern als Netz, als Gesamtsystem zu begreifen.
Quelle: LKZ Prien
Grenzenloser Schienenverkehr
Bei AlpFRail arbeiteten erstmals Staatsministerien, Landesregierungen, Provinzen, Regionen, Handelskammern und Verbände aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz zusammen, um den Güterverkehr auf Schienen neu zu organisieren. Ausgangspunkt der Arbeit war eine umfassende Analyse des schienengebundenen Logistik-Güterverkehrs im Alpenraum. Danach erarbeitete das Partnernetzwerk in mehr als 100 transnationalen Zusammenkünften und Veranstaltungen konkrete Konzepte für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Dabei konnten die Partner aufzeigen, wie die Qualität auf der Schiene in Bezug auf Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Preis kurzfristig gesteigert werden kann. Einige der Konzepte konnten schon während der Projektlaufzeit in die Tat umgesetzt werden.
Quelle: Projekt AlpFRAil
Mit dem Adriazug nach China
Täglich müssen Container mit Exportgütern von den Wirtschaftsräumen in Bayern in die Mittelmeerhäfen geschafft werden. Dies geschieht teils mit Lastwagen über den Brenner, teils auf der Tauernbahn zwischen Salzburg und Triest. Die Transportkapazitäten durch die Alpen sind aber weitgehend ausgereizt: Auf der Schiene gibt es kaum noch freie Zeiten und mehr Lastwagen verträgt der Alpenraum schon aus ökologischen Gründen nicht mehr. Deshalb werden viele Güter nach Hamburg oder Rotterdam und dann per Schiff ins Mittelmeer transportiert. "Dabei bringt der Transport durch die Alpen nach Fernost eine Ersparnis von vier bis fünf Tagen", erklärt Karl Fischer, Geschäftsführer des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) Prien. Im Rahmen von AlpFRail hat Fischer Möglichkeiten gefunden, einen weiteren Güterzug pro Tag auf der Tauernstrecke fahren zu lassen. Der kann pro Monat die Container von 845 LKWs in die Häfen von Triest in Italien und Koper in Slowenien transportieren. Für Maschinen und andere Güter aus Bayern wird dadurch der Export kostengünstiger, für die Menschen an den Verkehrsachsen in den Alpen bleibt das Leben lebenswert. Und auf dem Rückweg kann der "Adriazug" dann den Container mit den T-Shirts mitnehmen.
Auf dem Weg zum intermodalen Frachtverkehr
Im Güterverkehr per LKW funktioniert es schon: eine Spedition bekommt den Auftrag, der LKW holt die Ware vom Lager ab und fährt sie quer über die Alpen direkt zum Kunden. In Echtzeit kann man jederzeit den Standort der Ware während des Transports erfahren. Im Schienengüterverkehr ist man davon noch weit entfernt. Mit intelligenter Informationstechnologie sollen die Spediteure zukünftig zeitnah Informationen über die Produktangebote des Schienenverkehrs allgemein, die Auslastung der Transportwege, die tatsächlichen Abfahrts- und Transportzeiten und die realen Kosten erhalten. Und zunehmend werden neue Antriebstechnologien eine Rolle spielen, wie sie beispielsweise im Projekt CO2NeuTrAlp derzeit erprobt werden.
Quelle: LKZ Prien
AlpFRail ist INTERREG-Leuchtturm…
…weil es Wege aufzeigte, eine vorhandene, internationale Infrastruktur zum Wohle von Wirtschaftlichkeit
und Umweltschutz besser zu nutzen.
... weil es half, die Alpenländer in punkto Güterverkehr als einen gemeinsamen europäischen Raum
zu begreifen.
... weil neben guten Konzepten auch konkrete Ergebnisse wie der Adriazug, der TrailerTrain oder der Shuttlezug zwischen Ulm und Mailand erzielt wurden.



