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Workshop 7 "Interkulturelle Kommunikation"

Interkulturell arbeiten und kommunizieren

Von welcher Bedeutung ein gelungenes interkulturelles Projekt-Management ist, ist sicherlich jedem bewusst, der einmal aktiv an einem INTERREG B-Projekt teilgenommen hat. Denn Sprachprobleme, differierende Arbeitsweisen oder ein unterschiedliches Verhältnis zu Zeit und Hierarchien können im Projektalltag leicht zu Missverständnissen führen. "In Projekten läuft nicht immer alles wie erwartet. Es ist aber auch eine Chance, wenn nicht alle gleich denken. Verschiedene Menschen bedeuten auch viele Perspektiven und Kreativität", erklärt Katariina Röbbelen-Voigt zu Beginn des Workshops. "Kultur ist wie ein Eisberg - was wir nicht sehen können, macht den größten Teil aus". Es sei also wichtig anzuerkennen, dass die Kultur das Verhalten der Menschen beeinflusst und zu lernen, mit diesen Unterschieden kreativ umzugehen.

Manche Länder gelten als Aufgaben-fokussierter, andere wiederum als hierarchisch, pragmatisch, regelbewusst oder gruppenorientiert. Auch unterschiedliche Gepflogenheiten in Bezug auf Arbeits- und Urlaubszeiten müssen berücksichtigt werden. "In Deutschland werden Sachorientierung, Strukturen und Regeln sowie Zeitplanung und Individualismus sehr hoch gehalten", erklärte Martin Reents unter Berufung auf das Buch "Die Deutschen - Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben" von Sylvia Schroll-Machl. Durch diese direkte, undiplomatische Art können wir unter Umständen andere verletzen, ohne dies zu beabsichtigen.

Powerpoint-Präsentation "Zentrale deutsche Kulturstandards"
Martin Reents, INFRASTRUKTUR & UMWELT

Damit multikulturelle Arbeit ein Erfolg sein kann, müssen Unterschiede in der Gruppe in allen Projektphasen berücksichtigt werden, so Röbbelen-Voigt. So sind z.B. die Länder bei der Beziehungsaufbau-Phase am Anfang des Projektes wichtig, die viel Wert auf das zwischenmenschliche Miteinander legen, während bei der Durchführung am Ende eher aufgabenbasierte, pünktliche Kulturen die Führung übernehmen.

Entscheidend ist vor allem eine gelungene Kommunikation - allerdings werden unterschiedliche Regeln befolgt und verschiedene Kanäle bevorzugt. So schätzen einige Länder eher die formelle, andere die informelle Kommunikation, manchen reichen mündliche Absprachen, während andere auf schriftlichen Verträgen bestehen. Allgemein gilt: Alle Kommunikationskanäle sollten genutzt werden! Das bilaterale Gespräch am Rande einer Konferenz kann informativer sein, als jeder Fachvortrag. Persönliche Treffen und Meetings sind dementsprechend auch essentiell. "Man muss die Leute kennen, das können Telefonate und Videokonferenzen nicht ersetzen", so Röbbelen-Voigt. Denn gerade informelle Treffen und der Aufbau persönlicher Beziehungen seien wichtig für die gegenseitige Akzeptanz. Das bestätigten auch die Wortbeiträge der Workshop-Teilnehmer.

Powerpoint-Präsentation "Multicultural Project Management"
Katariina Röbbelen-Voigt, Kooperationsstelle Hamburg IFE GmbH

Ein interkultureller Projektmanager braucht also vor allem ein Bewusstsein für die Verschiedenheit und Moderationsgeschick. Er muss Missverständnisse ausräumen und ständiges Feedback einholen. Jeder in der Gruppe sollte das Gefühl haben, dass seine Interessen vertreten werden. Auch die Auswirkungen der Sprache dürfen nicht vernachlässigt werden. In EU-Projekten mischen sich englische "Native Speakers" mit Menschen, die sich in dieser Fremdsprache nicht besonders firm fühlen. Diese Unterschiede gilt es anzuerkennen, niemand sollte aufgrund von sprachlichen Fähigkeiten auf die fachlichen Kompetenzen des Gegenübers schließen.

Offenheit für neue Informationen, Flexibilität im Denken, keine polarisierenden Standpunkte einnehmen, über den Tellerrand hinausschauen, langfristige Planung und eine bessere Kommunikation - versuchen die Teilnehmer, diese Aspekte zu berücksichtigen, so können alle von der interkulturellen Projektarbeit profitieren.

Impressionen von Workshop 7 "Interkulturelle Kommunikation"Quelle:  DV, Michael Kirsten

Moderation:Kaarina Williams, Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, Kiel
Experten:Katariina Röbbelen-Voigt, Kooperationsstelle Hamburg IFE GmbH, Hamburg
Martin Reents, INFRASTRUKTUR & UMWELT, Potsdam
Bericht:Heike Mages, DV-Gesellschaft des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung mbH, Berlin


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